Corona-Demonstranten attackieren eigene Teilnehmer

Die Corona-Demo in Wien am 4. Dezember 2021.
Die Corona-Demo in Wien am 4. Dezember 2021.Leserreporter Anupam
Kuriose Szenen spielten sich bei der Corona-Demo am 4. Dezember in Wien ab. Anführer der Demonstration attackierten eigene Teilnehmer.

Zu abertausenden will man im ganzen Land geschlossen der "Corona-Diktatur" entgegentreten. Nun wurden im Rahmen einer Corona-Demonstration aber die eigenen Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes getreten. Und zwar ausgerechnet von jener Gruppe, die die Züge regelmäßig anführt.

Ein Video des Vorfalls teilt der Corona-Aktivist Alexander Ehrlich auf Telegram. Er verschreibt sich immer wieder dem Pazifismus, wählt selbst aber regelmäßig aggressive Rhetorik und hatte auch bisher keine Probleme, mit Rechtsextremen für die gemeinsame Sache zu demonstrieren. Nichtsdestotrotz grenzt er sich von den vermeintlich weniger der Gewalt abgeneigten Gruppierungen innerhalb der "Querdenker"-Szene ab – zumindest auf dem Papier.

"Wir sind der Widerstand!" – "Nein, wir!"

Als am 4. Dezember in Wien demonstriert wurde, waren auch 70 Aktivisten von "Studenten stehen auf" dabei. Sie trugen Banner, auf denen etwa "Menschenrechte statt Geimpftenrechte" stand und forderten "Freiheit für Wissenschaft, Meinung und Lehre". Eine Teilnehmerin trug ein Schild, auf welchem "Antifaschist für immer" zu lesen war.

Wer gegen Faschismus ist, macht sich auf den Corona-Demos aber offenbar zur Zielscheibe von Hass und Gewalt. Gegen 15.40 Uhr sollen Teilnehmer aus der "Rechten Jugend", wie Alexander Ehrlich schreibt, die Aktivisten von "Studenten stehen auf" körperlich angegriffen und das Schild zerstört haben. "Dies ist kein Einzelfall gewesen. Auch einer unserer Livestreamer und mehrere Ordner wurden tätlich angegriffen bzw. bedroht", berichtet Ehrlich weiter.

Im Video selbst, das unmittelbar nach dem Angriff startet, ist zuerst ein "Wir zeigen das an" zu hören (gemeint dürfte die Sachbeschädigung sein). Es kommt zu einem kleineren Handgemenge, durchs Bild huscht auch ein mittlerweile von seiner Funktion entfernter FPÖ-Jungpolitiker, der durch einen anderen Vorfall im Rahmen der Demo noch auffallen sollte.

Fußtritt

Des weiteren sind mehrere vollvermummte, junge Personen zu sehen, die die Studenten aggressiv bedrängen und auf Hochdeutsch "Schleicht euch, alter" sagen. "Die gehören zu uns, wirklich", versuchen andere Studenten zu deeskalieren. Einer der Vermummten fragt "Wir sind der Widerstand, was seid ihr?" Als Antwort bekommt er ein "WIR sind der Widerstand! Ihr traut euch nicht Mal, eure Gesichter zu zeigen!"

Einer der "Rechten Aktivisten" quittiert das mit einem Fußtritt, woraufhin wieder andere Teilnehmer versuchen, die Situation zu schlichten. Später setzten sich die "Rechten Aktivisten" wieder an die Spitze des Demonstrationszuges und führen die 42.000 Teilnehmer durch Wien, warfen dabei Böller auf Polizeibeamte und durchbrachen mehrere Polizeiketten.

"Es wird Zeit, sowohl die Instrumentalisierung und Vereinnahmung der Demonstrationen als auch die Ziele dieser Gruppierung sowie ihre Verbindungen zu prominenten Akteuren der APO kritisch zu hinterfragen", schreibt Alexander Ehrlich deswegen auf Telegram. Er selbst will weiter pazifistisch bleiben.

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