Darum löschen gerade so viele ihren Instagram-Account

Insta-Nutzer, Sexarbeiter und Blogger regen sich über die neuen Regeln auf der Fotoplattform auf. Sie fürchten um ihre Privatsphäre und ihr Einkommen.
Was ist passiert?

Websites und soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram ändern ihre AGB ständig, und meistens fällt dies nur wenigen auf. Nicht so mit dem letzten Update der Instagram-Richtlinien, das am vergangenen Sonntag in Kraft getreten ist. Denn an diesem stoßen sich Blogger, Sexarbeiter und normale Nutzerinnen und Nutzer gleichermaßen.

Besondere Aufmerksamkeit haben die Änderungen außerdem erhalten, weil Sängerin Madonna sich – auf ihrem Instagram-Profil – über die neuen Richtlinien geärgert hat. Dort schreibt sie: "Instagrams neue Regeln erlauben es, dich und deine Familie über dein Smartphone und deinen Fernseher auszuspionieren, deine tiefsten Geheimnisse zu stehlen, deine Ordnungswilligkeit zu überprüfen und deine Daten an die Regierung und die Industrie zu verkaufen oder dich für Ungehorsam bestrafen zu lassen." Dazu hat sie ein Video hochgeladen, das sie mit dem Satz beendet: "Das ist angsteinflößender Shit."

Was hat sich genau geändert?

Tatsächlich ist dies schwierig einzuschätzen, denn Instagram hat eine der Seiten, die alle Neuerungen in den AGB darlegen, mittlerweile gelöscht. Ein Nutzer auf Reddit legt jedoch dar, dass Instagram neu Zugriff auf die Anrufliste und die SMS seiner Nutzer habe. Außerdem könne die Kamera eines Smartphones für eine Liveanalyse verwendet und das Adressbuch durchstöbert werden.

Darüber hinaus soll es neu nicht mehr möglich sein, einen bereits bestehenden Domain-Namen oder eine URL als Usernamen auf Instagram zu verwenden, ohne dass dies vom Besitzer zuvor schriftlich erlaubt wurde, wie Hitc.com berichtet. Dies könnte insbesondere für Blogger, Fan-Pages und andere Internetseiten-Betreiber ein Problem darstellen, wie diese Twitter-Nutzerin darlegt:

Und zuletzt sollen die neuen Regelungen Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen auf der Plattform betreffen, denn auch die Regelungen zu Nacktheit oder expliziten Inhalten auf dem sozialen Netzwerk seien angepasst worden. So beklagen sich viele, dass die Restriktionen neu zu streng seien. Instagram ist nicht die erste Plattform, die die Regelungen, was Sexarbeit auf der Seite angeht, verschärft. Erst letzte Woche wurde bekannte, dass eine Reihe von Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen ohne Vorwarnung von Tiktok verbannt wurden, nachdem auch diese Plattform ihre AGB angepasst hatte.

Was sagt Instagram dazu?

Das Unternehmen scheint auf die Reaktionen seiner Nutzer reagiert zu haben. Einerseits hat es eine der Websites mit Informationen zu den Updates der AGB mittlerweile wieder gelöscht, andererseits hat Instagram auf Twitter auf mehrere der Anschuldigungen reagiert. Zu den Besorgnissen, was die Privatsphäre der Nutzer auf der Plattform angeht, heißt es beispielsweise: "Es scheint, als ob unser AGB-Update für Verwirrung sorgt. So wird behauptet, dass unsere neuen Regeln es erlauben, User auszuspionieren – das ist nicht wahr. Die Änderungen, die wir vorgenommen haben, sind nur dazu da, unsere AGB besser zu erklären und unsere Community besser zu informieren."

Auch zu den Befürchtungen der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter hat sich Instagram geäußert. In einem Tweet heißt es: "Wir haben gesehen, dass es einiges an Verwirrung gibt, dass es unser AGB-Update auf Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter abgesehen habe. Wir wollen unserer Community versichern, dass das nicht stimmt und sich nichts daran ändern wird, wie wir unsere Regeln durchsetzen. Wir haben nur einige Punkte in unseren Richtlinien deutlicher gemacht und beispielsweise klarer dargelegt, wie wir Daten für personalisierte Werbung nutzen. Das gilt für alle Nutzer von Instagram."

Auch Blogger und Fan-Accounts müssten sich keine Sorgen machen, so Instagram auf Twitter: "Ihr habt vielleicht die Behauptung gesehen, dass wir es auf Fan-Accounts abgesehen haben, aber wir wollen klarstellen, dass sich nichts ändern wird."

Wie reagieren die Nutzer?

Zunächst reagierten viele User – ähnlich wie Madonna – mit Angst und Empörung. So kam kurzfristig ein Trend auf, der Nutzer dazu aufrief, Instagram zu boykottieren – sei dies für nur einen Tag oder für immer. Einige Profile wurden von ihren Erschaffern gänzlich gelöscht.

Andere Nutzer zeigen sich zwar erschrocken, sind aber ähnlich wie dieser Twitter-Nutzer überrascht, wie offen Instagram kommuniziert, was sie mit den Daten ihrer Nutzer anstellen: "Instagrams AGB sind absolut verrückt. Wir wissen alle, dass wir beobachtet werden und unsere Informationen geteilt werden, aber Unternehmen waren nie so offen darüber wie jetzt."

Welchen Einfluss die neu formulierten AGB tatsächlich auf die Nutzer und deren Posts haben, wird sich zeigen müssen. Die Tatsache, dass Instagram eine Seite zur Erklärung der AGB vom Netz genommen hat, weist darauf hin, dass das Unternehmen zumindest nochmals an der Formulierung der neuen Regelungen schraubt.

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