Costa-Panne für Kapitän Schettino "banaler Unfall"

Bild: Reuters

Unfassbar! 30 Menschen starben am 13. Jänner, weil das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Insel Giglio auf einen Felsen auflief. Kapitän Francesco Schettino, erst vor kurzem aus dem Hausarrest entlassen, spielte den Vorfall nun in einem Interview herunter und bezeichnete diesen als "banalen Unfall". Gegenüber dem Sender "Canale 5", der Silvio Berlusconis Medienimperium gehört, wurde Kritik laut, da dieser das Interview gegen eine kolportierte Summe von 50.000 Euro gekauft hatte.

Unfassbar! 30 Menschen starben am 13. Jänner, weil das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Insel Giglio auf einen Felsen auflief. Kapitän Francesco Schettino, erst vor kurzem aus dem Hausarrest entlassen, spielte den Vorfall nun in einem Interview herunter und bezeichnete diesen als "banalen Unfall". Die Angehörigen der Toten sind entsetzt über Schettinos Auftritt. Gegenüber dem Sender Canale 5, der Silvio Berlusconis Medienimperium gehört, wurde Kritik laut, da dieser das Interview gegen eine kolportierte Summe von 50.000 Euro gekauft hatte.

Franceso Schettino gab am Dienstag in der Sendung "Quinta Colonna" sein erstes Interview nach dem Ende seines Hausarrests. "Ich mache mir selbst Vorwürfe", beteuerte er. Es fällt aber schwer, ihm Glauben zu schenken. Denn im selben Atemzug bezeichnete er die Havarie als "banalen Unfall", der wegen einer Serie von Zwischenfällen in einer Tragödie endete. Es hätten sowohl Menschen als auch die Technik zeitgleich versagt, sagte der Kapitän.

Er sei zum Zeitpunkt des Unglücks von einem Telefonanruf abgelenkt gewesen. Zumindest einen Teil der Schuld schiebt Schettino auf seine Crew. Er habe zum Zeitpunkt des Unfalls nicht die Kontrolle über das Schiff gehabt, sondern andere Crew-Mitglieder hätten die Navigation geleitet.

Staatsanwalt: Schettino stelle sich als perfekter Kommandant dar

Harte Worte von einem Mann, dem vorgeworfen wird, für den Tod von Passagieren verantwortlich zu sein und die "Costa Concordia" verlassen zu haben, als sich noch zahlreiche Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord befanden. Vergangene Woche hatte ein italienisches Gericht Schettino aus dem Hausarrest entlassen. Der ermittelnde Staatsanwalt Francesco Verusio, warf Schettino Widersprüchlichkeiten vor: "Alles war seine Verantwortung. Jetzt stellt er sich als perfekter Kommandant dar, der sich nichts vorzuwerfen hat. Das ist unfassbar."

Der Kapitän bestritt, dass er aus Angst vor dem Ausmaß der Tragödie das Schiff verlassen habe und flüchten wollte. "Das sind alles Lügen. Ich hätte am liebsten mit meinen eigenen Händen das Schiff gestützt, doch es war nicht möglich. Daher habe ich mit dem Handy um Hilfe gebeten", erklärte der Kapitän.

Concordia-Witwe: "Ich verstehe Schettinos Aussagen nicht"

Schettinos Interview, das Canale 5 Rekordeinschaltquoten bescherte, löste heftigen Protest bei den Angehörigen der Todesopfer aus. Aus dem Interview gehe klar hervor, dass Schettino den Schmerz der Angehörigen nicht begreife, sagte Susy Albertini, Mutter der fünfjährigen Dayana, dem jüngsten Concordia-Opfer. "Ich verstehe Schettinos Aussagen nicht. Seine Art, von der Tragödie zu sprechen, ist banal und oberflächlich. Es ist, als würde er nicht begreifen, dass er den Tod von 32 Personen verursacht hat", kommentierte Elio Vincenzi, Ehemann der bei der Havarie ums Leben gekommenen Maria Grazia Vincenzi.

Doch nicht nur die Angehörigen sind empört. In ganz Italien gibt es eine heftige Diskussion über das Interview. Der Sender der TV-Gruppe Mediaset unter Kontrolle des Ex-Premiers Silvio Berlusconi soll Informationen zufolge 50.000 Euro für das Interview bezahlt haben. Die Gerüchte, die von Mediaset nicht kommentiert wurden, lösten heftige Proteste aus.

50.000 Euro für Interview

"Es ist absurd, dass Schettino 50.000 Euro für ein Interview bekommt. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Passagiere, die ihr Leben riskiert haben, eine Entschädigung von lediglich 14.000 Euro erhalten haben. Wir fragen uns, ob wir die Stimme einer Person hören wollen, die ganz Italien in Verruf gebracht hat", sagte Massimiliano Dona vom Konsumentenschutzverband UNC.

Schettino erklärte, er wolle die Angehörigen der Opfer treffen. Ob diese denselben Wunsch hegen, ist zu bezweifeln. Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Jänner mit etwa 4.200 Menschen an Bord auf einen Felsen gelaufen und gekentert. 30 Menschen kamen dabei ums Leben. Zwei Passagiere werden immer noch vermisst. An Bord befanden sich 77 Österreicher.

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