Inselfreunde, Liebe, Mut und Pasteten ohne Pathos

Ein historisches Kostümdrama ohne viel Drama, dafür mit tollen Kostümen, eine Romanze ohne Kitsch: "Deine Juliet", ein Perle aus englischen Gewässern.
Juliet (Lily James) erscheint ihr Erfolg als Autorin fast wie ein Traum. Zu genau kann sie sich noch an die Bomben und den (2. Welt-)Krieg erinnern, der erst ein Jahr her ist. Daran ändert auch der reiche Amerikaner Mark Reynolds (Glen Powell) nichts, der sie in laute Tanzlokale und die glitzernden Ballsäle der Society ausführt.

Ein Buchclub lockt sie aufs nächste Postboot

Als Juliet einen Brief vom Schweinebauern Dawsey Adams (Michiel Huisman) bekommt, der ihr von einem Buchclub erzählt, den einige Einwohner der Kanalinsel Guernsey während der deutschen Besatzung gründeten, steigt Juliet aufs nächste Postboot, um einen Artikel darüber zu schreiben.

Ein tragisches Geheimnis aus dem Krieg

Vor Ort kommt die elegante Londonerin schnell drauf, dass hinter dem Buchclub mehr steckt als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Die Gründerin Elizabeth McKenna (Jessica Brown Findlay) ist verschwunden und die anderen Mitglieder wollen nicht darüber sprechen.

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Ein Schwein mit tragischen Folgen

Der Club wurde aus Not gegründet, weil die englischen Nachbarn nicht verraten wollten, dass sie ein Schwein, statt es an die Nazis abzuliefern, lieber gebraten, in der Nacht gegessen und sich dazu einen zu viel hinter die Binde gekippt hatten. Doch bei dem einen Widerstand im Kleinen blieb es nicht - mit tragischen Folgen.

Der Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf wurde im Krieg gegründet - um ein gebratenes Schwein vor den Nazis zu verheimlichen
Der Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf wurde im Krieg gegründet - um ein gebratenes Schwein vor den Nazis zu verheimlichen
Obwohl die Gemeinschaft Juliet gegenüber alles andere als mitteilsam ist, ist sie von den Leuten, deren Geschichte und Gemeinschaft - und vom Schweinebauern Dawsey fasziniert.

Das Leben auf der Insel erscheint der jungen Autorin, die selbst ihre Eltern durch eine Bombe verlor, realer als das glitzernde Leben zuhause - und ihr brandneuer Verlobter mit all seinem Geld.

Trailer: "Deine Juliet"

Deine Juliet
Deine Juliet


Toller Cast triumphiert über schlechte Vorzeichen

Die Verfilmung von "Deine Juliet" erfüllte alle Voraussetzungen, um zu scheitern. Das Projekt wechselte mehrmals Regisseur (u.a. Kenneth Branagh) und Hauptdarsteller (u.a. Kate Winslet sowie Rosamund Pike als Juliet). Schlussendlich nahm Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") am Regiesessel Platz und versammelte einen großartigen Cast, gerade in den Nebenrollen (die Buchclub-Senioren Penelope Wilton und Tom Courtenay sowie Literaturagent Matthew Goode) um sich. Newell hielt sich bei der filmischen Umsetzung eng an die Buchvorlage.

Unaufgeregt statt hysterisch ...

"Deine Juliet" behandelt tragische und dramatische Themen wie Kriegsgräuel, Verrat unter der deutschen Besatzung sowie im Krieg verstorbene Familienmitglieder und Freunde. Dabei bleibt der Film, wie man sich die Bevölkerung der Kanalinseln vorstellt: unaufgeregt, gelassen und mit großer innerer Stärke.

... herzerwärmend statt schwülstig

Trotz idyllisch-dramatischer Settings, um das ihn selbst Rosamunde Pilcher beneiden würde (gedreht wurde nicht auf Guernsey, sondern in North Devon), tappt "Deine Juliet" nicht in die Kitschfalle. Statt schwülstiger Szenen kommt die aufkeimende Romanze mit wenigen Blicken und zaghaften Berührungen aus. Die traumatischen Erlebnisse werden ohne großem Drama geschildert. Trotzdem kommt beim 124 Minuten langen Film keine Langeweile auf.

Besonders erwähnenswert ist Charlotte Walter, die sich bei den Kostümen selbst übertroffen hat. Lily James strahlt mit ihrem eleganten 40er-Jahre-Stil.

Lebenstraum: "Ein Buch schreiben, das jemandem so gefiel, dass er es verlegen wollte"

Mary Ann Shaffer, die Autorin der Buchvorlage arbeitete ihr ganzes Leben lang im Buchhandel und im Verlagswesen. Ihr Lebenstraum war es jedoch "ein Buch zu schreiben, das jemandem so gefiel, dass er es verlegen wollte". Shaffer recherchierte über das Leben von Kathleen Scott, der Frau des englischen Polarforschers Robert Falcon Scott, ließ aber enttäuscht von dem Projekt ab. Auf der Kanalinsel Guernsey wollte sie sich auf andere Gedanken bringen - und saß prompt fest, weil der Flughafen wegen Schlechtwetters tagelang gesperrt blieb. Aus Not las sie einige Bücher über die deutsche Besatzung vor Ort - und kam auf die Idee "Dear Juliet" (im Original: "The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society") zu schreiben.

Tragischer als im Film

Das Manuskript wurde akzeptiert, der Verlag wollte allerdings umfangreiche Änderungen. Mary Ann Shaffer, mit deren Gesundheit es stark bergab ging, bat ihre Nichte um Hilfe, die ihr half, das Buch fertig zu stellen. Am 16. Februar 2008 starb Shaffer, kurz danach erschien ihr Buch. Noch im gleichen Jahr zeichnete es die "Washington Post" als Bestes Buch des Jahres aus. Es wurde ein internationaler Erfolg, 2009 führte es für elf Wochen die New York Times Best Seller Liste an.

(lam)

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