Datenschützer kritisieren Clubhouse massiv

Wer seine Freunde auf die App Clubhouse einladen möchte, muss seine gesamte Adressliste mit der US-Firma teilen. Kritik kommt von Datenschützern.

Die amerikanische App Clubhouse verzeichnet momentan einen rasanten Anstieg an Nutzerinnen und Nutzern. Wie CEO Paul Davison verkündet hat, trafen sich diesen Monat auf der App rund zwei Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer. Im Vergleich: Ende Dezember verzeichnete die App noch rund 600.000 User. Laut den Einschätzungen des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar verstößt die Applikation allerdings gegen europäisches Recht.

Insbesondere problematisch sei die App, was den Datenschutz angeht, berichtet das "Handelsblatt". So verlangt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) beispielsweise, dass solche Anwendungen klar einen Ansprechpartner für Datenschutzfragen deklarieren. Ein solcher ist bei Clubhouse aber nicht zu finden.

Ungefragt Daten weitergeben

Noch problematischer schätzen Experten die Tatsache ein, dass Nutzerinnen und Nutzer der App Zugriff auf ihre gesamte Kontaktliste gewähren müssen, wenn sie ihre Freunde und Bekannten zur App einladen wollen. Tatsächlich erlangt man bislang nur mittels Einladung Zugriff zur Plattform. Es ist also davon auszugehen, dass die App die Kontakte eines großen Teils ihrer Nutzerbasis kennt.

Darüber hinaus deklariert Clubhouse, eine Vielzahl an Daten über seine Nutzer zu sammeln. Dazu gehören beispielsweise die Telefonnummer, die Geräte, mit welchen die App benutzt wird und das Verhalten auf der Plattform. Wie und wofür diese Daten schließlich verwendet werden, lässt Clubhouse offen. Das Unternehmen hält sich außerdem die Möglichkeit offen, Mitschnitte von Gesprächen auf der Plattform anzufertigen. Den Usern selbst ist dies aber nicht erlaubt. Dafür heißt es in den AGB der App schlicht, dass die Nutzung des Services auf eigene Gefahr erfolge.

"Jeder Nutzer ist selbst verantwortlich"

Angesichts dieser unklaren AGB sei es umso bedenklicher, dass Nutzerinnen und Nutzer alle Kontakte mit der App teilen müssen, so Caspar zum «Handelsblatt». Denn dies führe dazu, dass die User die Daten von völlig unbeteiligten Personen mit einem amerikanischen Unternehmen teilen. Selbst wehren können sich diese Kontakte nicht. Sie sind völlig der Beurteilung Dritter ausgeliefert.

Caspar sagt dazu: "Hier ist am Ende jeder Nutzer dieser App selbst verantwortlich und sollte sich vorher überlegen, ob es in Ordnung ist, die Daten der Familie, Freunde, Bekannten und Geschäftspartner einfach so ins Blaue hinein wegzugeben zu einem Dienst, der offenkundig nicht in der Lage ist, die Vorgaben zum Schutz der Privatsphäre, wie sie in Europa gelten, einzuhalten".

Android-App in Arbeit

Bis anhin gibt es die Clubhouse-App nur für iPhones. Wie die Gründer der Plattform am Sonntag angekündigt haben, soll die Applikation aber bald auch auf Android-Smartphones laufen. Ab wann genau dies der Fall sein wird, ist noch nicht klar. Es dürfte aber noch eine Weile dauern, denn die Programmierung der Android-App befindet sich laut Davison noch in ihrem Anfangsstadium.

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