Hilft weiße Farbe gegen Asteroiden-Einschläge?

Unzählige Meteore und Asteroiden begleiten die Erde durch ihre kosmische Reise. Ein neues Buch erklärt, was bei einem Einschlag passiert und wie man ihn abwenden kann.
Laut Angaben der NASA fallen jeden Tag über 100 Tonnen an kosmischem Material auf die Erde. Zum Glück haben die meisten davon nur die Größe eines Staubkorns. Zumindest einmal pro Jahr wird die Atmosphäre der Erde im Durchschnitt von einem Meteor oder Asteroiden in Größe eines PKWs getroffen. Da diese aber zur Gänze beim Kontakt mit der Atmosphäre verglühen, gibt es auch keine direkten Auswirkungen auf unseren Planeten. Zu sehen ist in diesen Fällen oft nur ein beeindruckender Feuerball, der sich – wie zuletzt im Herbst 2017 in West- und Mitteleuropa – über den Himmel zieht.

Hin und wieder tauchen aber auch gröbere Brocken auf, die für die Erde eine potenzielle Gefahr darstellen. Statistisch durchbricht alle 2.000 Jahre ein Himmelskörper die Atmosphäre und trifft auf der Erdoberfläche auf. Laut NASA ziehen derzeit mehr als 6.000, so genannte "Near Earth Asteroids" (NEAs) mit einem Durchmesser von mehr als 50 Metern ihre Bahnen um die Erde und es werden laufend neue entdeckt.

"Erde wird zweifellos wieder getroffen"

"Die Erde wird ohne Zweifel in Zukunft von Meteoriten verschiedener Größe getroffen werden", erklären Köberl und Schönberger in ihrem Buch, ein Einschlag von apokalyptischen Ausmaßen müssten wir derzeit aber nicht fürchten.

Was passiert, wenn es passiert und wie wir uns dagegen schützen, beantwortet das neue Buch "Achtung, Steinschlag!". Anhand neuester Forschung beantworten Impaktexperte und Direktor des Naturhistorischen Museums Wien, Christian Köberl und Wissenschaftsjournalist und Co-Autor Alwin Schönberger die wichtigsten Fragen über Meteoriten und Krater. Dazu zählen unter anderem, was sind Meteoriten und woraus bestehen sie? Kann man vorhersagen, wo und wann ein Einschlag zu befürchten ist? Und wieso kann es helfen, Asteroiden mit weiße Farbe zu bemalen?

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Die geheimen Schätze des NHM
Die geheimen Schätze des NHM


Technologie zum Schutz bereits vorhanden

"Im Grunde besitzen wir die Technologie oder zumindest die Konzepte, um uns vor Impakten zu schützen". Das Sprengen von Asteroiden mit Atombomben, wie in Hollywood-Blockbustern sei aber "so ziemlich die dümmste Idee", behauptet Autor Köberl. Er ist einer, der es wissen muss, denn als Universitätsprofessor für Impaktforschung und planetare Geologie am Department für Lithosphärenforschung an der Uni Wien zählt Köberl zu den führenden Experten der Welt.

NHM Wien mit weltweit größter Meteoriten-Sammlung

Als Direktor des Naturhistorischen Museums Wien hat Köberl eine der ältesten und größten Meteoriten-Sammlungen weltweit zur Verfügung. "Unser Haus besitzt rund 8.000 Stücke, davon sind derzeit 1.100 in den Schausammlungen öffentlich zugänglich", erklärt Köberl.

Seit Sommer 2010 steht Direktor Christian Köberl mit dem Vizedirektor Herbert Kritscher an der Spitze des Naturhistorischen Museums Wien. Sie sind die "Herren der 30 Millionen Dinge". Denn obwohl das Museum mit rund 300.000 Ausstellungsstücken aufgeteilt auf 39 Schausäle und rund 8.500 Quadratmeter Fläche lockt, ist das noch lange nicht alles.

