Samen-Überdosis

"Dachte, sie kann fliegen": Mann warf Katze aus Fenster

Im Drogenrausch bekam ein 40-Jähriger Halluzinationen, warf Hometrainer und seinen Stubentiger aus seiner Wohnung im 22. Stock in Wien-Brigittenau.
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Um vom Alkohol loszukommen, warf sich ein Wiener (40) psycho-aktive Drogen ein. Doch die Samen der Hawaiianischen Holzrose brachten nicht den gewünschten beruhigenden Effekt – sondern verursachten einen gefährlichen Ausnahmezustand. Das brachte Mario S. in psychiatrische Behandlung  – und vor Gericht. Da er bei den Taten nicht zurechnungsfähig war und laut Gutachter gefährlich ist, drohte dem Betroffenen die Einweisung in den Maßnahmenvollzug, Top-Verteidiger Florian Kreiner konnte das verhindern.

Zehnfache Samen-Überdosis 

Am 9. Juli war der 40-Jährige in seiner Wohnung am Höchstädtplatz (Wien-Brigittenau) völlig ausgerastet. "Ich war nervös und habe starken Stress verspürt", so der Betroffene vor Gericht. Daraufhin habe er mit den Samen der Hawaiianischen Holzrose experimentiert, statt einem Samenkorn warf er sich gleich zehn Stück ein. "Ich habe viel zu viel genommen, es war eine Überdosis. Daraufhin wurde alles nur noch schlimmer und geriet außer Kontrolle." 

Der Mann berauschte sich mit Samen der Hawaiianische Holzrose.
Getty Images/iStockphoto

Katze und Hometrainer flogen aus 22. Stock

Im Wahn schleuderte der Mann wahllos Gegenstände aus dem Fenster im 22. Stockwerk. Neben einem Hometrainer warf der Verdächtige auch seine Katze aus dem Fenster. "Ich wollte die Katze freilassen, dachte sie kann fliegen", so Mario S. vor Gericht. Der Stubentiger flog rund 66 Meter in die Tiefe und krachte auf den Asphalt. Die arme Hauskatze hatte keine Überlebenschance, war sofort tot.

"Wir hatten eine gute Beziehung", so der Verdächtige. "Ich habe sie sieben Jahre lang gehabt. Die Droge war schuld" – angeblich nicht nur daran, denn die Geschichte ging noch weiter. Als die Polizei kam, stürzte sich der 40-Jährige auf die Beamten. Nur mit Mühe gelang es den Polizisten, den Mann zu bändigen. Den Polizeibus soll er dann mit Exkrementen verschmutzt haben, der 40-Jährige wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. 

Nicht der erste Vorfall

Schon drei Tage vor dem Ausraster in der Wohnung hatte es einen Polizeieinsatz wegen des Verdächtigen am Flughafen Wien-Schwechat gegeben. Der Mann war von Zadar nach Wien geflogen. Am Airport in Kroatien habe er vor dem Abflug ein Bier getrunken und eine kleine Dosis von der Hawaiianischen Holzrose genommen. Als die Wirkung einsetzte, begann der Verdächtige dann im Rausch Passagiere im Flugzeug zu fotografieren, soll auch herumgeschrien haben.

Es kam zu einem Streit um den Gurt, der mit Handgreiflichkeiten endete. Flugbegleiterinnen riefen die Polizei, die den Mann am Wiener Flughafen in Empfang nahm. "Zuerst war er ganz ruhig, doch plötzlich hat er umgeschaltet und ist auf uns losgegangen", so ein Beamter im Zeugenstand. "Er war sehr aggressiv, wehrte sich massiv gegen die Festnahme." Drei Tage später warf er wieder Samen ein – die Katze flog aus dem Fenster. 

Tatort war dieses Hochhaus in Wien-Brigittenau

Die Bilder des Tages:

Urteil: Keine Einweisung, keine Weisung!

Der Mann wurde in der Justizanstalt Josefstadt psychiatrisch behandelt. Die Therapie wirke gut, so der Betroffene vor Gericht. "Ich wäre auch weiterhin zu einer Therapie bereit. Ich möchte mich entschuldigen." Das Gericht entschied zur Überraschung aller Anwesenden den Mann ohne Weisungen freizulassen (nicht rechtskräftig). "Die Psychose könnte alleine auf die Einnahme der Drogen zurückzuführen sein und muss nicht auf eine nachhaltige Erkrankung hinweisen", lautete die Begründung des Richters. Mario S. wurde auf freien Fuß gesetzt, durfte nach der Gerichtsverhandlung nach Hause gehen. 

{title && {title} } pet,ct, {title && {title} } 30.11.2023, 20:08
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