Physiker entkräftet Zehn-Prozent-Mythos

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Wir benutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns, so heißt es. Doch warum eigentlich? Ein deutscher Physiker ist überzeugt: Das ist nur ein Gerücht.

Motivationsgurus leben von dem Mythos, der sich seit Jahrzehnten hartnäckig hält, der Mensch würde nur zehn Prozent seines Gehirns aktiv nutzen. Doch diese Behauptung ist falsch und entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.

Wie der Physiker und Wissenschaftserklärer Florian Aigner weiß und auf Businessinsiderdarüber aufklärt, gab es dafür nie Beweise. Albert Einstein wird als Urheber für diese These gerne herangenommen und zitiert, obwohl er selbst nie etwas Dementsprechendes behauptet hätte. Demnach nutzen wir nach neuestem Stand der Wissenschaft weit mehr als zehn Prozent unseres Gehirns.

Mittlerweile kann man dem Gehirn mit der Hilfe modernster Technik bei der Arbeit zuschauen, wie bei der Magnetresonanztomographie. Man sieht, wie besonders aktive Hirnareale stärker durchblutet werden.

Wie der Wissenschaftler betont, heißt das jedoch nicht, dass der Rest unseres Gehirns einstweilen vollkommen inaktiv ist und schon gar nicht, dass wir einzelne Regionen nie benutzen. Wäre das der Fall, wären diese bereits im Laufe der Evolution abgeschaltet worden und wir würden dort keine Verletzungen haben können. Das Gehirn braucht jedoch mehr Energie als der jedes andere Organ, was für seine enorme Arbeitsleistung spricht.

Warum hält sich der Mythos trotz wissenschaftlich überprüfbarer Gegenargumente?

Der Gedanke, wir hätten weit mehr geistiges Potenzial, wir könnten vielleicht sogar „Superkräfte“ entwickeln, wenn wir es nur ausschöpfen, ist ein faszinierender, wie Aigner vermutet. Jeder von uns könnte ein Superheld sein, wenn an dem Mythos etwas dran wäre. Außerdem ist das Argument eine gute Verkaufsstrategie für Motivationsgurus und Mentaltrainer. Uns wird also ein Defizit eingeredet, dass es nicht gibt.

"Egal wie schlau wir sind, egal wie schnell wir denken: Unser Gehirn ist etwas Großartiges. Wir können damit komplizierte Situationen einschätzen, fehlende Information plausibel ergänzen und auf Überraschungen reagieren – das fällt den besten Supercomputern schwer. Wir sollten stolz darauf sein anstatt uns von irgendjemandem 90% unseres grandiosen Denkorgans für unnütz erklären zu lassen," schließt Aigner.

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