Österreich

Der tiefe Fall eines Chefinspektors

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:36

Chefinspektor Franz Pripfl (54) zählte einst zu den besten Fahndern Wiens: Er fasste die Lainzer Mordschwestern, den Saliera-Dieb und überführte einen ORF-Regisseur als Killer. Dann kam er der Unterwelt zu nahe und wurde selbst verurteilt. Heute ist der frühere Top-Cop Zeuge in einem Strafprozess, der seinen Ruf endgültig ruiniert.

Heuer am 5. Mai ist der frühere Spitzencop Franz Pripfl (54) nur knapp mit dem Leben davongekommen. Aber es war keine Amtshandlung, bei der er von Maskierten so furchtbar verprügelt wurde, dass er Brüche einer Augenhöhle, der Nase und mehrerer Rippen erlitt. Der Ex-Cop hatte die 50-jährige Russin Olga K. privat aufgesucht, um die Zahlung von Schulden bei ihm und anderen einzufordern.

Weil Pripfl dabei mit Unterweltlern gedroht und wahnwitzige Zinsen verlangt haben soll (es gilt die Unschuldsvermutung), suchte Schuldnerin Olga Hilfe bei ihrem Freund Peter H. (33). Und der kannte Schläger, die Pripfl eine "Abreibung" verpassten. Danach gelang ihnen die Flucht. Heute sitzen Olga K. und Peter H. auf der Anklagebank.

Das größte Interesse aber gilt Opfer Franz Pripfl, der als Zeuge geladen ist. Denn: Wie kommt ein Ex-Ermittler zu unsauberen Geschäften im Milieu, zu verpfändetem Schmuck und Darlehen mit 1500 Prozent Zinsen? Mögliche Antwort: Pripfl wurde heuer in erster Instanz zu 18 Monaten bedingt verurteilt, weil er mit Rotlicht-Capos verhabert gewesen sein soll (Amtsmissbrauch). Seither ist er nicht mehr Polizist. Aber wie’s aussieht, ist sein Fall noch nicht zu Ende.

Wolfgang Höllrigl

Jetzt E-Paper lesen