David Clay Diaz: Von der Berlinale zum "heute"-Inter...

David Clay Diaz ist ein österreichischer Filmemacher mit paraguayischen Wurzeln. Mit seinem Übungsfilm "Agonie" nahm er an der Berlinale 2016 teil. Im "heute.at"-Interview spricht Diaz über "Agonie", die ausverkauften Berlinale-Vorstellungen des Films und sein nächstes Projekt.

Wie schafft man es als junger Regisseur aus Österreich aufs internationale Parkett? Zum Beispiel, indem man einen Film dreht, der bei der Berlinale für ausverkaufte Kinosäle sorgt... Wir sprachen mit David Clay Diaz über seinen Festival-Beitrag "Agonie", seine Berlinale-Erlebnisse und anstehende Projekte.

David Clay Diaz wurde 1989 in Asunción (Paraguay) geboren. Er lebt in Wien, besucht derzeit allerdings die Hochschule für Fernsehen und Film in München. "Agonie" ist Diaz' Drittjahres-Übungsfilm, wurde auf der Berlinale 2016 in der Sparte "Perspektive deutsches Kino" gezeigt und als bester Erstlingsfilm nominiert.

"Agonie" handelt von einem jungen Mann, der seine Liebhaberin tötet und die Leiche zerstückelt. Kopf, Torso und Gliedmaßen werden in verschiedenen Müllcontainern in Wien verteilt gefunden. Über das Motiv herrscht völlige Unklarheit.

Um auch abseits der Berlinale in den Kinos starten zu können, benötigt "Agonie" noch Verleih und Vertrieb.

"heute.at": Herr Diaz, wie würden Sie ihren Film "Agonie" beschreiben?

David Clay Diaz: Agonie beschäftigt sich mit der Frage nach den möglichen Ursachen einer Gewalttat, ohne jedoch eine Antwort geben zu wollen, oder besser gesagt zu können. Der Film beobachtet die Lebensrealitäten zweier junger Männer, deren Lebensatmosphäre, ohne sie jemals zusammen zu bringen. 

Sie haben ja auch das Drehbuch von "Agonie" verfasst. Was hat Sie zu der Story inspiriert?

Inspiriert wurde ich von wahren Begebenheiten, habe mich aber von diesen bewusst distanziert und einen fiktiven Film gemacht, der Fallbeispiele abhandelt, die jederzeit und überall stattfinden könnten.

Wie schafft man es als junger Filmemacher auf die Berlinale?

Also der Weg war lange aber schön. Es wurde mir auch nicht einfach gemacht. Ich habe lange keine Produzenten gefunden, bis ich mich entschloss, den Film selbstständig zu produzieren. An der Filmakademie habe ich jedoch zumindest für den ersten Drehblock eine Studentin als Co-Produzentin gehabt. Ich hatte keine Fördergelder und habe den Film für ein sehr geringes Budget gestemmt. Wir haben mehrere Monate geschnitten und schlussendlich den Film bei der Berlinale eingereicht.

Und dann kam ein Mail, ein Anruf...?

Über die Einladung erfuhr ich auf sehr lustige Art und Weise: Ich saß grad im Sound Design in München und bekam eine Facebook Freundschaftsanfrage von Linda Söffker, der Leiterin der Sektion Perspektive Deutsches Kino, die ich prompt annahm und ich dachte mir: Wenn sie mir absagen will, stellt sie mir doch keine Freundschaftsanfrage, das wäre total fies. Und plötzlich schrieb sie mir sie sei total begeistert von dem Film, es sei mir ein "großer Wurf" gelungen. Von da an war klar, dass mein dritter Übungsfilm auf der Berlinale laufen wird.

Ihre Eindrücke der diesjährigen Berlinale?

Ein rauschendes Fest. Von einem Empfang zum nächsten. Von einem Film zum nächsten. Von einer Party zur nächsten. Wenig Schlaf, vermisst man aber auch nicht, wegen der Euphorie. Die Premiere war nach nicht einmal einer Minute online ausverkauft, kurz darauf auch die Wiederholungen. Bei der Premiere saßen Menschen im 500-Plätze-Kinosaal auf den Stufen. Die Resonanz war toll, viele Gratulationen und Glückwünsche, der Applaus war groß. Die Kritik in der Presse war auch sehr schön! Also ein wunderschöner Start. Die Berlinale gibt einem auch wirklich viel! Es gibt viele Anlässe zu Ehren der Filmemacher.

Haben Sie bereits weitere Projekte ins Auge gefasst?

Als nächstes werde ich meinen Debütfilm [Arbeitstitel: "Gracias a la vida", Anm.] drehen. Dieser wird auch in Wien spielen, aber voraussichtlich eine deutsch-österreichische Co-Produktion. Es ist ein sehr persönlicher, autobiographischer Film, so viel sei gesagt.

 

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