Das Remake von "Mafia" ist einfach kriminell gut

Seit 18 Jahren gilt "Mafia" als eines der besten Gangster-Games überhaupt. Das Remake davon ist aber auch ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.

"Sieht gut aus und klingt gut, es ist aufregend", "strotzt vor Stil und Klasse und hat sich sicherlich in die Reihen der besten Spiele dieses Jahres geschoben", "das Gameplay, die Geschichte, die Grafik – die gesamte Präsentation ist erstklassig". Im Jahr 2002 hagelte es für das damals erschienene "Mafia" für PC regelrecht Lob ohne Ende der großen Medien. Auch, als zwei Jahre später die Konsolen-Fassungen veröffentlicht wurden, war die Begeisterung nicht abgeflaut.

Nun hat sich 2K Games nach 18 Jahren entschlossen, dem Orginal, das noch immer als eines der besten Action-Spiele überhaupt gilt, neues Leben einzuhauchen. Und das nicht als überarbeitetes Remaster, sondern als komplettes Remake mit dem Titel "Mafia: Definitive Edition". Für die Spieler geht es in ganz neuer Technik zurück nach Lost Heaven, einer Großstadt im Stile New Yorks der 30er, in der zwei Mafia-Clans das Sagen haben und wir zwischen die Fronten geraten.

Ein echter Hollywood-Streifen

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Thomas "Tommy" Angelo, der als Taxifahrer von Mafia-Mitgliedern zu einer waghalsigen Fluchtfahrt gezwungen wird. Nun ist er eigentlich wider Willen der Mafia-Familie Salieri zu Diensten, gleichzeitig dem konkurrierenden Clan der Morellos ein Dorn im Auge – und will, wie man aus Rückblenden erfährt, in Wahrheit aus dem kriminellen Geschäft aussteigen und der Polizei als Kronzeuge zur Verfügung stehen.

Heute wie damals muss sich die Story von "Mafia" nicht verstecken, sondern geht mit wilder Action, Verschwörungen und Verrat, Gewissenbissen bei den harten Mafiosis und einer Prise Romantik als echter Hollywood-Streifen locker durch. Wem das Original gefiel, muss zwangsläufig zur "Definitive Edition" greifen, denn hier wurde einfach alles noch einmal ein Stück glaubwürdiger, realistischer und vor allem tiefgehender. Nicht nur die Ballerei, auch das Davor und Danach beeindrucken.

Mehr Emotionen, fantastische Grafik

Mäht der Protagonist Feinde nieder, ist ihm das Entsetzen nun anzusehen – und das Remake bietet viele neue Szenen, in denen Tommy die Erlebnisse mit seinem Gesprächspartner aufzuarbeiten versucht. Ebenso gibt es allesamt komplett neue Videosequenzen und die neuen Synchronsprecher könnten direkt aus einem Hollywood-Krimi stammen. Übrigens: Nun bekamen in den Videos auch jene Figuren kleine Storys spendiert, die im Original eigentlich nur als Auftraggeber dienten.

Die Grafik ist vor allem was die Charaktere betrifft fabelhaft. In Videosequenzen geht es bei Gesichtern mit Falten, Narben, Schatten und Bart fast fotorealistisch zu, doch auch die Spielszenen bieten unglaublich viele Details. Bewegungen sehen natürlich aus, Anzüge und Kleider flattern im Wind und Gesichter verzerren sich. Besonders fantastisch: Kaum einer der Gegner oder der Menschen in Lost Heaven sieht gleich aus, beinahe jede Figur bekam ein indivduelles Aussehen spendiert. Bläst der Wind, halten sich die Figuren in der Spielwelt ihre Hüte fest, schüttet es, eilen sie unter das nächste Dach – grandios!

Auch schleichend zum Ziel

Im Großen und Ganzen bleibt die Handlung sowie der Missionsaufbau und die Zahl der Aufgaben dem Original treu. Durchaus aber haben sich die vielen Nebenaufgaben und möglichen Herangehensweisen an eine Mission geändert. Bot gerade einmal ein Überfall im originalen "Mafia" die Möglichkeit, etwas heimlicher vorzugehen, ist es nun bei mindestens der Hälfte des Spiels möglich, sich schleichend und unerkannt fortzubewegen und Angriffe dadurch auch taktisch anzugehen.

Beim Kampf selbst gibt es das klobige Hingehocke nicht mehr: Nun läuft man flüssig und frei zur jeweiligen Deckung und die Spielfigur kauert, schmiegt oder versteckt sich entsprechend automatisch daran, um Kugeln zu entgehen. Hinter Wänden und Ecken wird stehend hervorgeschaut, hinter Autos halb-kniend immer wieder in Ladephasen des Gegners geschossen – und umgekehrt auch. Die Gegner-Intelligenz hat ziemlich angezogen, auch wenn sie gerade bei Feindes-Überzahl strategischer Vorgehen könnte. In umstellte und auswegslose Situationen kommt man praktisch nie, flankiert wird man aber zum Glück doch des öfteren.

Mehr und weniger offene Spielwelt

Eine der wichtigsten Fragen klärt sich zum Glück zufriedenstellend: Wie sieht es mit der Open World aus? Die Antwort: Es gibt sie mehr und weniger. Einerseits kann man je nach Mission nicht mehr wild überall hin in Lost Heaven brausen, andererseits noch immer an massig Orte, wobei man dabei nun auch unterhalten wird. Fand man früher eher leere Straßen und Stille bei Entdeckungstouren vor, sind sie nun eingeschränkter, dafür wird man von Passanten angequatscht, unterhält sich mit den Fahrgästen oder lässt sich durch das Autoradio beschallen. Insgesamt wuchs die Stadt sogar etwas gegenüber dem Original und Ladezeiten fallen großteils weg.

Einzig: Die Fahrerei macht nicht so viel Spaß, wie man es vom Rest des grandiosen Remake erwarten würde. Die toll gestalteten Wägen fahren sich leider teils noch immer wie schwerfällige Traktoren und machen selbst bei kleineren Lenkbewegungen schnell Abflüge aus der Kurve. Ohne Fahrhilfe kommt da etwas Frust auf, auch bei den neuen Motorrädern. Vielleicht auch deshalb die neue Funktion bei einigen Stellen im Spiel: Da kann man die Fahrten einfach skippen und spawnt dafür am gewünschten Zielpunkt wieder. Dann entgeht dem Spieler aber das Schmankerl, dass das Autoblech realitisch verbeult, wenn man in einem Hydranten landet.

Einfach kriminell gut

"Mafia" bleibt auch in der "Definitive Edition" seinen Stärken treu: Statt tausender immer gleicher Missison gibt es wenige Dutzend, die dafür umso stärker im Gedächtnis bleiben. Statt Massenaufläufen von Feinden finden sich geschickt gestellte Fallen und in die Handlung eingebundene Feuergefechte gegen personalisierte Feinde. Und statt einem billigen Action-Plot wird eine Story serviert, die durch Tiefgang und Emotionen beeindruckt. Gut so, dass die Entwickler diese Stärken in eine neue Technik und eine absolut bemerkenswerte Grafik packen konnten.

Wo etwas am Spiel geändert wurde, ist es nachvollziehbar geschehen. Die eher emotionslosen Figuren des Originals zeigen jetzt viel mehr Gefühle, zahlreiche Klischees wurden ausgespart. Auch, dass Missionen nicht mehr nur als Frontalangriff ablaufen, sondern auch schleichend absolviert werden können, gefällt. Insgesamt ist mit der "Mafia: Definitive Edition" (PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows) das Remake des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts gelungen. Prädikat: Einfach kriminell gut!

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