"CryoFall" im Test: Kolonie-Sim mit KI-Schwäche

Vor über zwei Jahren hat "Heute" das Online-Game "CryoFall" im Early Access angespielt. Nun ist das finale Spiel für PC da und hat vieles ausgebügelt.

Wenn sich 200 Spieler um eine funktionierende Gesellschaft kümmern sollen, kann das stressig werden. "CryoFall" ist komplex, aber durchdacht. Daedalic Entertainment und AtomicTorch haben das Online-Multiplayer-Survival-RPG "CryoFall" bereits im April 2019 auf Steam in den Early Access gehoben, nun ist die fertige Version des Games gestartet. Bis zu 200 Spieler pro Server können für eine lebendige Online-Welt sorgen und müssen gleichzeitig ums eigene Überleben kämpfen.

In "CryoFall" schlüpfen Spieler am PC in die Rolle von Überlebenden eines Raumschiffabsturzes. Auf einem unbekannten Planeten sollen sie nun eine neue Zivilisation gründen, Handel treiben, ihre neue Heimat erforschen – oder sich auch bekriegen. "CryoFall" präsentiert sich dabei als Mix aus Aufbau-Strategie und Survival-Game, das sowohl Alleingänge, als auch Zusammenarbeit mit den vielen weiteren Spielern belohnen will. 

Teilen oder herrschen

So kann man sich als Spieler entscheiden, ob man Ressourcen teilt und die Basis gemeinschaftlich sichert oder sich als Einzelgänger oder Anführer einer abtrünnigen Truppe einen Außenposten schafft und andere Spieler überfällt. Etwas schwierig für Anfänger ist es aber oft, sich auf teils sehr kleinen Maps mit vergleichsweise vielen Mitspielern herumzuschlagen. Wer nicht zumindest die Grundlagen schnell lernt, kommt unter die Spiele-Räder und wird in Serie überfallen, ausgeraubt und getötet.

Die 2D-Grafik sieht bunt und nett aus, einen Hochglanz-Titel darf man hier allerdings nicht erwarten. Dennoch: Für Übersicht ist gesorgt und es kommt das Retro-Feeling klassischer Strategie-Games auf. Lobenswert ist auch, dass es kaum starre Objekte gibt: Häuser können durch aufschwingende Türen betreten, Lampen beleuchten Objekte und Tiere sowie fremdartige Wesen wuseln durch die Spielwelt. Bemängeln kann man noch den etwas langsamen Ablauf des Spiels.

Überall gibt es etwas zu tun

Zwar gibt es jederzeit etwas zu bauen, Ressourcen zu sammeln, Quests zu erledigen oder andere Siedlungen zu plündern, ein ausführlicher Basenbau dauert dagegen gut und gerne mehrere Stunden statt Minuten und nimmt meist die ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Hat man sich aber erst einmal in die Mechaniken gefuchst, kommt der Suchtfaktor von "CryoFall" zum Tragen. Dann nämlich muss man sich nicht mehr ständig ausschließlich um die Ressourcenbeschaffung kümmern und kann sich verstärkt den übrigen Aspekten des Titels widmen. Etwa den Quests, die den Spieler auf die Suche nach Regionen und Ruinen schicken, die teils mit harten Gegnern aufwarten – oder auch den Kampf gegen Welt-Bosse, die die Zusammenarbeit aller Spieler erfordern. 

Aufrüsten kann man sich mit "Learning Points", mit denen man so gut wie alles upgraden kann. Nach und nach kann man sich so im Kampf spezialisieren und Rüstungen sowie Waffen freischalten, Industriesysteme wie Raffinerien und Minen schaffen, Landwirtschaft und Ackerbau forcieren oder sich von primitiven über industrielle bis zu hochentwickelten Industriesystemen vorarbeiten. Allerdings sind die Fähigkeiten-Bäume derart exzessiv und die Punkte derart rar, dass eine Fokussierung auf einen Schwerpunkt ein Muss ist. Diese Detailfreude gibt es in allen Bereichen des Games: Ist man offline, altern Tiere oder verdirbt das gekochte Essen. 

Die einzige wirkliche Schwäche des Games

Der Spieltod bedeutet in "CryoFall" übrigens nicht den Neustart: Man darf das Spiel mit weniger Lebenspunkten und Problem wie geringerem Arbeitstempo, dafür aber allen gesammelten und Gegenständen und erforschten Fortschritten fortsetzen (PvE) oder darf sie sich zurückerobern (PvP). Schön ist auch, dass die finale Version des Games eine Möglichkeit bietet, sich nach dem gewünschten Spiel-Stil umzusehen, nämlich durch eigens eingerichtete PvP- und PvE-Server. Hier könnten die Entwickler allerdings noch ein Update nachschieben, denn die Suche ist teils etwas unübersichtlich geraten. Dringender braucht ein Update allerdings die KI, denn das ist die einzige wirkliche Schwäche des Games. 

Das fällt vor allem bei den feindlichen Wesen auf, die egal ob gigantische Eidechse oder Boss-Mech in Bäumen, Sträuchern und Zäunen hängen bleiben und so oft lachhaft statt furchteinflößend wirken. Nutzt man diese Schwäche geschickt aus, können sogar frisch gestartete Anfänger extrem starke Feinde besiegen. Während sich der PvE-Modus wie eine schöbe Retro-Aufbau-Simulation spielt, erinnert einen der PvP-Modus an "StarCraft" und Co., wo es rein um Tempo und Taktik geht. Besser gefiel uns Ersteres, Freunde werden aber beide Modi finden, denn sie wissen zu gefallen. Bleibt auf Updates zu hoffen, denn abseits der KI-Aussetzer ist "CryoFall" einer der spannendsten Survival-Strategie-Games am Markt.

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