Darum kann dich dein Handy ernsthaft krank machen

Nach stundenlangem Scrollen durch Feeds kann Übelkeit und auch Schwindel aufkommen. Schuld an dieser Cybersickness ist unser Gleichgewichtssinn.

Viele von uns haben in den vergangenen Monaten viel mehr Zeit am Handy verbracht als gewöhnlich. Lockdowns, Ausgehbeschränkungen und eine generelle Angst vor der Außenwelt haben dazu geführt, dass sich ein großer Teil des Lebens in den virtuellen Raum verschoben hat. Anstatt in ein Restaurant zu gehen, schauen wir Netflix. Anstatt uns mit Freunden zu treffen, scrollen wir durch Social Media. Stundenlang. Tagelang.

Dabei hat sich gezeigt, dass sich dies nicht nur auf unsere Stimmung auswirken kann, sondern wir uns dabei tatsächlich krank fühlen können, wie "National Geographic" beschreibt. Das Phänomen wird Cybersickness, also Cyber-Krankheit genannt und ähnelt stark der Seekrankheit. Wer an Cybersickness leidet, den plagen Übelkeit und Schwindel und ein Gefühl der Bodenlosigkeit, das man normalerweise nur auf einem Boot verspürt, das auf hohen Wellen auf und ab tanzt.

Wahrgenommenes ist nicht gleich Gelebtes

Bereits in vergangenen Jahren konnten Studien zeigen, dass Technologien wie beispielsweise Cyberbrillen zu Übelkeit und Schwindel führen können. Dass ähnliche Symptome auch ohne Cyberbrille und nur aufgrund des Handy- oder Tablet-Bildschirms entstehen können, ist in der Wissenschaft jedoch ein neues Phänomen.

Erklären lässt sich die Cybersickness laut Eugene Nalivaiko, Professor an der University of Newcastle in Australien, ähnlich wie die Seekrankheit. Tatsächlich sollen beide Phänomene dieselben Symptome hervorrufen und denselben Ursprung haben. Denn das Unwohlsein stammt in beiden Fällen von einer Diskrepanz zwischen der Bewegung der Umwelt und der wahrgenommenen Bewegung durch die Sinnesorgane einer Person.

Scrollen im Bett

So kann man auf einem Schiff Übelkeit und Schwindel verspüren, da das Gleichgewichtsorgan im Ohr eine starke Bewegung durch die Wellen feststellt. Befindet man sich im Innern eines Schiffes, nehmen die Augen eine solche Bewegung allerdings nicht wahr, da sich der Raum, in dem man sich befindet, scheinbar nicht bewegt. Umgekehrt verhält es sich mit dem Scrollen auf dem Smartphone.

In diesem Fall nehmen die Augen eine Bewegung der Umwelt wahr, die Gleichgewichtsorgane im Ohr hingegen verspüren absolut keine Bewegung – denn meist liegt man beim Scrollen auf dem Sofa oder im Bett. Der Bewegungsspielraum ist also minimal.

Wer außerdem gerne nachts im Dunkeln scrollt, ist umso gefährdeter, an Cybersickness zu leiden. Denn wenn der einzige Anhaltspunkt der Augen der Bildschirm des Smartphones ist, der sich beim Scrollen ständig zu bewegen scheint, der Körper aber still im Bett liegt, verwirrt dies die menschlichen Sinnesorgane.

Ein Gegenmittel

Ganz auf das Scrollen verzichten müssen wir allerdings nicht. Hin und wieder eine bestimmte Show auf Netflix zu schauen oder auf Social Media zu stöbern, sollte zu keinen Problemen führen. Diese ergeben sich erst, wenn man über eine lange Zeit hinweg – also über Stunden oder sogar Tage – ununterbrochen scrollt.

Wer dennoch an Cybersickness leidet, der sollte laut Nalivaiko versuchen, das Handy in einem anderen Winkel oder in einer anderen Entfernung zu halten. Auch langsameres Scrollen kann helfen, Übelkeit und Schwindel vorzubeugen – und natürlich hilft es auch, das Handy einfach einmal ganz wegzulegen.

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