Das müssen Sie zu den britischen Wahlen wissen

Wochenlang sah es bei den vorgezogenen Neuwahlen in Großbritannien nach einem klaren Sieg für Theresa May aus – nun muss sie zittern.

Ein Jahr nach der Brexit-Abstimmung wählt Großbritannien am Donnerstag, dem 8 Juni, nun ein neues Unterhaus. Premierministerin Theresa May hat die vorgezogenen Neuwahlen im letzten April überraschend verkündet. Sie will damit eine größere Mehrheit für ihre konservative Partei, die Tories, bekommen.

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Damit hofft sie auf mehr Rückendeckung für die Brexit-Verhandlungen. Zurzeit hat sie eine Mehrheit von nur 17 Stimmen. Ob Mays Taktik aufgeht, ist ungewiss. Die Tories lagen in den letzten Umfragen nur noch wenige Punkte vor der Labour-Partei mit Spitzenkandidat Jeremy Corbyn.

Wie wählt Großbritannien?

In Großbritannien gibt es 650 Wahlkreise und genauso viele Sitze im Unterhaus. Derjenige Politiker, der in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen holt, ist wird nach dem "The winner takes it all"-Prinzip ins Parlament gewählt.

Wem nutzt dieses Wahlsystem?

Es profitieren vor allem Parteien, die regional stark sind. "Stern.de" nennt als Beispiel etwa die schottische Nationalpartei SNP. Diese tritt zwar nur in Schottland an. Dort gewann sie 2015 aber 56 der 59 Wahlkreise. Damit war sie die drittstärkste Kraft im Parlament, obwohl sie nicht einmal fünf Prozent der Stimmen im Königreich hatte.

Wer ist Mays größter Gegner?

Eigentlich befand sich die linke Oppositionspartei in einer politischen Krise. Doch der urlinke Corbyn und seine Labour-Partei haben in den letzten Wochen überraschend aufgeholt. Sie liegen nur noch wenige Prozentpunkte hinter den Konservativen. Im aktuellen Parlament haben sie 229 Sitze.

Wann steht das Ergebnis der aktuellen Wahl fest?

Die Wahllokale sind 22 Uhr Ortszeit offen (8 bis 23 Uhr unserer Zeit). Danach gibt es erste Hochrechnungen. Das Ergebnis soll am Freitagmorgen feststehen.

Wer wird gewinnen?

Wahlbeobachter gehen davon aus, dass May die Mehrheit holen kann. Die Frage ist allerdings, mit wie vielen Stimmen. Gewinnt sie keine Sitze im Vergleich zum aktuellen Parlament dazu, waren die Neuwahlen eine schlechte Entscheidung.

Wer darf die Regierung bilden?

Wenn eine Partei mindestens 326 Sitze gewinnt, wird sie von Königin Elizabeth II. mit der Regierungsbildung beauftragt. Wenn keine Partei die absolute Mehrheit gewinnt, muss nach Koalitionspartnern gesucht oder eine Minderheitsregierung gebildet werden. Wenn bei den aktuellen Wahlen weder die Konservativen noch die Labour-Partei eine Mehrheit erreichen würden, wären erneute Neuwahlen realistisch.

Haben die Terroranschläge einen Einfluss auf die Wahl?

England wurde 2017 bereits dreimal Opfer von terroristischen Anschlägen. Zuletzt rasten in der Nacht auf Sonntag drei Angreifer mit einem Lieferwagen auf der London Bridge in eine Gruppe Passanten und stachen wahllos auf Menschen ein.

Ob und wie die Ereignisse das Wahlverhalten der Bevölkerung beeinflussen, ist gemäss Experten schwer abzuschätzen.

Kritisiert wird May nun vor allem dafür, dass sie als Innenministerin zahlreiche Polizeistellen strich. Eine Straßenumfrage von 20 Minuten zeigt, wie unterschiedlich die Menschen in London darüber denken.

(20 Minuten)

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