Darum kommt Afrika so gut durch die Corona-Pandemie

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Von den 35 Mio. Corona-Fällen gehen derzeit nur 1,5 Mio. auf den afrikanischen Kontinent zurück. Drei Gründe sind dafür ausschlaggebend.

Die USA mit ihren 330 Mio. Einwohnern verzeichnet aktuell rund 7,4 Mio. Corona-Fälle und 210.000 Tote. Auf dem kompletten Kontinent Afrika hingegen leben über 1,2 Mrd. Menschen, wovon sich offiziell nur 1,5 Mio. mit Corona infiziert haben und 36.000 daran gestorben sind. Doch was sind die Grüne für diese Zahlen, von denen andere Länder nur träumen können?

1Nur drei Prozent über 65 Jahre

Schon früh hat sich gezeigt, dass der Krankheitsverlauf bei jüngeren Menschen meist milder, oft gänzlich ohne Symptome abläuft. Wirklich an den Folgen des Virus sterben Großteils ältere Personen in Kombination mit Vorerkrankungen. Genau diese, in Industrienationen wachsende Bevölkerungsgruppe, fehlt in den meisten afrikanischen Staaten.

Nur drei Prozent der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt. Matshidiso Moeti, Afrika-Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht darin einen wichtigen Faktor für die 40-mal geringere Sterblichkeit. Anhand der Bevölkerungsstruktur allein sollte die Sterblichkeitsrate allerdings nur vier Mal so klein sein, wie sie tatsächlich ist. Es muss also noch weitere Ursachen geben.

2Alltag & Immunsystem

Der zweite wichtige Punkt sind die Lebensbedingungen. Vor allem in Staaten, die durch jahrhundertelange, europäische Kolonisierung und Ausbeutung bis heute unterentwickelt sind, spielt sich ein Großteil des Alltags draußen ab. Also dort, wo eine Übertragung des Virus nur schwer möglich ist. Auch sind die Infrastruktur und Mobilität nicht so groß wie in den Staaten Europas.

Auch das Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle. Verkümmert dieses durch überpenible Hygiene in Europa seit Jahrzehnten und entwickelt immer neue Allergien, sind Menschen in Afrika völlig anderen Mikroorgansimen und Parasiten ausgesetzt. Dadurch verfügen Menschen, dir dort leben, über ein deutlich widerständigeres Immunsystem.

3"Neandertaler-Gen"

Einer neuen Studie im Fachjournal "Nature" geht hervor, dass ein bestimmtes Gen dafür verantwortlich sein könnte, wie schwer der Krankheitsverlauf ist. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die diese Genvariante geerbt haben, bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 künstlich beatmet werden müssen, ist etwa dreimal höher", erklärte Hugo Zeberg vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Eine konkrete Erklärung dafür gibt es noch nicht. Alleinig steht fest, dass Europäer dieses Gen von einem kroatischen Neandertaler vor rund 50.000 Jahren geerbt haben, während diese Mutation in Afrika praktisch nie auftritt. Dafür spricht auch eine Studie in Kenia, laut derer entgegen den offiziellen 39.000 Corona-Fällen etwa 1,6 Millionen Menschen Antikörper aufweisen.

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