Demos: 750 Metaller marschieren vor ihre Firma

Wirbel herrscht vor der vierten Verhandlungsrunde am 22. Oktober. Hintergrund: Der Fachverband FMMI hatte nach drei Runden ein Angebot gelegt, das deutlich unter der durchschnittlichen Inflationsrate 2013 liegt und eine reale Lohn-und Gehaltskürzung bedeutet.

Am Montag haben mehrere hundert Arbeitnehmer an Betriebsstandorten in Weiz, Hohenems und Wolkersdorf für "Verhandlungen auf Augenhöhe" und einen besseren KV-Abschluss demonstriert.

750 Demonstranten marschieren zur Firma

Im oststeirischen Weiz hatten sich Montagvormittag nach ÖGB-Angaben rund 750 Demonstranten am Hauptplatz versammelt, auch aus Kärnten und dem Burgenland kamen Teilnehmer mit Bussen angereist. Nach den Reden der regionalen Gewerkschaftsspitzen setzte sich der Zug zur Firma Mosdorfer in Bewegung. Dieses Ziel wurde deshalb ausgewählt, weil Chefverhandler und Fachverbandsobmann Christian Knill geschäftsführender Gesellschafter der Knill-Mosdorfer-Gruppe ist. Dort ergriff zum Schluss Arbeitnehmer-Verhandler Rainer Wimmer (Pro-Ge) das Wort.

Arbeitgeber finden das "letztklassig"

Knill sieht die Demo vor seiner Firma sehr kritisch: "Wir sind die Machtdemonstrationen der Gewerkschaften gewohnt, akzeptabel finde ich sie in dieser persönlichen Form nicht." Es sei zwar völlig in Ordnung, Betriebsversammlungen abzuhalten, die Gewerkschafter könnten auch gerne Beitrittsformulare zur Mitgliederwerbung verteilen - "aber es werden uns Dinge unterstellt, die wir nie gesagt haben", so Knill. Dass Arbeitgeber-Verhandler nun "persönlich bei ihren Betrieben unter Druck gesetzt werden, ist letztklassig und bricht mit jeder Tradition der Sozialpartnerschaft".

Keine Anpassung der Mindestlöhne

Während es in den anderen Fachverbänden in den ersten Runden wenigstens eine Einigung über die Teuerungsrate gegeben hat, gab es beim FMMI keine Annäherung. Die Arbeitgeber hatten nach drei Runden ein Angebot über 2,0 Prozent (maximal 70 Euro) gelegt, Mindestlöhne und Mindestgrundgehälter, Zulagen und Aufwandsentschädigungen sollen nicht erhöht werden. Von Gewerkschaftsseite wurde das Angebot als deutlich unter der durchschnittlichen Inflationsrate 2013 zurückgewiesen.

"Dies würde eine reale Lohn-und Gehaltskürzung bedeuten. Die Weigerung, die Mindestlöhne und Mindestgrundgehälter zu erhöhen, ist überhaupt einmalig", so die beiden Verhandler der Gewerkschaften, Wimmer und Karl Proyer (GPA). Zudem wurde kritisiert, dass das Arbeitgeber-Angebot an die Bedingung eines Zeitkontos geknüpft sei. Mehrarbeitsstunden sollen ohne jeglichen Zuschlag auf das Konto verbucht werden, und im Kollektivvertrag soll es keine Begrenzung des Durchrechnungszeitraumes geben.

Mindestens 3,4% mehr

Die Gewerkschaften fordern weiterhin 100 Euro, aber mindestens 3,4 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Nach Betriebsversammlungen wurde nun zu Kundgebungen aufgerufen. Sollten die Arbeitgeber am Dienstag nicht einlenken, sehe man sich gezwungen, den Druck weiter zu erhöhen. "Es können die Kampfmaßnahmen verschärft werden", hieß es in Weiz.

Dahingehend appellierte der FMMI an die Gewerkschaften "anstelle von Drohgebärden Verantwortungsbewusstsein zu zeigen und sich mit der Realität in den Betrieben auseinanderzusetzen".

Sinkende Aufträge

Die Branche rechnet laut den Arbeitgebern etwa für heuer mit "über 280 Mio. Euro an Ertragsausfällen aufgrund sinkender Aufträge". Aufgrund hoher Steuern und Lohnnebenkosten verdiene zudem "vor allem der Staat, während dem Arbeitnehmer im Schnitt weniger als die Hälfte übrig bleibt". Die Mindestlohndebatte betreffe die Branche nicht. "Die KV-Einstiegsgehälter in der Metallindustrie liegen mit 1.636 Euro brutto schon weit darüber und auch deutlich über jenen anderer Branchen."

Unter anderem verweisen die Arbeitgeber auch noch auf die "traditionelle Benya-Formel": Berechne man den KV heute nach dieser Formel und lege dabei die September-Inflationsrate an, "käme man auf eine rechnerische Erhöhung um 1,6 Prozent". Mit der Jahresinflationsrate ergebe sich eine Lohnerhöhung über 1,9 Prozent. Die Forderungen der Gewerkschaften aber, "würden Erhöhungen von bis zu 6 Prozent bedeuten", kritisieren die Arbeitgeber.

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