NHM als naturwissenschaftlicher Fixpunkt

Das Naturhistorische Museum Wien ist ein Fixpunkt. Geographisch, weil es gemeinsam mit dem Schwesterbau, dem Kunsthistorischen Museum den Maria-Theresien-Platz flankiert und mit dem benachbarten Museumsquartier einen wichtigen kulturellen Hot Spot in Wiens Innerer Stadt bildet. Architektonisch, weil an dem 1889 eröffneten Prachtbau des Wiener Historismus niemand vorbeikommt. Und als Tempel des Wissens: Mit rund 750.000 Besuchern pro Jahr und einem Schatz von rund 300.000 ausgestellten Exponaten zählt das Naturhistorische Museum Wien zu den bedeutendsten naturgeschichtlichen Museen der Welt.

Die ältesten Sammelstücke des Naturhistorischen Museums Wien stammen aus der Sammlung von Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen aus dem Jahr 1750. Seit 1889 beherbergt das heutige Museumsgebäude dessen naturhistorische Sammlung. Der Ehemann von Kaiserin Maria Theresia galt als begeisterter Sammler und häufte in seinem Naturalienkabinett rund 30.000 Stücke an.

Im NHM Wien lagern 30 Millionen "Einzelschätze"

"Unser Museum hat aktuell rund 30 Millionen Einzelstücke", erklärt Direktor Köberl im Gespräch mit "Heute". Dazu zählen weltbekannte Schätze wie die Venus von Willendorf, der rund 117 kg schwere Edeltopas aus Brasilien sowie die älteste Meteoritensammlung der Welt. Die ältesten Stücke dieser Sammlung stammen aus dem Naturalien-Cabinet von Kaiser Franz Stephan aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Museum als "Eisberg"

"Ich beschreibe das Naturhistorische Museum immer gerne als Eisberg. Das, was die Besucher sehen, ist nur ein kleiner Teil von dem, was unser Haus tatsächlich zu bieten hat", schmunzelt Köberl. Tatsächlich ist nur rund ein Sechstel der Fläche des Hauses öffentlich zugänglich, der Großteil der Bestände lagert in den vier Untergeschossen der Tiefspeicher und in den Sammlungsräumen der anderen fünf Stockwerke.

Unter der Leitung von Christian Köberl hat das Haus endgültig das Image des "verstaubten Museums" abgelegt. Durch immer neue Einrichtungen, wie dem digitalen Fulldome-Planetarium, den animierten Dinosauriern oder den gelungenen Einsatz von Computertechnologie zur Wissensvermittlung ist das "Naturhistorische" zu einem Ort geworden, der gerne und immer wieder besucht wird. In den letzten acht Jahren haben sich die Besucherzahlen verdoppelt.

Eines der wichtigsten Forschungseinrichtungen des Landes

Was viele vermutlich nicht wissen, ist, dass das Naturhistorische Museum auch eine wichtige Forschungsinstitution ist. "Der Ausstellungsbetrieb ist zwar bekannter, aber eigentlich sind wir in erster Linie ein Ort der wissenschaftlichen Forschung", erklärt Köberl.

Hinter den Kulissen der Schausäle und der ausgestellten Stücke, spielt sich das "zweite Leben" des Museums ab. In den Tiefspeichern des Museums lagern nicht nur alle jene Stücke, die derzeit nicht ausgestellt sind, sie sind auch der Schauplatz für die rund 60 hauptberuflichen Forschenden, deren Büros auf das gesamte Museum verteilt sind und die in den Gebieten der Erd-, Bio- und Humangeschichte arbeiten.

4,6 Milliarden Jahre Erdgeschichte

Insgesamt decken die Wissenschaftler über vier Milliarden Jahre Erdgeschichte ab. Unter Direktor Köberl hat sich der Anteil der drittmittelfinanzierten Forschungsprojekte (etwa durch Förderungen der EU) verdreifacht. Die DNA-Analyse spielt in der biologischen Forschung eine zentrale Rolle, auch am NHM Wien. Im hochmodernen DNA-Labor wird auch die DNA alter Museumspräparate untersucht. "Dabei ist wichtig, dass wir nicht nur steril, sondern auch kontaminationsfrei arbeiten", erklärt Elisabeth Haring, Leiterin der Zentralen Forschungslaboratorien.

