Boom beim ORF

Das WM-Finale brach den ESC-Streaming-Rekord

Die Fußball-WM 2026 sorgte nicht nur sportlich für Spannung. Hinter den Kulissen wurden beim Streaming neue Bestmarken erreicht.
Digital  Heute
22.07.2026, 17:42
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Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat beim ORF nicht nur auf dem Spielfeld für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch im Hintergrund wurde Geschichte geschrieben. Während Millionen Menschen die Partien verfolgten, musste die Streaming-Infrastruktur enorme Datenmengen bewältigen. Das Ergebnis: Das WM-Finale stellte neue Bestwerte auf und übertraf sogar den Streaming-Rekord, der erst wenige Wochen zuvor beim Eurovision Song Contest 2026 erreicht worden war.

Nach Angaben des ORF und seiner Technik-Tochter Big Blue Marble verfolgten durchschnittlich 351.000 Zuschauerinnen und Zuschauer das WM-Finale per Streaming. Gleichzeitig erreichte die technische Infrastruktur Lastspitzen von bis zu 2,5 Terabit. Damit wurden die bisherigen Höchstwerte des Eurovision Song Contest 2026 übertroffen, der bis dahin als größte Belastungsprobe für die Systeme gegolten hatte. Die Rekorde beschränkten sich dabei nicht nur auf das Endspiel.

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Schon das Auftaktspiel Österreich gegen Jordanien sorgte für eine hohe Auslastung. Im weiteren Turnierverlauf wurden die Spitzenwerte mehrfach übertroffen. Insgesamt acht Spiele lagen laut Big Blue Marble über den Streaming-Werten des ESC. Besonders deutlich wird die Entwicklung im Vergleich zur vergangenen Fußball-WM: Damals lag die höchste gemessene Streaming-Last noch bei 930 Gigabit. Innerhalb von vier Jahren hat sich dieser Wert damit nahezu verdreifacht.

"Noch einmal eine andere Dimension"

Damit die Infrastruktur einer solchen Belastung standhalten konnte, wurde sie bereits nach den Erfahrungen mit dem Eurovision Song Contest umfassend ausgebaut. Big Blue Marble erhöhte nach eigenen Angaben die Hardware-Kapazitäten der eigenen Systeme nahezu auf das Doppelte. Gleichzeitig wurden auch die angebundenen Cloud-Dienste auf Basis von AWS entsprechend erweitert.

"Nach dem ESC war für uns klar, dass die Fußball-WM technisch noch einmal eine andere Dimension bedeuten würde. Wir haben unsere Kapazitäten gezielt darauf ausgerichtet und konnten dem ORF dadurch auch bei absoluten Rekordlasten eine stabile und verlässliche Streaming-Infrastruktur liefern", sagt Norbert Grill, CTO von Big Blue Marble.

Auch beim ORF sieht man die intensive Vorbereitung als entscheidenden Faktor für den reibungslosen Ablauf. "Große Live-Events stellen höchste Anforderungen an eine leistungsfähige technische Infrastruktur. Umso mehr freut es mich, dass die intensive Vorbereitung und die enge Zusammenarbeit zwischen ORF und Big Blue Marble die Grundlage für diese neuen Streaming-Rekorde geschaffen haben", erklärt Harald Kräuter, Direktor für Technik und Digitalisierung des ORF.

"Nächste Generation von Live Streaming Services"

Parallel zum laufenden Fußballturnier testete Big Blue Marble außerdem eine neue Streaming-Technologie, die künftig für deutlich geringere Verzögerungen sorgen soll. Gemeinsam mit dem französischen Streaming-Spezialisten Ateme läuft seit mehreren Monaten ein sogenannter Proof of Concept für das neue Übertragungsprotokoll Media over QUIC, kurz MoQ. Ziel ist es, Live-Streams nahezu ohne Zeitverzögerung über das Internet bereitzustellen und gleichzeitig eine hohe Bildqualität auch bei sehr vielen gleichzeitigen Zuschauern sicherzustellen.

Nach Angaben des Unternehmens zeigen erste Messungen bereits deutliche Vorteile. Die neue Plattform soll die Verzögerung gegenüber anderen österreichischen TV-Streaming-Angeboten um rund 20 bis 40 Sekunden reduzieren. In vielen Fällen sei das Signal sogar einige Sekunden schneller als klassische Übertragungen über Antenne oder Satellit. Dadurch könnten künftig auch neue Formen des Live-Erlebnisses möglich werden.

Denkbar sind etwa synchronisierte Watch-Partys, Second-Screen-Angebote mit Live-Statistiken oder interaktive Funktionen, bei denen alle Zuschauer das Geschehen nahezu zeitgleich verfolgen. "Mit dieser Initiative zeigen wir, wie Innovation, Cloud Technologien und Umsetzungserfahrung die nächste Generation von Live Streaming Services vorantreiben", sagt Krzysztof Bartkowski, CEO Streaming & Cloud Media bei Big Blue Marble.

"Ultra Low Latency Streaming bereits Realität"

Auch Johann Mika, Chief Innovation Officer des Unternehmens, sieht die Entwicklung als wichtigen Schritt. "Unser PoC zeigt, dass Ultra Low Latency Streaming bereits Realität ist. Wir liefern aktuell das schnellste Live Streaming Signal in Österreich und beweisen, dass internetbasierte Signalübertragung klassische OTT Dienste übertreffen kann." Damit die Ergebnisse möglichst aussagekräftig werden, sammelt Big Blue Marble während des gesamten Projekts laufend technische Messdaten.

Analysiert werden unter anderem die Verzögerung, die Stabilität der Verbindungen, die Auslastung der Infrastruktur und die Qualität des Streaming-Erlebnisses. Gleichzeitig schützt ein Cloud-basiertes DRM-System die Live-Streams vor unbefugtem Zugriff und Downloads. Unterstützt wird das Projekt von Ateme. Dessen Technologie soll zeigen, dass sich eine End-to-End-Latenz von unter einer Sekunde mit einer Videoqualität auf Broadcast-Niveau verbinden lässt. Dafür kommen der TITAN-Transcoder des Unternehmens sowie Open-Source-Komponenten des OpenMOQ-Konsortiums zum Einsatz.

Der Test soll noch mehrere Monate über das Ende des Turniers hinaus fortgesetzt werden. In dieser Zeit wollen Big Blue Marble und seine Partner weitere Erfahrungen sammeln und prüfen, wie sich die Technologie künftig bei großen Live-Übertragungen einsetzen lässt. Geplant ist außerdem, zusätzliche Cloud-Anbieter, Content-Delivery-Netzwerke, Technologieunternehmen und Medienhäuser in das Projekt einzubinden.

Bereits beim Eurovision Song Contest 2026 hatte Big Blue Marble gezeigt, welche Rolle moderne Cloud-Technik bei Großveranstaltungen spielt. Damals wurden mehr als 50 registrierte Public-Viewing-Veranstaltungen und insgesamt rund 80 unterschiedliche Empfänger gleichzeitig mit einem Live-Signal in Broadcast-Qualität versorgt. Für die Fußball-WM mussten die Systeme nun noch einmal deutlich höhere Lasten bewältigen – und erreichten dabei neue Rekordwerte.

{title && {title} } red, {title && {title} } 22.07.2026, 17:42