Ein Film so spannend wie ein Gesetzestext

Junger Anwalt + schweigender Mörder + mysteriöse Vergangenheit = vorhersehbarer Gerichtsfilm.
Der pensionierte Gastarbeiter Fabrizio Collini (Franco Nero) tötet den Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in seiner Hotelsuite mit drei Schüssen in den Kopf, dann setzt er sich blutbespritzt in die Lobby, um auf die Exekutive zu warten.

Dem Mörder wird Pflichtverteidiger Caspar Leinen (Elyas M'Barek), frisch von der Uni und noch völlig grün hinter den Ohren, zur Seite gestellt. Zu spät entdeckt der Bursche, dass er das Opfer kannte: Meyers gibt es ja in Deutschland viele, und Hans hat überdies Jean-Baptiste in seinem Taufschein stehen.

Caspar will das Mandat daraufhin niederlegen. Nicht zuletzt, weil seine Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) darauf drängt. Doch sein alter Professor Richard Mattinger (grauslich schmierig, mit Sonnenbank-Teint und Haartolle: Heiner Lauterbach), den Johanna als Anwalt engagiert hat, überzeugt Caspar, seine Pflicht wahrzunehmen. Justitia ist schließlich blind und schert sich nicht um persönliche Zwickmühlen.

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Ein Motiv will ausgegraben werden



Der Prozess gestaltet sich schwierig, da Collini eisern schweigt. Dass ihm eine lebenslange Haft blüht, ist ihm herzlich egal. Leidend sitzt er in seiner Zelle, reumütig ist er aber keineswegs. Erst als Caspar die schwierige Beziehung zu seinem Vater andeutet, beginnt der Angeklagte aufzutauen.

Spätestens hier dürfte selbst den unerfahrensten Gerichtskrimi-Neulingen klar werden, dass sich das Motiv für Collinis Tat in der Vergangenheit verbirgt. Eine tollpatschige Rückblende, in der ein böses Wort mit Nazi-Bezug fällt, hat da bereits verraten, wie viele Jahre Caspar zurückgehen muss, um die Wahrheit zu erfahren.

Der Trailer von "Der Fall Collini":



Der Fall Collini
Der Fall Collini


Vorhersehbar



Offensichtlicher kann eine Brotkrumenspur kaum gelegt werden. Konservativer lässt sich ein Gerichtsthriller kaum erzählen. Der "Fall Collini" erweist sich dadurch als äußerst vorhersehbar, sprich durch und durch unspannend.

Dass der geradlinige, schnörkellose Narrativ zum Stil des Schriftstellers und Juristen Ferdinand von Schirach passt, auf dessen Romanvorlage der Film basiert, kann man positiv sehen, muss man aber nicht. Auf Buchseiten mag das eine ganz eigene Anziehungskraft entwickeln, auf der Leinwand geht es aber nicht mal als "Oldschool" durch.

Bewegendes Finale als Pluspunkt



"Der Fall Collini" nimmt sich eines wichtigen Themas an und punktet letztendlich mit einem bewegenden Finale. Der Rest aber ist mühsames Gerichtsfilm-Einmaleins. Die schauspielerische Leistung geht in Ordnung. Nach der Chemie zwischen M'Barek und seinen Co-Stars Nero, Lauterbach und Lara sucht man jedoch vergeblich.

Fazit:



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"Der Fall Collini" startet am 18. April 2019 in den österreichischen Kinos.

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Kritik/RezensionKinoFilmElyas M'Barek

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