Der Tod ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema. Obwohl sich viele Menschen einen offeneren Umgang damit wünschen, finden Gespräche darüber nur selten statt. Das Sterben verlagert sich zunehmend in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen und verschwindet damit aus dem Alltag.
Vielleicht erklärt genau das den Erfolg vom Bestatter Luis Bauer in den sozialen Medien. Auf TikTok folgen dem 20-Jährigen rund 1,4 Millionen Menschen. Mit seinen Videos gibt er Einblicke in einen Berufsalltag, der den meisten verborgen bleibt.
Dass Verstorbenen manchmal der Mund zugenäht wird, hat anatomische Gründe, wie es bei Chip.de heißt. Nach dem Tod erschlafft die gesamte Muskulatur. Dadurch öffnet sich bei vielen Menschen der Mund und bleibt so, bis die Totenstarre einsetzt. Von selbst schließt er sich nicht wieder.
Für die Aufbahrung wünschen sich Angehörige meist ein möglichst natürliches Erscheinungsbild. Deshalb wird der Mund häufig mit einer speziellen Naht geschlossen. Dabei werden Unterkiefer und Nasenscheidewand im Mundinneren miteinander verbunden. Die Naht bleibt von außen unsichtbar.
"Deswegen ist es auch Standard, dass wird tatsächlich auch so gelehrt", erklärt Bauer. Dennoch entscheiden letztlich die Angehörigen, ob diese Maßnahme durchgeführt werden soll. Wird sie nicht gewünscht, verzichten Bestatter darauf.
Für viele Menschen wirkt der Gedanke zunächst befremdlich. Bauer hält deshalb Aufklärung für wichtig: "Ich kann verstehen, dass das erst einmal ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist. Aber glaubt mir, es hat schon einen Sinn und sorgt am Ende wirklich für dieses natürliche und auch friedliche Erscheinungsbild im Sarg."