Balkaner ist gleich Balkaner? Von wegen!

Machen Sie sich auf eine geballte Ladung Klischee gefasst: Was Serben, Kroaten und Bosnier wirklich unterscheidet.
Wer aus einem Balkan-Staat kommt, weiß, dass hier in Österreich oftmals alle Ex-Jugos über einen Kamm geschert werden. Auf den ersten Blick mag das durchaus nachvollziehbar sein: Immerhin sprechen wir alle dieselbe Sprache. Das reicht doch, oder? Nicht ganz.

Denn es gibt da das eine oder andere Merkmal, an dem man ziemlich genau feststellen kann, aus welcher Region der Balkanhalbinsel das Gegenüber kommt. Ein – nicht ganz ernst gemeinter – Überblick:



Die größte Balkan-Gruppe in Österreich bilden die Serben. Rund 120.000 Menschen mit der serbischen Staatsbürgerschaft leben laut Statistik im Alpenland. Und so erkennt das geübte Auge einen echten Serben:

CommentCreated with Sketch.9 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Heißen Männer Milan oder Nebojsa, und hören Frauen auf die Namen Zorica oder Ceca, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man es mit Serben zu tun hat.

Wertvolle Hinweise liefert auch das Mobilitätsverhalten: Ein echter Serbe hat ein Auto. Häufig einen BMW oder einen Mercedes, vielleicht auch einen Audi (ich habe euch ja gewarnt, dass wir um das eine oder andere Klischee nicht herumkommen werden).

Natürlich lässt eine Automarke noch nicht auf die Nationalität schließen. Ein weiteres Indiz bietet der Rückspiegel. Denn um jenen hat gefälligst ein orthodoxer Rosenkranz zu hängen. Dieser ist im Idealfall so groß, dass er den Spiegel beinahe runterreißt und den Blick nach vorne versperrt.

Das reicht euch noch nicht? Ihr wollt so richtig auf Nummer sicher gehen? Dann empfiehlt sich ein Besuch auf einer serbischen Hochzeit. Egal auf welcher. Denn auf eine serbische Hochzeit werden gefühlt alle Serben der Welt eingeladen. Ist die fragliche Person nicht vor Ort, dann gehört sie ziemlich sicher auch nicht zur serbischen Community.



Apropos Musik: Die ist zwar bei allen Balkan-Hochzeiten auf 120 Prozent gedreht, doch den Serben legt man aber meistens noch eine Scheibe drauf. Und zwar in Form von Live-Musikern, wie zum Beispiel Geigern und Ziehharmonika-Spielern, die versuchen, den Turbo-Folk zu übertönen, der aus den Boxen dröhnt.

Bei den Kroaten geht es im Vergleich etwas gemächlicher zur Sache. Dafür kann es in Sachen "Nationalstolz" nie genug sein. So sieht man den Kroaten in "freier Wildbahn" nicht selten mit einem rot-weiß-kariertem Trikot herumlaufen. Besonders während einer Welt- oder Europameisterschaft wird das Shirt des Nationalteams zu einer zweiten Haut. Unter keinen Umständen wird es ausgezogen. Auch ziert die Flagge des Landes zu der Zeit das Auto des Kroaten. Damit ist auch der Unterschied zu einem serbischen BMW offensichtlich.

Haben Kroaten aus unerfindlichen Gründen mal kein Trikot an, dann posaunen sie ihren Migrationshintergrund spätestens nach 0,2 Sekunden heraus. Zu groß ist der Stolz auf die Heimat, der sich einfach nicht unterdrücken lässt. Dabei betonen sie auch hin und wieder, wie wenig man Nicht-Kroaten leiden kann. Besonders Bewohner anderer Balkan-Staaten. Naja, und wenn man schon dabei ist, regt man sich auch gerne mal über andere Kroaten auf.



Ein wenig schwieriger wird es, einen Bosnier zweifelsfrei zu identifizieren. Da wären einmal die drei großen Ethnien: Die Serben, die Kroaten und die Bosniaken – also bosnische Moslems. Was alle drei vereint? Sie lieben Fleisch – mehr noch als alle anderen Balkaner. Sarma, Cevapcici, Burek ...

Bosnien ist zudem stark von der türkischen Kultur geprägt. Das kommt nicht nur in den unzähligen Moscheen im Land zum Ausdruck, sondern oftmals auch im Alltag. So wird in einem bosnischen Haushalt niemals Tee, sondern immer "aj" getrunken. Dazu gibt es vielleicht noch ein Stück türkischen Honig oder Baklava. Die Verbindung zur Türkei sollte man einem Bosnier aber nie unter die Nase reiben. Stolz eben...

Aber Achtung: Bevor es in eine Wohnung eines Bosniers geht, muss man unbedingt "Papuce" anziehen. Das sind Hausschuhe, die ein wenig so aussehen, als ob sie Aladin während der Tausendundeinen Nacht getragen hätte. Diese eignen sich bei Müttern auch sehr gut als Waffe. Blitzschnell sind sie vom Fuß und werden dem "Feind" nachgeworfen. So wird jeder Übeltäter in die Flucht geschlagen.



Natürlich habe ich einmal mehr übertrieben: Die Unterschiede zwischen Kroaten, Serben und Bosniern sind in Wahrheit sehr, sehr fein. Im Endeffekt sind wir allesamt stolz und froh, in Österreich zu leben. Aber ein paar Klischees muss man eben erfüllen. Das sind wir unseren Wurzeln schuldig.

Warum Balkan-Mamas so oft fluchen? Wieso wir vom Balkan immer Jogger tragen?

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(red)
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