Dann wissen wir, wer nächster US-Präsident wird

US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden.
US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden.Julio Cortez / AP / picturedesk.com
Noch nie haben so viele Wähler in den USA brieflich abgestimmt. Das könnte zur Folge haben, dass das Ergebnis nicht in der Wahlnacht feststeht.

In vergangenen Jahren war am Ende der Wahlnacht meistens klar, wer die nächsten vier Jahre Präsident der USA sein wird. Dieses Jahr besteht dagegen die Möglichkeit, dass es deutlich länger dauern wird, bis Klarheit herrscht. Denn aufgrund der Corona-Pandemie haben so viele Wahlberechtigte brieflich abgestimmt wie noch nie. Beobachter sprechen von 80 Millionen per Post abgegebenen Stimmen. Sie erwarten insgesamt eine rekordhohe Wahlbeteiligung.

Besonders das Auszählen der brieflich abgegebenen Stimmen dürfte für Verzögerungen sorgen. Aufgrund des Wahlsystems entscheiden lediglich ein knappes Dutzend Staaten den Ausgang der Wahlen. Während die Mehrheit der Staaten mit Sicherheit entweder an die Republikaner oder die Demokraten gehen wird, spielen die sogenannten Swing States das Zünglein an der Waage. Diese Staaten haben in der Vergangenheit mal den demokratischen und mal den republikanischen Kandidaten gewählt. Wer einen Staat gewinnt, erhält bis auf zwei Ausnahmen alle dort zu vergebenden Wahlmännerstimmen. Der Kandidat, der 270 oder mehr Wahlmännerstimmen auf sich vereinet, hat die Wahl gewonnen.

Jeder Staat mit eigenen Regeln

Nicht alle Staaten handhaben die Auszählung gleich. So dürfen etwa in den hart umkämpften Staaten Pennsylvania und Wisconsin, die zusammen 30 Wahlleute stellen, die brieflich abgegebenen Stimmen erst am Wahltag geprüft und ausgezählt werden. Dieser aufwendige Prozess könnte sich bis Freitag hinziehen. In diesen Staaten dürften nur wenige Tausend Stimmen den Ausschlag geben, womit es wohl bis zum Schluss spannend bleibt.

Frühere Resultate sind aus Florida und Arizona zu erwarten. Dort dürfen brieflich abgegebene Stimmen bereits vor dem Wahltag ausgezählt werden. In anderen Staaten dürfen sie zum Teil schon geprüft, aber erst am Wahltag gezählt werden. Dazu kommt, dass etwa Pennsylvania und North Carolina auch Briefe, die bis zum Datum des Wahltags abgestempelt wurden, aber erst danach eintreffen, berücksichtigen.

Früher Vorsprung für Donald Trump?

Schneller ausgezählt sind Stimmen, die persönlich abgegeben werden. Es wird davon ausgegangen, dass demokratische Wähler eher die Briefwahl nutzen, während Republikaner die persönliche Stimmabgabe bevorzugen. Deshalb dürfte zu Anfang der Anteil republikanischer Stimmen höher sein, während die – brieflich abgegebenen – demokratischen Stimmen erst später ins Gesamtergebnis einfließen. Es ist laut Beobachtern denkbar, das erste Zwischenresultate eher zum Vorteil Donald Trumps ausfallen und Joe Biden anschließend aufholt.

In einem solchen Fall könnte Trump geltend machen, dass es bei der Briefwahl zu Wahlbetrug gekommen ist und das Ergebnis anzweifeln. Den Vorwurf, dass die Briefwahl den Betrug fördere, hat der Präsident wiederholt geäußert, ohne jemals Beweise vorzulegen. Experten, auch auf republikanischer Seite, halten die Behauptung für absurd.

Wochenlanges Gerangel möglich

Trotzdem könnte sich Trump im Fall einer Niederlage weigern, das Resultat anzuerkennen. Er hat immer wieder erklärt, eine Wahlniederlage sei nur bei "massivem Wahlbetrug" möglich. Er könnte die Gerichte und die in vielen Swing States republikanisch dominierten Parlamente anrufen, in der Hoffnung, dass sie umstrittene Ergebnisse in seinem Sinne auslegen. Ebenso ist es denkbar, dass Joe Biden bei einem knappen Nachzählung Klagen anstrengen oder Nachzählungen fordern könnte. In jedem Fall dürften wochenlange Verzögerungen die Folge sein.

So viele Faktoren spielen bei diesen Wahlen eine Rolle, dass niemand sagen kann, wann ein sicheres Ergebnis vorliegt. Nur eines dürfte sicher sein: Es wird viel Geduld brauchen.

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