Ein aktuelles Großprojekt ist "ABOL - Austrian Barcode of Life", die Erfassung der österreichischen Biodiversität mittels genetischer Methoden. Ziel ist, DNA-Barcode-Sequenzen aller Tier-, Pflanzen- und Pilzarten Österreichs zu erstellen und in einer Datenbank zu sammeln.

Ein weiteres wichtiges Standbein ist die Publikation wissenschaftlicher Schriften. Pro Jahr werden rund 200 "Peer Reviewed"-Publikationen veröffentlicht, das entspricht, "im Durchschnitt drei Publikationen pro Forscher", betont Köberl. Eine international beeindruckende Zahl.

Museum kämpft mit steigenden Kosten und stagnierendem Budget

Das gleichbleibende (und damit an Kaufkraft immer kleiner werdende) Budget stellt aber auch die Bundesmuseen, zu denen das Naturhistorische Museum zählt, vor Herausforderungen. "Wir machen mit prozentuell immer weniger Geld immer mehr. Trotz steigenden Energie- und Mietkosten wurde die Abgeltung durch den Bund in den letzten Jahren nicht erhöht. Wir mussten bereits das Ankaufsbudget auf Null reduzieren und versuchen Ausstellungs- und Marketingkosten zu sparen, damit wir kein Personal abbauen müssen", schildert Direktor Köberl.

Auch die Initiative "Freier Eintritt bis 19", die seit Jänner 2010 Kindern und Jugendlichen den kostenlosen Eintritt in die österreichischen Bundesmuseen ermöglicht, habe die Geldsorgen verschärft. "Ich freue mich natürlich, wenn junge Menschen ins Museum kommen und sich mit Naturwissenschaften beschäftigen, aber der Verdiensteingang tut schon weh. Wir bekommen eine jährliche Abgeltung von 250.000 Euro pro Jahr, aber eigentlich müssten es 1,4 Mio. Euro sein. Wenn das so weitergeht, werden wir den Museumsbetrieb bald nicht mehr bezahlen können", so Köberl.

Von der Präparation bis zur Lagerung: Die geheimnisvolle Welt der Tiefspeicher

Auf vier Geschossen sind in den Tiefen des Museums die Forschungs- und Lagerabteilungen untergebracht. Dabei nutzte das Museum den Ausbau der Wiener U-Bahn: Als 1991 der Schacht für die heutige U3 ausgehoben wurde, wurden auch die Untergeschosse des Museums errichtet. So lagern bis heute, nur wenige Meter von den Gleisen der U-Bahn entfernt, die rund 7.500 Exemplare der wissenschaftlichen Vogelsammlung, wie die Leiterin der Vogelsammlung Anita Gamauf erklärt. Die übrigen der mehr als 130.000 Vogelobjekte des Museums befinden sich in der wissenschaftlichen Sammlung.

Von den rund 11.000 Vogelarten weltweit sind gut 75 Prozent im Naturhistorischen Museum präsent. Zu den ältesten Schätzen zählen neben Vögeln, die Captain James Cook von seiner Welt-Umsegelung 1772/1773 mitgebracht hat, auch ein eurasischer Albino-Seeadler aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, dessen weißes Gefieder auch nach über 150 Jahren strahlt. Damit ist der Vogel auch ein eindrucksvolles Beispiel für die Geschicklichkeit der Tierpräparation von anno dazumal.

Neues "Leben" für ausgestorbene Arten

Im Naturhistorischen Museum leitet Robert Illek die Zoologische Hauptpräparation, in der Wirbeltiere zu wissenschaftlichen Zwecken vermessen, skelettiert und schließlich "ausgestopft" werden. Hier wird längst verstorbenen Tiere neues "Leben" eingehaucht. Jährlich werden hier rund 700 Tiere bearbeitet, davon werden fünf kunstvoll für Ausstellungen und die Schausammlung präpariert.

