Darum müssen Senioren für die Onkologie weichen

Die Absiedlung des Geriatriezentrum Favoriten sorgt für Wirbel. Bei einem Besuch in der Onkologie des Kaiser Franz-Josef-Spital stellte der KAV dar, wieso diese so wichtig ist.
Wie berichtet, sorgt die Schließung des Geriatriezentrums Favoriten am Gelände des Kaiser-Franz-Josef-Spitals (Favoriten) für massive Kritik. Bis Herbst 2019 müssen die Bewohner das Haus verloren, danach wird das Gebäude, das 2001 eröffnet wurde, adaptiert, um Platz für die onkologische Abteilung des Spitals zu machen.

Für Edith G. (93), einer der insgesamt 94 Patienten, die derzeit hier betreut werden, brach ob der Nachricht eine Welt zusammen. "Das war wie eine Schocktherapie. Ich lebe seit sechs Jahren hier, es gefällt mir. Viele sagen, es ist das schönste Pflegewohnhaus in Wien. Dass das jetzt zerstört wird, ist eine Frechheit", fasst die Seniorin zusammen, was viele hier denken.

Bald Krebspatienten statt Senioren-Pflege

Von der Entscheidung erfahren haben die Bewohner (72 Frauen und 22 Männer) und die rund 120 Mitarbeiter am Dienstagabend im Zuge einer Info-Veranstaltung im Kaiser-Franz-Josef-Spital. "Die fixe Entscheidung, das Gebäude des Geriatriezentrums zu einem Onkologiezentrum umzubauen, fiel erst vor wenigen Tagen. Wir verstehen natürlich, dass das eine emotionale Sache ist. Uns war aber wichtig, die Betroffenen im Geriatriezentrum sowie ihre Angehörigen so schnell wie möglich und vor allem vor allen anderen zu informieren", erklärte KAV-Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb am Donnerstag vor Journalisten.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Wie wichtig und dringend notwendig der Abzug des Pflegewohnheims und die Neunutzung für die Onkologie ist, machte sie gemeinsam mit der ärztlichen Direktorin Michaela Riegler-Keil und der Direktorin der KAV-Geriatriezentren und Pflegewohnhäuser Susanne Drapalik bei einer Führung über die jetzige Onkologie-Abteilung im KFJ deutlich.

Alte Onkologie platzt aus allen Nähten

Schon von außen sieht man: Der Bau ist in die Jahre gekommen. Anfang der 1960er erbaut unterscheidet sich die bauliche Struktur stark von zeitgemäßen Gesundheitseinrichtungen. Innen gibt es enge Gänge, kaum Tageslicht. Die Krebspatienten sind hier auf zwei Stockwerken untergebracht, pro Stock gibt es knapp 20 Betten, alle sind belegt.

Der moderne Ein- oder Zwei-Bett-Standard ist hier klar in der Minderheit: Es gibt nur ein Ein-Bett- und ein Zwei-Bett-Zimmer mit Dusche. Zwei Zwei-Bettzimmer verfügen nur ein Waschbecken, daneben gibt es ein Fünf-Bett-Zimmer (mit einer Dusche) sowie zwei Sechs-Bett-Zimmer (nur mit Waschbecken).

Besonders deutlich werden die baulichen Mängel der Vergangenheit auch an den Toilettenanlagen. 16 Patienten müssen sich hier ein Klo teilen.

Funktionell? Ja. Zeitgemäß? Klares Nein!

"Die Onkologie kann hier zwar weiter betrieben werden, zeitgemäß ist sie aber nicht", unterstreicht Kölldorfer-Leitgeb. Das bestätigt auch Oberarzt Gerhard Postner: "Wir haben hier neben den Bettenstationen auch eine Tagesklinik, eine Ambulanz und ein eigenes Labor, das mithilft die Diagnostik und Behandlung für die Patienten deutlich zu beschleunigen". "Daher ist es so wichtig, dass wir hier eine schnelle Lösung für die Patienten finden", betonen die KAV-Vertreterinnen.

