Corona-bedingt 40% weniger Öffi-Fahrgäste 2020

Die Fahrgastzahlen gingen 2020 um 40% zurück.
Die Fahrgastzahlen gingen 2020 um 40% zurück.Tobias Steinmaurer / picturedesk.com
Im Jahresschnitt sind die Fahrgastzahlen der Wiener Linien 2020 um 40% gesunken. Insgesamt waren rund 574 Millionen Passagiere unterwegs.

Die Folgen der Lockdowns machten im vergangenen Jahr auch nicht vor den Wiener Linien Halt: Während des ersten Lockdowns im Frühling waren bis zu 80 Prozent weniger Fahrgäste mit Bus, Bim und U-Bahn unterwegs, im November kam es sogar zu einem deutlichen Minus von 60 Prozent. Insgesamt sind die Fahrgastzahlen im Jahresschnitt um 40 Prozent gesunken, trotzdem waren immerhin rund 574 Millionen Passagiere unterwegs.

Was die Maskenpflicht in den Öffis betrifft, sind die Fahrgäste generell diszipliniert. Seit Anfang Juli 2020 mussten die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes mehr als 105.000 Personen an den Mund-Nasen-Schutz und den korrekten Sitz der Maske erinnern. 380 Fahrgäste, die die Maskenpflicht auch nach Ansprache verweigert haben, erhielten eine Geldstrafe in Höhe von 50 Euro: "Corona schlägt sich auf's Gemüt. Das Nervenkostüm unserer Fahrgäste ist sehr angespannt", meinte Steinbauer.

Stammkunden blieben Wiener Linien treu

Trotz der Ausnahmesituation im vergangenen Jahr sind die Stammkunden den Wiener Linien überwiegend treu geblieben: 2020 wurden 1.079.000 Jahres- sowie Semester-Karten- und Jugendtickets verkauft, um 66.000 Karten weniger als noch 2019. Aufgrund des Einbruchs der Fahrgastzahlen gab es im vergangenen Jahr auch Einnahme-Einbußen in Höhe von 110 Millionen Euro. Die Stadt Wien unterstützt dieses Jahr daher mit einem Betriebskosten-Zuschuss von 75 Millionen Euro. Zusätzlich wurden Projekte verschoben sowie in anderen Bereichen Kosten eingespart, wie etwa fünf Millionen Euro durch die Einstellung der Nacht-U-Bahn.

Trotz der hohen Verluste sind laut Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer keine weiteren Fahrplan-Ausdünnungen geplant. Auch der Preis der Jahreskarte bleibt mit 365 Euro bis 2022 unverändert, versprach Öffi-Stadtrat Peter Hanke (SPÖ) im Rahmen einer Pressekonferenz. Angesprochen auf höhere Ticket-Preise meinte Hanke: "Ich kann nicht ausschließen, dass es da und dort zu Erhöhungen kommt." Fix ist: "Wir wollen wieder auf Vor-Corona-Niveau zurückkommen", so Hanke.

Baugeschehen geht heuer so richtig los

Im vergangenen Jahr änderte sich auch das Mobilitätsverhalten der Wiener: Durch die stark eingeschränkten Bewegungsradien wurden die Wege vermehrt mit dem Fahrrad bzw. zu Fuß zurückgelegt. So stieg der Radverkehr von sieben auf neun Prozent, der Fußgänger-Anteil erhöhte sich gar von 28 auf 37 Prozent. Rund 27 Prozent (statt 38 Prozent) nutzten die Öffis auf ihren täglichen Wegen. Annähernd gleich blieb der Anteil der Pkw-Nutzung mit 27 Prozent. 

Trotz Corona-Krise geht laut Steinbauer "das Baugeschehen heuer so richtig los": Die Wiener Linien investieren 503 Millionen Euro in die Öffis – so viel wie noch nie. Mitte Jänner 2021 erfolgte der Spatenstich für die Bauarbeiten bei den Stationen U2xU5 Rathaus und U5 Frankhplatz. Auch die Bauvorbereitungen für die Stationen U2xU3 Neubaugasse, U2xU4 Pilgramgasse und U2 Reinprechtsdorfer Straße haben mit Februar gestartet bzw. werden für die Station U2xS Matzleinsdorfer Platz fortgesetzt.

Ab Mai wird U2 teilweise gesperrt

Ende Mai tritt für 26 Monate die U2-Teilsperre in Kraft, die U2 wird nur zwischen Seestadt und Schottentor geführt. In dieser Zeit wird die U2-Stammstrecke auch mit Bahnsteigtüren für den vollautomatischen Betrieb der U5 ab 2026 ausgestattet. Die neue Strecke der U2 geht dann ab 2028 in Betrieb. Für das Projekt NEU4 werden am Franz-Josefs-Kai Tunneldecke und Straßenoberfläche zwischen Marienbrücke und Dominikanerbastei von Ende Juni bis Anfang Oktober erneuert. Währenddessen kommt es zu keinen Einschränkungen für die U4-Fahrgäste. Dazu kommen noch rund 30 Gleiserneuerungs-Projekte.

Mit der Lieferung des ersten fertigen X-Wagens im Sommer 2020 starteten die Tests und Prüfungen für die neuen U-Bahn-Generation. Diese werden 2021 laufend weitergeführt. Mit der erfolgreichen Betriebsbewilligung 2022 kann der X-Wagen für den Fahrgastbetrieb auf den Linien U1 bis U4 eingesetzt werden. Nach Fertigstellung der ersten Baustufe der U5, voraussichtlich 2026, kann der X-Wagen dann erstmals vollautomatisch auf der neuen Linie U5 fahren. Auch bei den Straßenbahnen tut sich viel: Nachdem bereits 18 Flexitys auf den Linien 6 und 11 ihre Runden drehen, sollen heuer 24 weitere neue Garnituren von Bombardier an die Wiener Linien geliefert werden.

Sharing-Angebot wird ausgebaut

Zudem wird das Sharing-Angebot weiter ausgebaut. Derzeit sind sieben WienMobil-Stationen in Betrieb, die das Öffi-Angebot mit Bike- und Car-Sharing verknüpfen. Mindestens fünf weitere Stationen werden 2021 dazukommen. Zusätzlich laufen derzeit die Vorbereitungen auf die europaweite Ausschreibung des wienweiten Citybike-Nachfolgeprojekts, das 2022 realisiert werden soll. 

Außerdem laufen aktuell zahlreiche Forschungsprojekte: RemiHub etwa lotet aus, wie Öffi-Garagen als innerstädtische Logistikflächen für Paketzusteller genutzt werden können. Spezielle Photovoltaik-Folien auf der U3-Station Ottakring testen, wie diese Technologien sinnvoll auf U-Bahn-Dächern eingesetzt werden können. Wie Wiener-Linien-Grünflächen neben Stationen und Haltstellen effizienter für Insekten und Pflanzen genutzt werden können, untersucht derzeit die Boku.

Sicherheits-Personal wird aufgestockt

Auch personell gibt es Neuigkeiten: Insgesamt wurden 2020 rund 1.100 neue Mitarbeiter bei den Wiener Linien aufgenommen, um 270 mehr als 2019. Auch das Sicherheits-Personal wird von derzeit 130 Mitarbeiter bis Ende des Jahres auf 145 aufgestockt. Zudem wird derzeit ein neuer Campus für bis zu 480 Lehrlinge in Simmering gebaut, ab Herbst werden die neuen Lehrberufe Elektrotechnik/Mechatronik sowie Gleisbautechnik angeboten.

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