Debakel: Ein Viertel der Lehrlinge rasselte durch!

Alarm in unseren Berufsschulen: Im Jahr 2016 fielen zum sechsten Mal in Folge mehr Lehrlinge bei der Abschlussprüfung durch.
Gähnende Leere bei der Lehre. Zumindest, was den Erfolg der Auszubildenden betrifft – das legt zumindest der von der Wiener Wirtschaftskammer nun veröffentlichte Lehrlingsbericht für 2016 nahe. Er birgt brisantes Zahlenmaterial.

Wie in jedem vorangegangem Jahr seit 2011 sind bei der Lehrabschlussprüfung erneut wieder mehr Prüflinge durchgefallen. Spitzenreiter sind Tirol (24,71 Prozent), Wien (23,17 Prozent) und Oberösterreich (21,5 Prozent). Hier konnten jeweils knapp ein Viertel der Lehrlinge ihre Berufsbildung nicht erfolgreich abschließen. Löbliche Ausnahme ist Kärnten: Hier bestanden bis auf 15 Prozent alle. Apropos: In 167 unterschiedlichen Sparten wurden zuletzt Prüfungen abgelegt.

Gewerkschaft empört

ÖGB-Jugendsekretär Sumit Kumar reagiert auf die weitgehend desaströsen Zahlen mit Verärgerung. "Es ist wirklich schlimm, dass 23 Prozent der 8.295 Lehrlinge in Wien die Prüfung nicht bestanden haben", sagt Kumar. Der Experte fragt sich: "Wie kann es bitteschön sein, dass jemand drei oder vier Jahre lang in einem Betrieb ausgebildet wird und keiner auf die Defizite aufmerksam wird."

Kaffee kochen, Kopieren, Aufkehren

"Die Jugendliche sollen von ihren Betrieben nicht einfach nur als billige Arbeitskräfte missbraucht werden, sondern ihren Beruf ordentlich erlernen können. Tätigkeiten wie Kaffe kochen, Kopieren oder Aufkehren gehören definitiv nicht dazu", erklärt Kumar, der regelmäßig in Betrieben zu Gast ist. Er weiß: "Leider zählen diese berufsfremden Tätigkeiten oft Tag für Tag zur gelebten Praxis."

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Ins Auge springt auch, dass Lehren vor allem bei jungen Männern beliebt sind. Im Vorjahr waren 62 Prozent der Lehrlinge männlich, der traditionell ohnehin schon niedrigere Frauenanteil sank nochmals um 1,7 Prozent.

ÖGB-Jugendsekretär Sumit Kumar fordert Konsequenzen: "Die Betriebe sollten Jugendliche nicht bloß als billige Arbeitskräfte sehen, sondern anständig ausbilden."
ÖGB-Jugendsekretär Sumit Kumar fordert Konsequenzen: "Die Betriebe sollten Jugendliche nicht bloß als billige Arbeitskräfte sehen, sondern anständig ausbilden."
Männer mögen Technik, Frauen Dienstleistungbereich

Weitere Details aus dem Dossier der Wirtschaftskammer: Während sich Frauen fur Berufe im Dienstleistungsbereich entscheiden, wählen männliche Lehrlinge meistens Lehren im technischen Bereich. Bei den Burschen fuhrt der Sektor „Einzelhandel" mit einem Anteil von 20,2 % – gemessen an der Gesamtzahl der männlichen Lehrlinge vor „Elektrotechnik" (16,9 %) und „Kraftfahrzeugtechnik" (14,0 %). Mehr als ein Viertel der weiblichen Jugendlichen wählten "Burokauffrau" (27,2 %) und „Einzelhandel" (25,5 %), 16,4 % entschieden sich fur den Lehrberuf „Friseurin und Peruckenmacherin (Stylistin)".

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