Ortswechsel in das Pflegewohnhaus: Breite Gänge, lichtdurchflutete Zimmer und Aufenthaltsräume und bunte Faschingsdeko. Auf dem 3. Obergeschoss gibt es acht Ein-Bett-Zimmer und 8-Zwei-Bett-Zimmer inklusive vollausgestatteter Sanitätsräumen. Im Vergleich zur benachbarten Onkologie eine ganz andere Welt. Es ist verständlich, dass die jetzigen Bewohner hier nicht wegwollen.

Alle Bewohner und Mitarbeiter sollen neuen Platz bekommen

Beim KAV verspricht man, es werde für jeden einzelnen Patienten ein neuer Platz gefunden. "Insgesamt bietet der KAV rund 2.800 Plätze in neun, topmodernen Geriatriezentren und Pflegewohnhäusern. Die 90 Betreuungsplätze gehen nicht verloren, sie werden in Zukunft nur in anderen Einrichtungen, manche sogar noch schöner als das GZ Favoriten sein", unterstreicht Drapalik. Auch für die rund 120 Mitarbeiter gibt es eine Arbeitsplatzgarantie, um seinen Job fürchten müsse also niemand, wird betont.

Wichtig war der KAV-Direktorin zu betonen, dass die sechs Akut-Geriatriestationen des Spitals aber auch weiterhin bestehen blieben.

Wo die Senioren in Zukunft untergebracht werden, ist derzeit Thema "vieler einzelner persönlicher Gespräche mit den Bewohnern und den Angehörigen". Fix ist aber, dass die 14 Wachkoma-Patienten aus dem GZ Favoriten in das Pflegewohnhaus Baumgarten (Penzing) übersiedeln werden. "Hier haben wir die nötige Ausstattung, um die Betreuung gleicher Qualität sicherzustellen. Auch die speziell ausgebildeten Betreuer ziehen mit", so Drapalik.

Kaiser-Franz-Josef-Spital als Krebszentrum für Süden Wiens

Noch sei rund ein dreiviertel Jahr Zeit, um die Absiedlung über die Bühne zu bringen, es gebe hier also keinen Druck. Ab Jänner 2021 soll das neue Onkologiezentrum dann in Betrieb gehen. "Zentralisierung ist für mich der Weg der Zukunft. Im KFJ werden wir die, für die Krebspatienten benötige Diagnostik, Behandlungen und Operationen an einem Ort stattfinden", betont Riegler-Keil.

Durch die Bündelung soll das KFJ nicht nur den ganzen Süden Wiens versorgen, sondern auch ein Zentrum der Kompetenz werden und Nachwuchsärzten bei der Ausbildung helfen. "Wir werden wir alles unter einem Dach haben, von den Fachdisziplinen bis zu den Ressourcen. Dadurch ergeben sich kurze Wege für medizinisches Fachpersonal sowie die Patienten".

Das neue Zentrum soll auch die personalisierte Behandlung der Krebspatienten verbessern. "Früher gab es für etwa Lungenkrebs nur eine Behandlungsmethode, heutzutage bis zu 20. Je genauer die Krebszellen und das Gewebe analysiert wird, desto punktgenauer können wir Maßnahmen setzen. Dadurch wird das Überleben verlängert und auch die Heilungschancen steigen deutlich", so Oberarzt Portner.

Änderungen im Raumkonzept, aber kein Zubau

Große bauliche Veränderungen wie Zubauten seien laut Kölldorfer-Leitgeb im Geriatriezentrum nicht notwendig, wohl aber Adaptierungen im Raumprogramm. "Das Pflegewohnhaus ist von der Fläche her groß genug für die onkologische Abteilung, auch die bereits bestehende technische Ausrüstung ist ausreichend. Änderungen wird es aber bei der Aufteilung der Zimmer geben müssen". Damit Sechs-Bett-Zimmer endgültig der Vergangenheit angehören.

Wieviel diese Adaptionen kosten werden, steht noch nicht fest, auch nicht, wieviele Patienten in dem künftigen Onkologiezentrum betreut werden können. Die Zahlen sollen laut Kölldorfer-Leitgeb im Sommer vorgestellt werden.

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