Wien

Corona-Verdacht: Kindergärten und Horte bleiben offen

Neue Richtlinien bei Verdachtsfällen in Kindergärten und Horten: Statt Einrichtungen zu schließen, wird nur noch das betroffene Kind isoliert.
Christine Ziechert
17.07.2020, 16:53

Für die Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien gibt es ab sofort neue Richtlinien für den Umgang mit Covid-19-Verdachtsfällen. Die Situation in Kindergärten und Schulen wurde über die letzten Wochen genau beobachtet. Dabei hat sich gezeigt, dass nur ein Bruchteil der Verdachtsfälle positiv auf Covid-19 getestet wurde. Weniger als fünf Prozent der Kinder mit Symptomen hatten sich tatsächlich mit dem Virus infiziert.

Die neuen Richtlinien sehen vor, dass nur noch jenes Kind, das Krankheitssysmptome aufweist, abgesondert wird. Enge Kontaktpersonen, also Kinder der gleichen Klasse oder Gruppe, können weiter unterrichtet oder betreut werden. Dabei darf es zu keiner Vermischung mit anderen Klassen oder Gruppen kommen. Auch in der Freizeit sollen – bis das Ergebnis vorliegt – Kontakte weitgehend vermieden werden. So sollen keine Spiel- oder Sportplätze aufgesucht sowie Familien- und Geburtstagsfeiern besucht werden. 

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Kontaktpersonen werden nur bei positivem Ergebnis isoliert

Ist das Ergebnis beim Verdachtsfall positiv, werden die engen Kontaktpersonen (Kinder derselben Gruppe/Klasse) für 14 Tage nach dem letzten Kontakt zum infizierten Kind abgesondert. Die Gesundheitsbehörde nimmt dann mit den Betroffenen Kontakt auf und leitet weitere Tests in die Wege.

"Die vergleichsweise niedrige Infektionsrate bei Kindern wird auch durch zahlreiche Studien bestätigt. Deshalb können wir die Vorgangsweise nun vereinfachen und die Betreuung der Kinder im Sinne aller Beteiligten auch bei Verdachtsfällen aufrechterhalten", so die stellvertretende Landessanitätsdirektorin und Leiterin des Medizinischen Krisenstabes der Stadt Wien, Ursula Karnthaler.

Kinder sind keine "Superspreader"

Seit Ausbruch der Pandemie waren an Schulen und Kindergärten fast nur Einzelfälle zu verzeichnen. Eine aktuelle Studie von Universität Wien und Ärzten des Wiener Gesundheitsverbunds bestätigte die Analysen: Bei rund 5.000 Tests mittels Gurgelprobe an Wiener Schulen lag nur ein positiver Fall bei einer Lehrerin vor. Kinder und Jugendliche fungieren somit nicht als sogenannte "Superspreader" – das belegen auch internationale Untersuchungen.

Clusteranalysen in Wien haben außerdem gezeigt, dass sich Kinder eher im Familienverband anstecken. Den Bildungseinrichtungen kann nur ein Bruchteil der Infizierten zugeordnet werden. So ergab eine aktuelle Clusteranalyse, dass nur zwei Prozent der Neuinfektionen in Kindergärten verzeichnet wurden. Die größten Cluster sind innerhalb von Familien und Betrieben zu finden.

Nur starke Beschwerden abklären lassen

Die Mitarbeiter der Bildungseinrichtungen sind allerdings auch weiterhin zu Wachsamkeit aufgerufen, was mögliche Symptome einer Corona-Erkrankung betrifft: "Ein mehrmaliges Niesen, eine leicht rinnende Nase oder ein einmaliges Husten allein ist noch kein Anlass für eine Abklärung. Starke Beschwerden, die dazu führen, dass das Kind dem Bildungsangebot nicht mehr folgen kann, sollen aber jedenfalls zu einer Abklärung führen", so die Leiterin des Medizinischen Krisenstabes.

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