Gesundheit

Corona: So infektiös sind Kinder wirklich

Nachdem ältere Risikogruppen bereits geimpft sind, rücken Kinder in den Fokus der Forschung.
Sabine Primes
29.04.2021, 21:50

Die Rolle von Kindern bei der Übertragung einer Corona-Infektion muss weiter untersucht werden. Zu Beginn der Pandemie, als weltweit Lockdowns verordnet wurden, war der enge Kontakt meist auf Haushalte beschränkt und die Teststrategien tendierten dazu, medizinisches Personal und symptomatische Personen zu priorisieren. Infolgedessen gab es relativ wenige diagnostizierte pädiatrische Fälle der Coronavirus-Krankheit und es schien, dass der Anteil der Kinder, die an der Übertragung der Infektion beteiligt waren, gering war oder dass sie etwa gar nicht infektiös seien.

Eine Studie aus Kanada hat sich jetzt mit der Infektiosität von Kindern beschäftigt. Es wurde eine Altersanalyse der Einwohner im Alter von 0 bis 17 Jahren in Ontario durchgeführt, die zwischen Juni und Dezember 2020 der Indexfall einer SARS-CoV-2-Infektion in ihrem Haushalt waren. Indexfälle wurden als der früheste Fall eines Haushalts definiert. Die pädiatrischen Indexfälle wurden in vier Altersgruppen (0-3 Jahre, 4-8 Jahre, 9-13 Jahre und 14-17 Jahre) eingeteilt, um ein genaueres Bild von eventuellen Altersunterschieden zu erhalten. 

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Kinder von 0 bis 3 Jahren übertragen am ehesten

In dieser Studie mit 6.280 pädiatrischen Erstfällen wurde beobachtet, dass Kinder von 0 bis 3 Jahren und 4 bis 8 Jahren mit einer höheren Übertragung in Haushalten assoziiert sind als Kinder von 14 bis 17 Jahren. Das bedeutet, dass die jüngste Probandengruppe im Vergleich zur ältesten Probandengruppe eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweist, den Virus auf andere Personen im Haushalt zu übertragen.

Unterschiede in der Virusausscheidung, Symptomausprägung und Verhaltensfaktoren können die Unterschiede in der Übertragungswahrscheinlichkeit im Haushalt in verschiedenen Studien erklären. Es wird vermutet, dass die Viruslast ein wichtiger Faktor ist, der die Wahrscheinlichkeit einer SARS-CoV-2-Übertragung beeinflusst. Mehrere Studien zur altersspezifischen Virusausscheidung von SARS-CoV-2 berichten, dass die Viruslasten bei Kindern ähnlich oder höher sind als die Viruslasten bei Erwachsenen. Insbesondere eine Studie berichtete, dass Kinder unter fünf Jahren mehr virale RNA in ihrem Nasen-Rachen-Raum tragen könnten als ältere Kinder und Erwachsene.

Auswirkungen auf Präventionsmaßnahmen

Die unterschiedliche Infektiosität der pädiatrischen Altersgruppen hat Auswirkungen auf die Kontrollen zur Infektionsprävention in Haushalten und Schulen/Kinderbetreuungseinrichtungen, um das Risiko einer sekundären Übertragung im Haushalt zu minimieren. Obwohl Kinder die Infektion nicht so häufig zu übertragen scheinen wie Erwachsene, sollten sich die Betreuungspersonen des Übertragungsrisikos bewusst sein, wenn sie kranke Kinder im häuslichen Umfeld betreuen. Da es schwierig und oft unmöglich ist, kranke Kinder sozial zu isolieren, sollten die Betreuungspersonen andere Maßnahmen zur Infektionskontrolle anwenden, wo dies möglich ist, wie die Verwendung von Masken, vermehrtes Händewaschen und die Trennung von Geschwisterkindern.

Da die Zahl der pädiatrischen Fälle weltweit zunimmt, wird die Rolle von Kindern bei der Übertragung im Haushalt weiter wachsen. Diese Studien zeigen, dass Kinder eine besondere Risikogruppe darstellen. Zwar sind sie meist selbst nicht schwer krank oder asymptomatisch bei einer COVID19-Infektion, allerdings übertragen sie häufig den Virus an Familienmitglieder zu Hause. Ein wesentlicher Faktor, die Pandemie zu beenden, wird daher die Immunisierung von Kindern sein müssen. Impfstudien bei Kindern zeigen bislang gute Wirkung.