Intendant David Pountney verlässt die Bregenzer Festspiele und geht nach Cardiff. Am Samstag nutzte er sein Abschlusskonzert für bitterböse Seitenhiebe und eine urkomische Abrechnung mit Kollegen und dem Business. Pountneys Interpretation von Mozarts "Der Schauspieldirektor" erwies sich als absolut gelungene Festspiel-Satire. Pountney selbst schrieb den Text und seine Kollegen und Gegner mussten sich warm anziehen. Das Publikum applaudierte sich die Hände wund.
Intendant David Pountney verlässt die Bregenzer Festspiele und geht nach Cardiff. Am Samstag nutzte er sein Abschlusskonzert für bitterböse Seitenhiebe und eine urkomische Abrechnung mit Kollegen und dem Business. Pountneys Interpretation von Mozarts "Der Schauspieldirektor" erwies sich als absolut gelungene Festspiel-Satire. Pountney selbst schrieb den Text und seine Kollegen und Gegner mussten sich warm anziehen. Das Publikum applaudierte sich die Hände wund.
Es ging brav, aber gut los: Im ersten Teil des Konzerts spielte das Symphonieorchester Vorarlberg Nummern aus der "West Side Story". Damit begann auch die erste Festspiel-Saison von Pountney 2004.
Dann ging es aber richtig los: Pountney selbst brachte Mozarts "Der Schauspieldirektor" auf die Bühne. Die Musik-Komödie, die die Eitelkeit der Darsteller karikiert, wurde vom Intendanten persönlich inszeniert, und das mit mehr als einem Schuss (bösem) Humor.
Tolle Rollenvergabe: ORF-Redakteur, der Pountney parodierte, durfte ihn spielen
Schon die Auswahl des Intendanten zeugte von Selbstironie. Pountney verpflichtete ORF-Redakteur Rüdiger Wenk, der in der Radio-Comedy "Das Tagebuch des Pountendanten" den Briten wiederholt parodiert hatte. Der Auserwählte enttäuschte Pountney nicht. Wenks Darstellung riss das Publikum mit.
Pountney schrieb Text selbst und rechnete lustig ab
Pountney selbst machte sich über den Text her. Das Ergebnis war mit bissigen Seitenhieben auf die Festspiele, aber auch deren Publikum gespickt. Ein Beispiel: "Sie können spielen, was sie wollen, es muss immer Zauberflöte heißen", rät der Berater seinem Intendanten. Im Vorjahr war die Seebühne zu 100 Prozent ausgelastet als waren.
Rhomberg macht Bregenz zum 24. Wiener Bezirk
Dass Pountney Bregenz den Rücken kehrt, hatte der frühere Festspiel-Präsident mit eingeleitet, der nunmehr im Auftrag des Kulturministers interimistisch die Bundestheater-Holding leitet und - wie Pountney den "Schauspieldirektor" spotten ließ - Bregenz zum 24. Wiener Bezirk erklären wolle, um bei den Festspielen wieder das Sagen zu haben. Als neuer Intendant könnte sich dann jeder bewerben, solange er nur Rhomberg heiße.
Über Geyer: "Heutzutage geht man als guter Intendant, bevor man angefangen hat"
Eigentlich hätte Pountney ja "Theater an der Wien"-Intendant Geyer als Nachfolger bekommen sollen. Der zog zurück und bekommt jetzt die Häme seines Doch-Nicht-Vorgängers ab: "Heutzutage geht man als guter Intendant, bevor man angefangen hat." Da könne man nämlich auch nichts falsch machen. Ab 2015 das Sagen hat nun Elisabeth Sobotka, die bereits heute als "Schauspiel-Direktorin" auf der Bühne Pountneys Amt übernahm. Der scheidende Intendant, der in den Schluss-Sequenzen sich selbst spielte, begrüßte seine Nachfolgerin mit tiefer Verbeugung und Blumenstrauß.
Standing Ovations, Publikumsrekord, Ehrenzeichen des Landes
Keine Verbeugung, dafür minutenlange stehende Ovationen des Publikums im ausverkaufen Festspielhaus gab es für Pountney nach dem Abschlusskonzert der Festspiele. Eigentlich gehen die Festspiele () erst am Montag mit der letzten Seebühnen-Aufführung 2014 mit einem Publikumsrekord zu Ende. Landeshauptmann Markus Wallner überreichte dem "großen Magier der Bregenzer Festspiele" das "Silberne Ehrenzeichen des Landes".
APA/red.