Das Problem mit dem Iran und der Atombombe

Seit die USA den Atom-Deal mit dem Iran aufgekündigt haben, kommt es in der Region zu Zwischenfällen mit Öltankern. Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen?
Drei iranische Schiffe sollen am Donnerstag einen britischen Öltanker in der Straße von Hormus bedrängt und zu entern versucht haben. Im Juni kam es in der Nähe zu Explosionen an Bord zweier Schiffe, im Mai wurden dort vier Schiffe Tanker. Vieles deutet auf den Iran als Aggressor hin, auch wenn der alle Vorwürfe bestreitet.

Eine Eskalation der Lage bis hin zu einem Angriff der USA auf den Iran ist möglich. Auslöser für die Krise ist das Aufkündigen des Atom-Deals durch die USA – und die Straße von Hormus vor Irans Küste ist von extrem wichtiger Bedeutung für die Weltwirtschaft. Blockiert der Iran sie, bricht die internationale Ölversorgung zusammen. Aber weswegen ist überhaupt ein Atom-Abkommen notwendig gewesen?

Das iranische Atomprogramm



CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Der Iran stellte 2010 sein erstes Atomkraftwerk in Buschehr fertig, zwei weitere befinden sich im Bau. Die Pläne für eine Stromversorgung durch Kernenergie gehen auf die 1970er Jahre zurück, als noch der vom Westen gestützte Schah Reza Pahlewi an der Macht war. Die Islamische Revolution 1979, bei der radikale Muslime die Macht übernahmen, und der Krieg mit dem Irak (1980-88) hatten die Arbeiten unterbrochen.

An vielen anderen Orten wird offiziell geforscht und experimentiert. 2002 kam allerdings heraus, dass der Iran der Internationalen Atombehörde, die weltweit die Kernenergie überwacht, die Existenz von zwei Anlagen verschwiegen hatte. In einer davon, in Natanz, wird Uran angereichert, in der anderen in Arak wurde höchstwahrscheinlich ein Reaktor gebaut, der Waffenplutonium herstellen kann.



2004 gab einer der Entwickler des pakistanischen Atomwaffenprogramms zu, dem Iran bereits in den späten 1980er Jahren Pläne zur Herstellung von Zentrifugen verkauft zu haben, die eine Anreicherung von waffenfähigem Uran ermöglichen.

Was ist überhaupt Uran-Anreicherung?



Der Iran behauptet, Kernenergie nur für zivile Zwecke, in erster Linie zur Stromversorgung, nutzen zu wollen. Wofür Uran verwendet wird, hängt von seinem Anreicherungsgrad ab. Anreicherung bedeutet die Veränderung der Zusammensetzung von natürlichem Uran zugunsten des Isotops 235-U. Natürliches Uran enthält etwa 0,72 Prozent 235-U.

Für die Stromerzeugung reicht Uran mit 3 bis 5 Prozent 235-U. Für medizinische Zwecke sind 20 Prozent notwendig. Damit könnte man bereits Kernwaffen bauen, doch die wären sehr ineffizient, da eine sehr große Menge Uran notwendig wäre. Daher wird für Kernwaffen ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent benötigt. Als der Iran 2010 ankündigte, Uran bis zu 20 Prozent anzureichern, belegte die internationale Gemeinschaft das Land mit schweren Wirtschaftssanktionen.

Warum soll der Iran keine Atomwaffen haben?



Abgesehen von der grundsätzlichen Gefahr von Atomwaffen, wird befürchtet, dass der Iran sie auch tatsächlich einsetzen würde. Denn in dem Land haben seit der Islamischen Revolution fundamentalistische religiöse Führer das Sagen, auch wenn es einen Präsidenten und ein Parlament gibt.

Der Iran strebt die Vernichtung des Staates Israel an, ist aber aus religiösen Gründen auch beim dem Rest der arabischen Welt wenig beliebt. Denn während etwa 85 Prozent der Muslime weltweit Sunniten sind, sind im Iran Schiiten an der Macht – und diese beiden Strömungen vertragen sich schlecht, vergleichbar mit Katholiken und Protestanten in früheren Zeiten. Atomwaffen in den Händen von extremen Islamisten stellen daher eine besondere Gefahr für die Welt dar.

Das Atom-Abkommen als Lösung



2015 einigten sich die Vetomächte des UNO-Sicherheitsrats (USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China) sowie Deutschland auf ein Abkommen mit dem Iran, der sogenannte Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA). Dieser Atom-Deal wird auch von zahlreichen anderen Ländern und Organisationen wie der EU gutgeheißen.

