Demonstrant stürzt von Dach und stirbt

In Hongkong sind am Sonntag erneut zehntausende Menschen gegen das umstrittene Auslieferungsgesetz auf die Straße gegangen. Am Samstag starb ein Demonstrant bei einem Unfall.
Die schwarz gekleideten Demonstranten zogen am Sonntag wie bereits eine Woche zuvor von einem Park zum Stadtparlament.

Die Demonstrationen richten sich gegen ein Gesetzesvorhaben, das Auslieferungen auch an Festland-China vorsieht. Kritiker fürchten, dass bei einer Verabschiedung des Gesetzes auch Dissidenten vor chinesische Gerichte gestellt werden könnten.

Ein Leser-Reporter, der für eine Woche vor Ort weilt, beschreibt die Situation als mehrheitlich friedlich:" Man sieht Junge, Alte und Familien mit Kleinkindern. Sogar westliche Leute sind dabei. Aber der öffentliche Verkehr ist natürlich eingeschränkt."

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Pläne vorerst auf Eis gelegt

Zwar machte Hongkongs pekingtreue Regierungschefin Carrie Lam am Samstag angesichts der tagelangen Proteste einen Rückzieher und legte das Gesetzesvorhaben auf Eis, die Demonstranten fordern aber, dass die Pläne vollständig aufgegeben werden.



Ein Rettungswagen bahnt sich einen Weg durch Tausende schwarzgekleidete Demonstranten in Hongkong am 16. Juni 2019. (Bild: picturedesk.com/AFP/Hector Retamal)

Aus Protest gegen das umstrittene Vorhaben hatte es in den vergangenen Tagen beispiellose Massenproteste und die schwersten politischen Unruhen seit der Übergabe der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong an China 1997 gegeben. Knapp 80 Menschen wurden verletzt, darunter 22 Polizisten. Am Samstag starb ein Demonstrant, der stundenlang auf dem Dach eines Gebäudes gegen das Auslieferungsgesetz demonstriert hatte und dann hinuntergestürzt war.

"Carrie Lams Reaktion ist unaufrichtig"

"Weg mit dem schlimmen Gesetz", skandierten die Demonstranten nun bei ihrem Protestmarsch am Sonntag. "Ihr sollt uns schützen, nicht auf uns schießen", war auf einem Spruchband zu lesen.



Lams Entscheidung habe den Ärger der Bevölkerung "in keiner Weise" abgemildert, sagte Jimmy Sham von der Civil Human Rights Front (CHRF), der größten Protestgruppe. Er verglich Lams Vorgehen mit einem "Messer", das in die Stadt gerammt worden sei.

"Carrie Lams Reaktion ist unaufrichtig", sagte der Demonstrant Terence Shek, der mit seinen Kindern zu der Protestaktion gekommen war. "Weil ich weiß, dass die Regierung das Gesetz nicht zurückzieht, habe ich entschieden, heute zu kommen."



Demonstranten halten Mahnwache für ihren am 15. Juni in den Tod gestürzten Kameraden. (Bild: picturedesk.com/AFP/Dale de la Rey)

"Die Aussetzung des Auslieferungsgesetzes bedeutet nur, dass Carrie Lam es jederzeit wiederbeleben kann", sagte auch der Aktivist Lee Cheuk Yan.

Vor der Pacific Place Mall bildeten sich am Sonntag lange Schlangen von Protestteilnehmern mit Blumen im Gedenken an den am Samstag ums Leben gekommenen Demonstranten.

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(rab)

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