Cousine von Mordopfer fordert Panik-Knopf für Frauen

Nadine W. wurde in ihrer Trafik in Wien-Alsergrund von ihrem Ex-Partner verbrannt. Ihre Cousine fordert einen Not-Knopf für Frauen.
Nadine W. wurde in ihrer Trafik in Wien-Alsergrund von ihrem Ex-Partner verbrannt. Ihre Cousine fordert einen Not-Knopf für Frauen.Denise Auer
Nadine W. wurde von ihrem Ex-Freund in ihrer Trafik angezündet. Sie starb nach Wochen. Nach dem Frauen-Doppelmord in Salzburg schrieb ihre Cousine.

Mit einem bewegenden Brief wendet sich Barbara O. nach dem Mord an ihrer Cousine, der Wiener Trafikantin Nadine W., „aus traurigem aktuellem Anlass“ an die Öffentlichkeit. „Schon wieder wurde eine Frau von ihrem (Ex-)Partner ermordet, diesmal gleich im Zweierpack“, schreibt sie.

„Landauf, landab wird derzeit nicht nur gerätselt, was die erhöhte Männergewalt auslöst, sondern auch, wie man(n) sie verhindern kann. Mehr Geld für Einrichtungen, die Frauen schützen sollen, wird gefordert, ebenso wie Aufklärung, dass Männer auch Gefühle haben dürfen, die nichts mit Wut, Hass oder Gewalt zu tun haben. Dabei wäre die Lösung doch so einfach: Führt endlich einen Panic-Button für Frauen ein!“

Der Brief von Barbara O. in voller Länge:

Männergewalt: Ein Panic-Button für Frauen!

„Jetzt ist schon wieder was passiert“, würde Wolfgang Haas schreiben. Schon wieder wurde eine Frau von ihrem (Ex-)Partner ermordet, diesmal gleich im Zweierpack: Gemeinsam mit ihrer Mutter wurde eine 50-Jährige im Flachgau von ihrem ehemaligen Lebensgefährten erschossen. Der Mann stellte sich wenige Stunden später – der „Fahndungsdruck“ war zu groß geworden.

Auch der Mörder meiner Cousine hat sich wegen „zu großem Fahndungsdruck“ gestellt. Will heißen: Aus Angst, dass einen die Polizei irgendwann erwischt, stellt man sich lieber selbst.

Nur: Warum muss dafür erst ein Mord passiert sein?

Landauf, landab wird derzeit nicht nur gerätselt, was die erhöhte Männergewalt auslöst, sondern auch, wie man(n) sie verhindern kann. Mehr Geld für Einrichtungen, die Frauen schützen sollen, wird gefordert, ebenso wie Aufklärung, dass Männer auch Gefühle haben dürfen, die nichts mit Wut, Hass oder Gewalt zu tun haben. Viele befürchten allerdings, dass diesen schönen Worten nur wenig Taten und noch weniger Geld folgen wird – bis der nächste Frauenmord wieder alles hochkochen lässt.

Dabei wäre die Lösung doch so einfach: Führt endlich einen Panic-Button für Frauen ein!

Wenn meine Oma in ihrer Wohnung stürzt und nicht mehr hochkommt, hat sie einen großen roten Knopf am Handgelenk, der Hilfe holt. Wenn meine Freundin in der U-Bahn sitzt und plötzlich die Funken fliegen sieht, hat sie den Notstopp. Wenn meine Chefin mit dem Auto in einen Stau hineinfährt, hat sie den Warnblinker. Nur bedrohte Frauen, die haben gar nichts dergleichen.

Stattdessen müssen sie mit Sack und Pack ins Frauenhaus ziehen, wenn es ihnen zu arg wird – hämische Kommentare der Nachbarschaft inklusive. Oder sie fliehen zu ihrer Verwandtschaft, das ist sozial immerhin noch anerkannt. Nur kann man der eigenen Mutter jetzt auch nicht mehr versichern, dass ihr deswegen nichts mehr passiert. Manche – noch immer zu wenige! – wenden sich auch an die Polizei, mit durchwachsenen Resultaten.

Das alles braucht Kraft, Mut und Entschlossenheit – Eigenschaften, die Frauen in Krisensituationen nicht immer aufbringen (können). Fühlen, dass etwas nicht stimmt und Gefahr im Anzug ist, tun sie allerdings. Nur bräuchte es eine ganz einfache und gesellschaftlich akzeptierte Lösung, dieses Gefühl auch auszudrücken und potenziellen Gewalttätern einen Schuss vor den Bug zu verpassen, bevor die Situation eskaliert.

Einen Panic Button eben.

Ich werde mal bei meiner Oma nachschauen, ob sie irgendwo noch so ein Alarm-Armband rumliegen hat.

Barbara Oberrauter-Zabransky hat Anfang April ihre Cousine verloren, die von ihrem Ex-Partner in ihrer Trafik geschlagen, gewürgt und angezündet wurde. Unter dem Tresen hatte sie übrigens einen „Panic Button“, den sie auch betätigt hat – nur war es da leider schon viel zu spät.

Nadine wurde im März von ihrem Ex-Partner in ihrer Trafik geschlagen, gewürgt und angezündet. Sie erlag Wochen später ihren Verletzungen. „Unter dem Tresen hatte sie übrigens einen ‚Panic Button‘, den sie auch betätigt hat – nur war es da leider schon viel zu spät“.

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