Darf IS-Mädchen (16) bald zurück nach Deutschland?

In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen sie. Doch bei ihrer Rückkehr drohen der 16-Jährigen, wenn überhaupt, wohl nur milde Strafen.

Die in der Altstadt von Mosul festgenommene Linda W. (16) will so schnell wie möglich zurück nach Deutschland. Sie sei bereit auszusagen und wolle mit den Behörden kooperieren, sagt sie.

Das scheint auch nötig, zumal die Staatsanwaltschaft Dresden die zwischenzeitlich eingestellten Ermittlungen gegen Linda W. jetzt wieder aufgenommen hat, wie Lorenz Haase von der Staatsanwaltschaft Dresden gegenüber "20 Minuten" bestätigt.

Ermittelt wird wegen Aufnahme von Beziehungen zu einer ausländischen terroristischen Vereinigung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat (Paragraph 89b).

"Wissen nicht, was sie in der Folgezeit gemacht hat"

Einen Haftbefehl gegen Linda W. gibt es derzeit nicht, so Haase. Denn: "Wir wissen nicht, was sie in der Folgezeit, also der Zeit zwischen ihrem Abtauchen in Istanbul und ihrem Auftauchen in Mossul, gemacht hat." Es fehle noch an Zeugenaussagen und belastende Beweisen.

Kann man Linda W. eine Straftat im Sinne von Paragraph 89b nachweisen, fällt sie mit ihren 16 Jahren unter das Jugendgerichtsgesetz. Hier steht für den Gesetzgeber der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Heißt: gemeinnützige Arbeit, Kurse zur Aggressionsbewältigung oder Arrest – nur bei schwerer Schuld droht eine Jugendhaftstrafe.

Irak: Todesstrafe beim Erreichen des 22. Lebensalters

Sollten die irakischen Behörden doch selbst urteilen wollen, so kommt auf die deutsche Ausreißerin einiges zu. Allein für den illegalen Grenzübertritt sieht das dortige Jugendstrafrecht bis zu dreieinhalb Jahre Haft vor.

Viel schlimmer wiegt aber ihre Ehe mit einem IS-Kämpfer. Und: Irakische Medien berichten unter Berufung auf Offiziere, dass die junge Deutsche von den Dschihadisten als Scharfschützin eingesetzt worden sei. Zumindest habe man bei ihr ein Sniper-Gewehr gefunden.

Ob die Deutsche tatsächlich eine Waffenausbildung erhielt, ist offen, aber im Endeffekt nicht wichtig: Alleine Linda W.s Verbindung zum IS zieht bereits die Todesstrafe nach sich. Diese würde mit Erreichen ihres 22. Lebensjahres vollstreckt werden.

"Die machen ihnen, salopp gesagt, nur Ärger"

So weit wird es kaum kommen. Linda W. dürfte nach einigen Verhören durch die Iraker, Kurden und wohl auch Amerikaner bald nach Deutschland zurückkehren, vermutet Guido Steinberg. Der Islamwissenschaftler bei der deutschen Stiftung SWP fungiert als Gutachter bei Terrorprozessen. Die Iraker hätten kein Interesse daran, die ausländischen IS-Anhänger bei sich zu behalten. "Die machen ihnen, salopp gesagt, nur Ärger."

"Ihr Geschlecht und ihr Alter haben Linda W. gerettet", sagt Steinberg weiter. "Wäre sie ein Mann, hätte man sie wohl an Ort und Stelle hingerichtet."

Tatsächlich spricht Deutschland im Fall der inhaftierten Deutschen bereits "über Möglichkeiten der Zusammenarbeit", wie Staatsanwalt Haase sagt. So sei es möglich, dass Linda W. nach Deutschland abgeschoben werde, weil sie eine vermisste Minderjährige sei. (red)

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