Wirtschaft

Darum verkaufen Luxusmarken Porno-Uhren

Eine Schweizer Luxus-Uhrenmarke hat eine Porno-Uhr vorgestellt, auf der ein Pärchen im Sekundentakt Sex hat. Das steckt dahinter.
Heute Redaktion
13.09.2021, 21:14

Sie war der Blickfang am Genfer Uhrensalon: Die Uhr «Classic Voyeur» der Schweizer Luxusmarke Ulysse Nardin. Auf ihrem Zifferblatt sind zwei Figuren zu sehen, die im Takt des Sekundenzeigers Sex haben. Die Uhr, von der nur 18 Stück existieren, gibt es in verschiedenen Ausführungen, das teuerste diamantbesetzte Modell ist aus Platin und wird für rund 355'692 Franken (303.000 Euro) verkauft.

Das Modell von Ulysse Nardin. Credit: Hersteller

Dass Uhrmacher Sex-Szenen auf ihren Zeitmessern abbilden, habe Tradition, sagt Uhrenexperte Uwe Vischer vom Zürcher Auktionshaus Koller: «Das fing im 18. Jahrhundert mit erotischen Emaille-Malereien auf Taschenuhren an. Später kamen bewegliche Figuren auf mechanischen Uhren hinzu.»

Eine Zeit lang illegal



Im 19. Jahrhundert verbot die Kirche in der Schweiz für eine Zeit die Herstellung solcher Uhren und beschlagnahmte alte Modelle. Um die Zensoren zu täuschen, verschoben manche Uhrmacher die pornografischen Motive auf der Unterseite der Uhren.

Auch in der Neuzeit haben Hersteller wie Breguet, Richard Mille und Blancpain kopulierende Paare häufig auf der Rückseite ihrer Uhren versteckt. Der CEO von Ulysse Nardin, Patrick Pruniaux, sagte dem Wirtschaftsmagazin «Fortune» dazu: «Wir sind offener als die Konkurrenz. Wenn man sich die Sex-Szene anschaut, sagt sie nichts Falsches über Sexualität.»

Kaum bei Sammlern gefragt

Empfehlen würde Uwe Vischer den Kauf der Uhr nur Liebhabern. «Luxus-Uhren mit erotischen Motiven taugen selten als Anlageobjekt. Sie sind auf dem Uhrenmarkt nur bei wenigen Sammlern gefragt.» Das Zürcher Auktionshaus Koller versteigerte zuletzt 2015 eine solche Uhr für 8750 Franken. (red)

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