Brutaler Ex stalkt Frau: Fesselndes Austro-Drama

"Der Taucher" erzählt von der Wienerin Irene, die auf Ibiza auf ihren gewalttätigen Ex-Mann trifft.
Erdrückend, erschreckend und schockierend – so lässt sich der neue Film mit Austro-Star Franziska Weisz beschreiben. Nein, "Der Taucher" ist kein 0815-Gewaltdrama.

Hier geht es um den gewalttätigen Ex-Mann (Alex Brendemühl) gegen den Irene (Franziska Weisz) schon vor Jahren Anzeige wegen Körperverletzung erstattet hat. Eigentlich machte sich die Wienerin keine Sorgen mehr, doch dann kehrt er kurz vor dem Prozess mit seinem psychisch labilen Sohn Robert (Dominic Marcus Singer) zurück nach Ibiza. An jenen Ort, an dem Irene ihn kennengelernt hat. Paul beginnt, sie wieder mit Anrufen zu belästigen, und irgendwann trifft sie ihn mitten auf der Straße wieder.

Dass sie ihn jetzt vor Gericht zerren will und damit seine große Karriere als Komponist und Saxophonist in Gefahr bringt, passt ihm so gar nicht. Mit allen Mitteln versucht er sie dazu zu bringen, ihre Anzeige zurückzuziehen. Irene hat Angst, sie ertränkt ihren Kummer in Alkohol. Gemeinsam mit Robert versucht Irenes 18-jährige Tochter Lena (Julia Franz Richter), Paul an einem weiteren Gewaltausbruch zu hindern – mit fatalen Folgen.

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Kein 0815-Gewaltdrama

Im Gegensatz zu vielen anderen Gewaltdramen geht es hier um eine ganz gewöhnliche österreichische Verkäuferin, die von ihrem zunächst scheinbar harmlosen Ex-Mann gestalkt, gedemütigt und schließlich geschlagen wird. Gewalt an Frauen passiert überall. Alleine in Österreich wird täglich eine von fünf Frauen Opfer von Gewalt.

Gleichzeitig zeigt das Drama auf, wie schwierig es oft ist, sich gegen jemanden zu wehren, den man einst geliebt hat oder noch immer liebt. "Er meint es nicht so" oder "Vielleicht hat er sich geändert", sind Gedanken, die möglicherweise auch dem Zuseher trotz der Vorgeschichte – die wir in dem Film nur erzählt, aber nie zu sehen bekommen – durch den Kopf gehen.

Und manchmal glaubt man als Zuschauer tatsächlich, Paul habe sich geändert, denn am Anfang des Dramas wirkt er nicht wie der gewalttätige Ehemann. Die Ausgangssituation ist hier ganz bewusst eine andere und genau das hebt den Film von anderen Gewaltdramen ab.

Großartiges Drehbuch, authentische Schauspieler

Neben der ausgezeichneten Regie (Günter Schwaiger) und dem brillanten Drehbuch ist hier die außerordentlich gute Leistung des Casts zu erwähnen. Insbesondere Franziska Weisz glänzt in ihrer Rolle als Irene.

Jede einzelne Sekunde im Film fühlt man mit ihr mit. Fantastisch spielt auch Alex Brendemühl in seiner Rolle als psychopathischer Ex-Mann. Wenn er Irene auflauert und ihr droht, sie umzubringen, bleibt dem Zuschauer fast das Herz stehen.

"Der Taucher" ist sicherlich keine leichte Kost, aber unglaublich ergreifend und erschütternd. Ein Film über ein Thema, das leider niemals an Aktualität verliert, und einen Auslands-Oscar mehr als verdient hätte.



"Der Taucher" startet am 29. November in den österreichischen Kinos.


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