"Zu viele Schüler mit Zuwanderer-Hintergrund"

Jeden Montag gibt Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Niki Glattauer in "Heute" Noten.Sabine Hertel
Glattauer gibt Noten. Heute: Zu viele Schüler mit Zuwanderer-Hintergrund! "Sind Kindergärtner pädophil?" Und: Das war die erfolgreichste Matura.

Zu viele Schüler mit Zuwanderer-Hintergrund!

Anlassbedingt (neue Zahlen zur Migration in Österreich) wurde medial jetzt immer wieder beklagt, welch großen Schaden Schüler im Corona-Jahr genommen hätten. Fehldiagnose! Corona hat die seit Jahren bestehenden Schäden nur sichtbar gemacht: die Vernachlässigung des Kindergartens; die ineffektive Halbtagsschule; das Kaputtreformieren der Hauptschule bei gleichzeitigem Kaputtsparen der städtischen AHS, was die eine zur Restschule, die andere zur Gesamtschule wider Willen gemacht hat; vor allem aber: das Versagen der Schulpolitik angesichts der enormen Zahl von Schülern aus bildungsfernen Zuwanderer- und Ausländer-Familien.

In Wiens Kindergärten sitzen inzwischen zu 60 (!) Prozent Kinder, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, in vielen Schulen 90 Prozent. Das überfordert ALLE. Lehrerinnen, Mitschüler, Eltern. Der Schulapparat weiß das und färbt schön. Und ja, im Corona-Jahr wurden viele Kinder "nicht erreicht". Wie seit Jahren schon.

Note: Nicht genügend!

"Sind Kindergärtner denn per se pädophil?"

Es werden zwar mehr, aber auf peinlich niedrigem Niveau. Gemeint sind Elementarpädagogen, sprich: die Gärtner in den Kindergärten. Laut aktueller Statistik sind 10 Prozent der Bewerberinnen Männer, tatsächlich im Dienst gar nur 2 Prozent. Jetzt hat sich, noch inoffiziell, eine Initiative zur Hebung der Männerquote formiert – mit überraschendem Fokus. Kritisiert werden nämlich nicht primär Bezahlung und Gruppengröße, sondern die Ungleichbehandlung im Job.

Einer der Initiatoren: "Wenn an den BAfEPs (Anmerkung: wo die Ausbildung erfolgt) immer noch gelehrt wird, dass Männer Kinder nicht wickeln sollen oder sie nur unter weiblicher Aufsicht aufs WC bringen, ja überhaupt angreifen dürfen, damit keine 'Missverständnisse' entstehen, dann widerspricht das unserem Berufsverständnis." Und noch deutlicher: "Solange männliche Elementarpädagogen unter den Generalverdacht der Pädophilie gestellt werden, darf es nicht wundern, dass sich so wenige in den Beruf wagen!"

Note: Unbefriedigend

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer war 25 Jahre Lehrer und Schuldirektor in Wien. Er hat bisher 13 Bücher veröffentlicht, alle zum Thema Schule wurden Bestseller. Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel findest Du hier.

Das war die erfolgreichste Matura ever ...

Mittwoch und Donnerstag noch die Kompensationsprüfungen, und vorbei ist die erfolgreichste Matura "seit Bestehen der Aufzeichnungen" ;-). Möglich gemacht durch einen entkomplizierten Mathe-Teil, ein überarbeitetes Beurteilungsschema und das Einbeziehen der Jahresnoten. Bravo!

Mir völlig unverständlich die Reaktionen von Kolleginnen aus dem Schul- und Uni-Betrieb, die offenbar der Zugang eint: Eine Matura, bei der nicht alle zittern und leiden und mindestens 20 Prozent scheitern, ist nichts wert. Besonders dumm finde ich das Argument, wonach das ministerielle Bemühen um gute Ergebnisse den Kriterien einer Zentralmatura widerspreche, die da wären Objektivität, Vergleichbarkeit und Fairness. Merke: Beurteilungen sind nie und nirgends objektiv und vergleichbar. Fair schon gar nicht. Jeder im richtigen Leben weiß das.

Note: Gut gemacht
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