"Cooles" Wien trotz Klimawandel? Neue Analyse zeigt wie

Der Klimawandel macht auch den Wienern zu schaffen. Da Hitzetage und Tropennächte weiter zunehmen werden, rät eine neue Analyse des Wiener Stadtklimas dazu, großzügige Grünflächen und Frischluftschneisen bei der Stadtplanung mit ein zu berechnen.
Der Klimawandel macht auch den Wienern zu schaffen. Da Hitzetage und Tropennächte weiter zunehmen werden, rät eine neue Analyse des Wiener Stadtklimas dazu, großzügige Grünflächen und Frischluftschneisen bei der Stadtplanung mit ein zu berechnen.Bild: PID/Christian Fürthner
Heiß in dicht verbauten Grätzeln, kühl dank Kaltluftschneisen im Westen: Eine neue Analyse zeigt Wiens unfreiwilige Hot Spots. Und zeigt Lösungen auf.

Ein Hauptergebnis der Stadtklima-Analyse, die von der Forschungseinrichtung Weatherpark im Auftrag der MA18 (Stadtplanung und Stadtentwicklung) durchgeführt wurde, ist wenig überraschend: Am heißesten ist in den dicht verbauten Bezirken im Zentrum der Stadt. Hingegen profitieren viele Bezirke aber auch von Kaltluftströmen, die frische und kühle Luft bis weit in die Stadt bringen. Diese Erkenntnis soll nun für künftige Stadtplanungsprojekte genutzt werden. 

Für die Analyse prüften vier Mitarbeiter von Weatherpark in Kooperation mit dem Institut für Klima- und Energiekonzepte (INKEK) ein Jahr lang Daten zu verbauten Flächen, der Verteilung von Grünraum bis hin zu meteorologischen Aufzeichnungen. Diese wurden dann in eine Wienkarte eingetragen. Rot und Orange zeigen "Hot Spots" an, blau und grün steht für kühlere Temperaturen dank weitreichender unversiegelter Grünflächen und Frischluftschneisen. 

Je weiter nach Wien hinein, desto heißer wird es

Dabei zeigt sich, dass es vor allem in den Innenbezirken ziemlich heiß wird. Die Gründe liegen in der dichten Verbauung und dem relativ hohen Anteil versiegelter Fläche. Somit bestätigt die Analyse, was viele schon am eigenen Körper erfahren haben: Am meisten geschwitzt wird in der City und den Bezirken innerhalb des Gürtels. 

Die neue Analyse zeigt: Je weiter man nach Wien hinein kommt, desto heißer wird das Mikroklima.
Die neue Analyse zeigt: Je weiter man nach Wien hinein kommt, desto heißer wird das Mikroklima.Stadt Wien

Die Studie weist aber auch für Gebiete außerhalb rote Flächen auf: Viele entfallen auf Industriegebiete, aber auch die Messe Wien (Leopoldstadt) sowie das AKH Wien (Alsergrund) oder die Klinik Ottakring sind in der Karte rot eingefärbt. Echt "cool" sind im Vergleich der Zentralfriedhof in Simmering, der Prater (Leopoldstadt) oder der Lainzer Tiergarten. Wenig überraschend sind dafür die weitreichenden Grünflächen verantwortlich. 

Kaltluftströme bringen Abkühlung in der Nacht

Neben den Hitzeinseln untersuchte Weatherpark auch die Frischluftversorgung der Stadt. Dafür wurden erstmals die Kaltluftströme nach Wien unter die Lupe genommen. Dabei ist der Westen Wiens der kalte Gewinner. Da der Wind in Wien mehrheitlich aus Westen kommt, fließt er über die Grünflächen wie den Wiener Wald und kühlt dabei ab. Für die Bezirke Hietzing, Penzing, Ottakring und Hernals bedeutet das eine angenehm, frische Brise. Wie die Karte der Kaltluftströme zeigt, reicht die frische Luft aber auch teilweise bis zum Gürtel. 

Dafür profitiert vor allem der Westen Wiens von einströmender Kaltluft.
Dafür profitiert vor allem der Westen Wiens von einströmender Kaltluft.Stadt Wien

Klimaverhältnisse sollen bei neuen Stadtteilen berücksichtig werden

Die nun vorliegenden Ergebnisse geben der Wiener Stadtplanung konkrete Handlungsaufgaben. Neben der Bestätigung, dass Grünräume, Schatten und strömende Frischluft die beste "Klimaanlage" bleiben, zeigt die Analyse auch die Notwendigkeit auf, dies in künftige Planungen miteinzubeziehen. Auch direkte Begleitmaßnahmen zur Projektplanung lässt sich anhand der Stadtklima-Analyse auch der Einsatz von Wasser und die Verwendung geeigneter (weniger stark aufheizender) Materialien, etwa helle statt dunkle Bodenbeläge, ableiten. 

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