Der Iran verpflichtete sich darin unter anderem, all sein bisher angereichertes Uran abzugeben, die Zahl seiner Zentrifugen zur Uran-Anreicherung von 19.000 auf 6.104 zu reduzieren, den Schwerwasserreaktor in Arak so umzubauen, dass er kein waffenfähiges Plutonium herstellen kann und die nächsten 15 Jahre kein Uran mit mehr als 3,67 Prozent anzureichern. Im Gegenzug wurden die Sanktionen gegen den Iran schrittweise aufgehoben. Die Unterzeichnung des Abkommens fand im Wiener Palais Coburg statt.

Wieso kündigte Trump das Abkommen auf?



US-Präsident Donald Trump stieg 2018 aus dem Abkommen aus und erließ neue Sanktionen gegen den Iran – entgegen den Willen aller anderen Vertragspartner. Laut den USA habe der Iran das Abkommen die ganze Zeit über verletzt und baue weiterhin an Kernwaffen. Der Iran bestreitet das und auch die EU ist der Meinung, der Iran halte sich an das Abkommen. Trump moniert außerdem, dass das Abkommen ohnehin nur zeitlich begrenzt war und nicht andere Waffen umfasst, wie etwa Raketen und Bomben.

Was macht der Iran jetzt?



Das Land hat angekündigt, demnächst Uran mit 5 Prozent anzureichern – dies würde für die Stromerzeugung in Buschehr notwendig sein. Der Iran will nun alle 60 Tage seine Verpflichtungen aus dem Atom-Abkommen reduzieren.

Das soll den Druck auf die internationale Gemeinschaft erhöhen, die USA zu einem Aufheben der Sanktionen zu bewegen. Denn sie treffen das Land erneut schwer. Gleichzeitig ist es nun zu mehreren Zwischenfällen in der Straße von Hormus gekommen; der Iran bestreitet jegliche Beteiligung. Die USA in erster Linie beschuldigen jedoch den Iran, hinter den Angriffen zu stecken.

Wieso ist die Straße von Hormus so wichtig?



Mehr als ein Drittel des weltweit benötigten Erdöls sowie große Mengen an Erdgas werden durch die Straße von Hormus, die zum Iran und zum Oman gehört, verschifft. Von den Ölfeldern zahlreicher arabischer Länder gelangt es so in den Rest der Welt.

Der Iran hat in der Vergangenheit immer wieder damit gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren – etwa mit Minen, U-Booten und Raketenwerfern an der Küste – um sich gegen die Sanktionen zu wehren. Dies ginge relativ leicht, da die Straße an ihrer engsten Stelle nur 38 Kilometer breit ist und Schiffe nur zwei jeweils drei Kilometer breite "Spuren" zur Durchfahrt benutzen. Denn die Straße von Hormus ist mit durchschnittlich 80 Metern relativ seicht und kann daher nicht an jeder Stelle von großen Tankern befahren werden.

Das stellt auch ein weiteres Problem dar: Platziert der Iran Schiffe in der Straße von Hormus, die dann von den USA versenkt werden, dann würden deren Wracks die Meeresenge trotzdem blockieren – sie zu bergen wäre ein unglaublich aufwendiges Unterfangen, dass den Öltransport für lange Zeit lahmlegen würde.

Wie geht es jetzt weiter?



Die USA haben bereits ihre Militärpräsenz in der Region erhöht. Unklar ist, ob der Iran tatsächlich hinter den Vorfällen in der Straße von Hormus steckt – aus Rache für die Sanktionen bzw. als Druckmittel, um die Sanktionen loszuwerden. Nicht ganz abwegig ist der Gedanke, dass die USA einen Grund brauchen, um im Iran einzumarschieren und die Erdölreserven zu sichern.

Zur Erinnerung: Vor dem Irak-Krieg 2003 fälschte der britische Geheimdienst Dokumente, um ein Atomwaffenprogramm des Regimes von Saddam Hussein zu beweisen. Dies diente den USA als Vorwand für einen Einmarsch; denn an Atomwaffen hat der Irak damals nicht gebaut. Der Vorteil für die USA ist aber in diesem Fall, dass der Iran mit seiner menschenverachtenden, mittelalterlichen Politik, bei der etwa Frauen keine Rechte haben, international kaum Freunde hat.

Trotz einer riesigen Armee von mehr als einer halben Million Soldaten (ohne Reservisten) würde der Iran militärisch keine Chance gegen die USA und deren Verbündete haben. Doch ein Krieg mit dem Iran ist für die USA trotzdem kein leichtes Unterfangen, weder militärisch noch politisch, wie der Irak-Krieg gezeigt hat. Denn er hat auch die gesamte Region destabilisiert und im Machtvakuum erst den Aufstieg der Terrororganisation IS ermöglicht.

Nav-AccountCreated with Sketch. Jörg Michner TimeCreated with Sketch.| Akt:
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