"Cris Tales" im Test: Magisch und wunderschön anzusehen

"Cris Tales" eifert klassischen JRPGs nach, schafft aber einen ganz eigenen und innovativen Auftritt mit wunderschöner Grafik und magischem Gameplay.

"Cris Tales" sorgte schon vor seinem Erscheinen für mächtig Schlagzeilen. Nicht nur, dass das Indie-Game sich klassische Japan-Rollenspiele als Vorbild genommen hat, auch dass die Grafik ihren ganz eigenen, liebevoll gestalteten Charme versprühte, sorgte für massig Aufmerksamkeit. Nun ist "Cris Tales" für PC, Playstation, XBox, Nintendo Switch und Google Stadia erschienen und tritt den Beweis an, dass die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt waren.

Die Handlung klingt zwar wie typischer Fantasy-Stoff, hat aber einige Überraschungen parat. Als frisch erwachte Zeitenmagierin Crisbell tut sich der Spieler mit einigen Begleitern zusammen, um sich der Zeitkaiserin zu stellen, die das Land komplett umkrempeln und damit die vier Königreiche der Spielwelt zerreißen will. Doch das Zeit-Thema spiegelt sich auch in der Erzählung wieder und sorgt immer wieder für dynamische Handlungs-Twists und tolle Tempo-Wechsel.

Gameplay super mit Story verwoben

So startet man gleich mal in einem Kampfgeschehen, indem man sich vollkommen überfordert fühlt und ein niedlicher Frosch uns aus der Patsche helfen will. Dazu lernt er uns gleich einige Kniffe und Tricks, während sich der schnelle Start in Wahrheit als geschickt eingefädeltes Tutorial herausstellt. Danach knüpft zum Glück nicht Kampf an Kampf, sondern es geht für Protagonistin Crisbell nach einer schmachtenden Niederlage erst einmal in ihr Heimatdorf, wo eine herzige Schnitzeljagd wartet, bevor man nach und nach seine Mitstreiter und Gegenspieler kennenlernt.

Das Spielgeschehen selbst bietet ein fantastisches Feature, das zwar kompliziert klingt, schnell aber die Genialität des Games aufblitzen lässt. Da Crisbell mit ihren magischen Kräften die Zeit manipulieren kann, wird der Bildschirm in drei Teile geteilt. Auf der linken Seite zeigt er die Spiel-Vergangenheit, in der Mitte die Gegenwart und auf der rechten Seite die Zukunft an. Dass dies Spieler anfangs verwirren könnte, haben auch die Entwickler bedacht – und stellen die Protagonistin anfangs gleichermaßen verwirrt dar, bevor sie von einem erfahrenen Magier in die Geheimnisse ihrer Kräfte eingeweiht wird.

Zeit als Faktor bei Story und Kampf

Folglich entspinnt sich eine nette Zeitmanipulation, die nicht überfordert. Das Prinzip ist einfach: Stehen wir etwa vor einem unüberwindbaren Hindernis oder einem unbesiegbaren Gegner, können wir in der Vergangenheit nach einem alternativen Weg oder einem Mittel suchen, dem Problem in der Gegenwart Herr zu werden. Etwa: Schützt ein Schild unseren Feind, machen wir es in der Vergangenheit nass, was es in der Gegenwart rosten lässt. Aber auch die andere Richtung ist möglich: Immer mal wieder muss man Entscheidungen treffen, die härter nicht sein könnten und dramatische Auswirkungen auf die Zukunft haben. Rettet man das Hab und Gut einer Familie und stürzt die Stadt in eine Plage oder opfert man seine Freunde für das Wohl aller?

Trotz der liebevollen Gestaltung müssen auch äußerst unangenehme Entscheidungen getroffen werden, die teils sogar Auswirkungen auf die weitere Handlung haben. Das zieht sich sogar bis in kleinste Nebenquests, die allesamt die Geschichte vorantreiben und nie nur simple Sammel- oder Kampf-Aufgaben sind. Apropos Kampf: Der läuft zwar rundenbasiert ab, doch auch hier gibt es Eigenheiten. Klassisch können Angriffe ausgeteilt und geblockt werden, wobei die Stärke der Aktion durch getimtes Drücken des passenden Buttons verstärkt werden kann. Außerdem können Feinde entweder in die Vergangenheit oder Zukunft teleportiert werden, um sie zu schwächen. Doch Vorsicht! Wer blind drauflos die Zeit manipuliert, kann auch schnell unbesiegbare Feinde erschaffen.

Magisch und wunderschön anzusehen

Voll überzeugen können auch die handgezeichneten Charaktere und Umgebungen, die trotz Comic-Look sehr erwachsen und zeitweise sogar etwas düster wirken. Auch die Spielzeit ist mit rund 20 Stunden üppig ausgefallen und macht das Abenteuer nicht zu kurz. Und bis zum Ende hin bleiben die verschiedenen Zeit-Rätsel und -Mechaniken innovativ und abwechslungsreich. Einzig anfangs kann die "mittendrin" beginnende Handlung für etwas Kopfzerbrechen sorgen, das legt sich im Spielverlauf dann aber schnell.

"Cris Tales" kann sich in mehrfacher Hinsicht von anderen Rollenspielen abheben. Neben der herrlich einzigartigen Grafik, die für viele Zocker aber auch eine Geschmacksfrage sein wird, überzeugt das Rollenspiel mit einer durchdachten und liebevoll umgesetzten Handlung und einem Kampfsystem, das sich Zeitspielereien schnappt und dadurch kaum Monotonie aufkommen lässt. Je weiter man im Game vorstößt, umso komplexer werden auch die Mechaniken durch wachsende Fähigkeiten der Spielfigur. Klassische Rollenspieler wird vieles in "Cris Tales" überraschen – das meiste davon aber äußerst positiv.

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