Der Balkan hat seinen letzten König verloren

Der tödliche Unfall von Šaban Šaulic schockte die Menschen über die Grenzen des ehemaligen Jugoslawiens hinweg.
Er war mit Abstand der Größte. Da gibt es keinen Zweifel. Nicht umsonst wurde er am Balkan als "König des Folks" bezeichnet. Doch in Wahrheit war er mehr als "nur" der beste Musiker des ehemaligen Jugoslawiens.



Der Name Šaban Šaulicwar weit über die Grenzen Serbiens hinaus bekannt. Nicht nur in Kroatien, Mazedonien und Bosnien genoss er Helden-Status. Auch in Deutschland und Österreich wurde der Sänger gefeiert. Das beweisen nicht nur seine Konzerte, die er fast in ganz Europa gespielt hatte, sondern auch die Reaktionen der "Heute"-Leser. Es passiert selten, dass der Tod einer Person des öffentlichen Lebens aus dem Ausland solche Wellen schlägt. Šaban Šaulic löste einen Tsunami aus.

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Der Volksmusiker schaffte auch etwas, was sonst nur selten Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien gelingt: Er vereinte den Balkan. Man muss sich nichts vormachen, auch heute existiert noch einiges Konfliktpotenzial zwischen den Staaten. Besonders die Jüngeren wissen gar nicht mehr, worauf diese Ablehnung gegenüber den anderen Ländern eigentlich basiert.

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Šabans Musik ließ sie die Konflikte aber für einige Momente lang vergessen. Wenn er über gebrochene Herzen und verflossene Liebschaften schmachtete, dann lagen sich alle in den Armen. Man sang, tanzte, lachte und weinte gemeinsam. Die Lieder bewegten die Seele eines jeden Menschen. Bei Šabans Musik war die Herkunft egal.



Einige wissen vielleicht gar nicht, dass die musikalische Karriere bei dem Serben nie im Vordergrund stand. Als Bursch träumte er davon, einmal Boxer oder Fußballer zu werden. Doch Šaban Šaulic war für etwas ganz anderes bestimmt. In einem Interview erzählte er: "Ich erinnere mich, dass ich einmal an einer 'Kafana' (Bar) vorbeiging. Mein Onkel kam von drinnen und zerrte mich rein. Er wollte unbedingt, dass ich etwas singe."

Šaban hatte gar keine Lust darauf. Er sprach davon, dass er plötzlich einen trockenen Hals bekomme habe. Aber seinem Onkel den Wunsch ausschlagen wollte er auch nicht. Er meinte scherzhaft: "Sonst hätte ich eine Watschn bekommen." Also begann er einfach zu singen. Die Leute auf der Straße blieben stehen, hörten zu. Der Rest ist Geschichte.

Šaban Šaulic lieferte einen Hit nach dem anderen. Nach "Dajte mi utjehu" ("Tröste mich"), "Kraljica srca moga" ("Königin meines Herzens" und "Dodji da ostarimo zajedno" ("Lass uns gemeinsam alt werden") wurde er zur lebenden Legende erklärt. Es gibt wohl keinen Balkaner, der nicht auf Knopfdruck ein riesengroßes Repertoire an Šaban-Songs vorsingen könnte. Ein perfekter Test übrigens, um herauszufinden, ob man es wirklich mit einem Jugo zu tun hat. Einfach mal nach den Lieblingsliedern fragen. Ist keiner von Šaban dabei, dann handelt es sich bei dem Gesprächspartner definitiv um einen Betrüger. Ganz sicher!



Wie sehr die Menschen der plötzliche Tod des Musikers trifft zeigt auch der letzte Instagram-Post des Sängers. Obwohl der Sänger nur 40.000 Follower zählt, bekam das letzte Bild über 80.000 Likes.

Der König ist tot. Aber seine Musik wird wohl für immer in den Herzen der Fans bleiben.

>>>> Zu den weiteren Folgen des Balkan-Blogs geht es hier. (red)
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