Mama von Anwalt (96) im Heim mit Corona infiziert

Anwalt Georg Zanger mit seiner 96-jährigen Mama Ernestine, die sich mit dem Corona-Virus angesteckt hat.
Anwalt Georg Zanger mit seiner 96-jährigen Mama Ernestine, die sich mit dem Corona-Virus angesteckt hat.Bild: Helmut Graf
Eine 96-jährige Wienerin, die in einer Seniorenresidenz wohnt, hat sich mit Corona angesteckt. Es ist nicht der erste positive Fall in dem Haus. Nun wird Kritik laut, die Leitung hätte zu spät reagiert.
Nie war die Sorge um seine geliebte Mutter größer als in diesen Tagen. Am Mittwoch erreichte den Wiener Anwalt Georg Zanger die Schocknachricht: Seine Mutter wurde positiv auf das Corona-Virus getestet.

Wie berichtet, lebt Ernestine Zanger seit fast 20 Jahren in einem Appartement für Senioren in Döbling. Nachdem das Haus ein Besuchsverbot ausgesprochen hatte und der privaten Pflegerin von Frau Zanger kein Einlass mehr gewährt wurde, ging der Anwalt gerichtlich mit einer Besitzstörungsklage dagegen vor. Damit wollte Georg Zanger erreichen, dass nur noch die Pflegerin und er seine Mutter betreuen dürfen. Zu groß war seine Angst, dass eine andere Pflegekraft oder Mitarbeiter die 96-Jährige mit dem Virus anstecken könnte. Inzwischen hat der Richter die beantragte Einstweilige Verfügung aber abgewiesen.

Sieben Bewohner wegen Corona gestorben

Die Angst von Zanger war nicht unbegründet: Am 30. März gab es die ersten beiden positiven Fälle im Haus. Und mit Stand 15. April waren bereits sieben Bewohner an Covid-19 gestorben, gibt die Geschäftsführung auf "Heute"-Anfrage bekannt. Und die Zahl könnte noch steigen: Weitere fünf Senioren wurden positiv getestet, vier von ihnen werden aktuell in einem Krankenhaus behandelt. Auch zwölf Mitarbeiter haben sich angesteckt, sie befinden sich in Absonderung. 33 Bewohner, darunter auch Ernestine Zanger, befinden sich außerdem in Quarantäne, weil eine Mitarbeiterin in allen Wohnungen war, die später positiv getestet wurde.

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Hat die Leitung zu spät reagiert?

Aufgrund der Anzahl der Fälle, werden nun intern Vorwürfe laut, die Leitung hätte zu lange zugesehen, zu spät eingegriffen. Die Rede ist von zu wenigen Masken. "Wochenlang mussten Einweg-Modelle drei Tage lang getragen werden", so ein Insider (Name der Redaktion bekannt). Schutzkleidung gäbe es überhaupt nicht. Viel zu spät sei auch das Haus desinfiziert worden. "Nur der Haupteingang wurde mit Desinfektionsmittel behandelt. Handläufe, Türschnallen oder Zimmer - Fehlanzeige", ärgert sich die Person angesichts der Ansteckungsrate. Verzweiflung und Erschöpfung liegt in ihrer Stimme.

Die Geschäftsführung wehrt sich

Die Kritik wiegt schwer. Auf "Heute"-Anfrage weist die Leitung alle Vorwürfe vehement zurück. "Wir haben bereits Anfang März mit der Ausstattung der Einrichtung mit Mund-Nasenschutz- und FFP2-Masken begonnen", wird versichert. Mit 18. März sei auch ein innerbetrieblicher Pandemieplan übermittelt worden. Und noch vor der Empfehlung des Gesundheitsministerium, wurde den Angestellten empfohlen, den Mund-Nasenschutz zu tragen. Auch die Hygienerichtlinien seien strikt eingehalten worden.

Nachdem zwei Bewohner erstmals Symptome gezeigt hätten, "haben wir auf Eigeninitiative und eigene Kosten, um keine Zeit zu verlieren, Testungen von einem privaten Labor in Auftrag gegeben", heißt es außerdem von der Leitung. Am Donnerstag gab indes Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bekannt, dass nun flächendeckende Tests in Seniorenheimen kommen sollen.

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