Im Tiefspeicher werden bereits fertig präparierte Tiere gelagert, darunter auch das wertvollste Tier in der Säugetiersammlung, der ausgestorbene Blaubock. "Dabei handelt es sich um eine Antilopenart aus der Kapregion in Südafrika, die vermutlich um das Jahr 1800 ausgestorben ist. Exemplare des Blaubocks sind extrem selten, weltweit gibt es nur vier ausgestopfte Tiere und wir haben hier das einzige Weibchen", erklärt der Leiter der Säugetiersammlung Frank Zachos.

Vom teuersten Kaffee der Welt bis zum größten "Gavialpärchen"

Es gibt kaum ein Land der Erde, das hier nicht mit zumindest einem Tier vertreten ist. Darunter findet sich auch ein Fleckenmusang. Diese süd- und südostasiatische Schleichkatzenart könnte vor allem Kaffeeliebhabern ein Begriff sein. Die Kaffeebohnen, die von den Tieren gefressen und halb verdaut (fermentiert) wieder ausgeschieden werden, verfügen über ein ganz besonderes Aroma. Der Kilopreis der Bohnen beträgt mehrere hundert Euro.

Viele der hier vertretenen Tierarten wie das Quagga, eine bräunliche Variante des Steppenzebras, sind seit langem ausgestorben. Wer im Tiefspeicher der Säugetiersammlung umgeben von verschiedensten Formen von Bären, Affen, Wölfen und Katzen steht, ist gleichzeitig fasziniert von der Vielfalt der Natur und erschrocken, wie viele Arten bereits ausgerottet wurden.

Ebenfalls Kopfschütteln lösen auch viele Stücke in der Herpetologischen Sammlung aus: So finden sich zwischen fachgerecht präparierten Reptilien auch 120 Monokel-Kobras, die bei der Einreise nach Österreich am Flughafen Schwechat beschlagnahmt wurden. "Wir haben hier auch viele andere illegale Waren, wie beispielsweise Taschen, Schuhe oder Geldbörsl aus Schlangen- oder Krokodilleder", erklärt der pensionierte Sammlungsmanager Richard Gemel.

Über viele Jahre hinweg hat sich Gemel als Mitarbeiter und Bibliothekar um die Amphibien- und Reptiliensammlung im Naturhistorischen Museum Wien gekümmert. Unter den 4.000 Trockenpräparaten findet sich auch das weltweit größte Pärchen des "Gavialis gangeticus" oder Gangesgavials in einem Museum, des einzigen noch lebenden Vertreters der Gattung der Echten Gaviale innerhalb der Krokodile.

Auch beschlagnahmte Tiere landen im NHM Wien

Obwohl der Schutz bedrohter Tierarten im Washingtoner Artenschutzabkommen geregelt und der Handel mit den so geschützten Tierarten streng reguliert und oft verboten ist, werden immer wieder Stücke beschlagnahmt und landen letztlich in den Depots des NHM Wien. Das liege auch daran, dass das Bewusstsein in den Herkunftsländern wie beispielsweise Thailand noch gering sei. "In Vietnam ist etwa der Schlangenwein eine beliebte Spezialität. Dabei werden Giftschlangen in Alkohol eingelegt und nach einer gewissen Zeit wird dieser dann getrunken. Angeblich soll das Getränk gegen Schlafstörungen helfen und als Aphrodisiakum wirken", so Gemel.

Spezialführungen "Behind the Scenes"

Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst einen Blick hinter die Kulissen des Naturhistorischen Museums Wien zu werfen, kann das im Rahmen geführten Touren tun. Die Termine zu den "Hinter den Kulissen"-Programmen und weiteren Museums-Specials gibt es auch auf der Webseite des "Naturhistorischen".

Monatlich gibt es auch die "Darkside"-Führungen, bei denen das Museum außerhalb der Öffnungszeiten in der Nacht erforschen kann. Die Führung mit Taschenlampe inkludiert auch einen Besuch auf das Dach des Museum und von dort einen Blick aufs nächtliche Wien.

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