Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums ist am Freitag ein weiterer russischer General getötet worden. Generalleutnant Jakow Rjasanzew sei bei einem Angriff in der Nähe der südlichen Stadt Cherson gefallen. Rjasanzew war der Kommandant der 49. Armee des südlichen Distrikts.
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Nach Angaben eines westlichen Offiziellen war er bereits der siebte General, der in der Ukraine ums Leben kam, und der zweite Generalleutnant, der Berichten zufolge getötet wurde. Bei einem Generalleutnant handelt es sich um den höchsten Offiziersgrad. Ukrainische Medien berichteten am Freitag, Rjasanzew sei auf dem Luftwaffenstützpunkt Tschornobaiwka getötet worden, der von Russland als Kommandoposten genutzt und vom ukrainischen Militär mehrfach angegriffen wurde.
Ein weiterer Generalleutnant, Andrei Mordwichew, wurde Berichten zufolge bei einem ukrainischen Angriff auf denselben Stützpunkt getötet. Cherson war die erste ukrainische Stadt, die von den russischen Streitkräften besetzt wurde, obwohl es Berichten zufolge dort täglich Proteste gegen die russische Besatzung gibt. Russland hat bislang nur den Tod von General Andrej Suchowezki sowie des stellvertretenden Chefs der Nordmeerflotte, Kapitän Andrei Palij, bestätigt.
Es wird darüber spekuliert, dass die niedrige Moral der russischen Truppen höhere Offiziere dazu gezwungen hat, näher an die Front zu rücken, wie die BBCberichtet. In einem vom ukrainischen Militär abgehörten Gespräch soll sich ein russischer Soldat darüber beklagt haben, dass Rjasanzew behauptet habe, der Krieg sei innerhalb von Stunden zu Ende – dies nur vier Tage nach Kriegsbeginn.
Der Tod von Generalmajor Magomed Tushayev von der tschetschenischenNationalgarde ist jedoch umstritten. Jedoch ist es ungewöhnlich, dass sich solch hochrangige russische Offiziere so nahe am Kampfgebiet aufhalten. Der unerwartet starke ukrainische Widerstand, die schlechte russische Ausrüstung und die hohe Zahl der Todesopfer unter den russischen Truppen sollen zu der schlechten Moral beigetragen haben. Russland hat bisher 1.551 tote Soldaten bestätigt, während die Ukraine von 16.000 gefallenen russischen Soldaten spricht. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Ebenso wird vermutet, dass sich die russischen Streitkräfte zum Teil auf offene Kommunikationssysteme wie Mobiltelefone und analoge Funkgeräte verlassen. Diese können leicht abgehört werden und so den Aufenthaltsort hochrangiger Offiziere verraten. Eine Person aus dem inneren Kreis des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski sagte gegenüber dem "Wall Street Journal", die Ukraine verfüge über ein Team, das sich ausschließlich auf die russische Offiziersschicht konzentriere.
Am Freitag berichtete ein westlicher Beamter, dass ein russischer Oberst aufgrund der hohen Verluste seiner Brigade absichtlich von seinen eigenen Männern mit einem Panzer überfahren und getötet worden sei. Die Tötung des Kommandanten der 37. motorisierten Schützenbrigade "gibt einen Einblick in einige der moralischen Probleme, die die russischen Streitkräfte haben", so der Beamte gegenüber BBC.