Revolte gegen Banker und andere Gangster

Die Krimi-Komödie "Der unverhoffte Charme des Geldes" plantscht in den Untiefen des Finanzwesens.
Was tun, wenn dir zwei Sporttaschen voller Geld in die Hände fallen? Kaufst du dir einen Ferrari und ein Häuschen im Grünen, klopfen bald Polizei und Steuerbehörde an deine Tür. Vergräbst du sie im Garten, bist du nur einen neugierigen Nachbarn vom Knast entfernt. Und vom Ausgeben kann gar erst recht keine Rede sein.

Der Auslieferungsfahrer Pierre-Paul (Alexandre Landry), Zeuge und Nutznießer eines misslungenen Mafia-Raubzugs, geht die Sache schon cleverer an. Er bittet den frisch aus der Haft entlassenen Geldwäscher Bigras (Rémy Girard) um Hilfe, der ihm nach kurzem Zögern auch tatsächlich seine Unterstützung zusichert. Die Dritte im Bunde ist das Nobel-Callgirl Aspasie (Maripier Morin) – der einzige Luxus, den sich Pierre-Paul mit seinem neuen Reichtum geleistet hat.

Der Trailer von "Der unverhoffte Charme des Geldes:



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Der unverhoffte Charme des Geldes
Der unverhoffte Charme des Geldes


Einmal anders



Klingt nach einem vorhersehbaren Komödien-Plot, ist es aber nicht. Keiner der drei Protagonisten ist daran interessiert, sich das Geld unter den Nagel zu reißen. Bigras' Herz schlägt für "Finance", Aspasie wünscht sich im Grunde nur ein glückliches Leben abseits der Prostitution, und Pierre-Paul, ein Philosophie-Doktor und Kapitalismus-Gegner, will die Welt einfach ein bisschen besser machen.

Dass ihm lediglich ein aalglatter Banker (Pierre Curzi) dazu verhelfen kann, ist eine Ironie des Schicksals. Zumindest landet auch der Steuerparadies-Experte im Visier der Polizei, die sich mit der Mafia einen Wettlauf um die Sicherstellung der gestohlenen Millionen liefert.

Happy-Ends gibt es nicht mehr



"Der unverhoffte Charme des Geldes" heißt eigentlich "Der Untergang des amerikanischen Imperiums" (so die Übersetzung des kanadisch-französischen Originaltitels) und stammt von Denys Arcand. Der hatte 2004 mit "Die Invasion der Barbaren" den Auslandsoscar nach Kanada geholt. Schon damals fand er den richtigen Mix zwischen massentauglicher Unterhaltung und sozialkritischem Biss.

In Arcands neuestem Werk geht es um die Sprache des Geldes. Wer hat die flinkeste Zunge, wer die größte Schlagfertigkeit? Wer wird ausgegrenzt, wer muss unter dem Joch der Muttersprachler leiden? Und wie kann man den plappernden Bankern (oder waren es andere Gangster?) einmal so richtig ins Wort fallen?

Eingebettet ist das Ganze in eine vielleicht nicht mitreißende, aber erfrischend unkonventionelle Krimi-Komödie. Die Guten und die Bösen gibt es hier nicht, nur die Sympathischen und die Unsympathischen – und statt eines Happy-Ends (ein Ding der Unmöglichkeit wenn es um Wirtschaft und Bankwesen geht) immerhin einen befriedigenden Teilerfolg.

"Der unverhoffte Charme des Geldes" startet am 9. August 2019 in den österreichischen Kinos. (lfd)

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