Deshalb solltest du jetzt zum Frauenarzt gehen

Gynecological banner with copyspace for text. Gynecologist doctor in white uniform in clinic hospital. cabinet with blue chair on background. Woman health and pregnancy concept
Gynecological banner with copyspace for text. Gynecologist doctor in white uniform in clinic hospital. cabinet with blue chair on background. Woman health and pregnancy conceptGetty Images/iStockphoto
Mit Beginn der Corona-Pandemie wurden Vorsorgeuntersuchungen auf die lange Bank geschoben. Ein Fehler, vor allem im Bereich in der Frauengesundheit.

Vor rund einem Jahr ging Österreich aufgrund der Coronavirus-Pandemie in den ersten harten Lockdown. Niemand traute sich mehr das Haus zu verlassen, geschweige denn zum Arzt zu gehen. Vor allem Vorsorgeuntersuchungen wurden auf die lange Bank geschoben. Ein großer Fehler! Denn die Folge kann eine verspätete Diagnose von gynäkologischen Krankheitsbildern, wie Krebserkrankungen, sein. Diese werden dadurch schwerer behandelbar. "Heute" hat mit den Gynäkologen Dr. Klaus Bodner und Dr. Barbara Bodner-Adler des Instituts für Frauengesundheit, Santé Femme im 8. Wiener Gemeindebezirk, über das Problem gesprochen.

Zeichnete sich am Anfang der Pandemie, oder vielleicht noch immer, ein deutlicher Rückgang von Besuchen beim Frauenarzt ab?

Im Zuge des ersten Lockdowns hat sich durch die vorgegebenen Restriktionen und die hohe Compliance der Bevölkerung, sich auch an die Maßnahmen zu halten, tatsächlich eine signifikante Reduktion der Patientenfrequenz von bis zu 70 Prozent in den gynäkologischen Ordinationen gezeigt. Diese verminderte Vorsorge hat als "Kollateralschaden" der Pandemie leider auch zu verspäteten Diagnosen und Therapien von gynäkologischen Krankheitsbildern, unter anderem von Krebserkrankungen geführt. Mittlerweile hat sich die Frequenz der Frauenarztbesuche glücklicherweise wieder nahezu normalisiert.

Diese verminderte Vorsorge hat als "Kollateralschaden" der Pandemie leider auch zu verspäteten Diagnosen und Therapien von gynäkologischen Krankheitsbildern, unter anderem von Krebserkrankungen geführt.

Welche Untersuchungen sollte eine Frau nicht verpassen?

Unbedingt zu empfehlen ist eine jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung, welche eine Spiegeluntersuchung inklusive Krebsabstrich, eine Tastuntersuchung des inneren Genitals, eine Vaginalsonographie sowie eine Tastuntersuchung der Brust beinhaltet. Hinzu kommt ohne familiäres Brustkrebsrisiko ab dem 40. Lebensjahr eine Basismammographie inklusive Ultraschall, welche danach alle zwei Jahre wiederholt werden sollte. Bei auffälligen Befunden in der Vorsorge wie zum Beispiel einem schlechten Krebsabstrich müssen dann entsprechende weiterführende Abklärungen eingeleitet werden.

Gynäkologin Dr. Barbara Bodner-Adler
Gynäkologin Dr. Barbara Bodner-Adler
Jolly Schwarz

Wie wichtig ist der regelmäßige Gang zur Kontrolle?

Eine regelmäßige Kontrolle ist enorm wichtig, denn nur durch diese Form des gynäkologischen Screenings mit PAP und Mammographie ist es möglich, bösartige Erkrankungen zumeist schon in einem sehr frühen Stadium, optimalerweise schon in der präinvasiven Phase als Vorstufe zu erkennen und einer entsprechenden Therapie zuzuführen – und das ist wiederum mit sehr hohen Erfolgsaussichten auf Heilung verbunden.

Wie gefährlich ist das Versäumnis?

Ein Versäumnis der Vorsorgeuntersuchungen kann zu einer verspäteten Diagnose und Behandlung einer Krebserkrankung führen, was dann leider unweigerlich - trotz intensivierter Therapie - mit einer schlechteren Prognose der betroffenen Patientin verbunden ist. Problematisch ist, dass viele gynäkologischen Krebserkrankung zunächst relativ stumm verlaufen und erst in späteren Stadien Symptome und Beschwerden machen.

Problematisch ist, dass viele gynäkologischen Krebserkrankung zunächst relativ stumm verlaufen und erst in späteren Stadien Symptome und Beschwerden machen.

Muss man beim Frauenarzt Angst vor Covid-19 haben?

Durch entsprechend ausgearbeitete Hygienekonzepte und eine gestaffelte Terminvergabe, bei der die Patienten möglichst einzeln zu einem Termin bestellt werden, kann das Risiko, sich in der Ordination mit Covid-19 zu infizieren, auf ein Minimum reduziert werden.

Gynäkologe Dr. Klaus Bodner
Gynäkologe Dr. Klaus BodnerJolly Schwarz

Muss mir vor meinem Arzt etwas unangenehm oder peinlich sein?

Wichtig ist sicherlich, sich einen Arzt zu suchen, mit dem die persönliche Gesprächsebene passt – dann sollte es eigentlich keine Themen geben, die zu peinlich sind, um darüber zu sprechen.

Wann sollte man mit dem ersten Frauenarztbesuch beginnen?

Ein genaues Alter für den ersten Frauenarztbesuch lässt sich schwer angeben, er sollte jedoch unbedingt vor dem 18. Lebensjahr erfolgen beziehungsweise wenn der Wunsch nach Geschlechtsverkehr mit dem Partner besteht und Verhütung ein Thema wird. Auch Beschwerden bei der Regelblutung sowie der Wunsch nach einer Krebsvorsorgeuntersuchung können ein Thema sein, das zu einem Frauenarztbesuch veranlasst.

Wann muss man nicht mehr zum Frauenarzt?

Nachdem das Alter per se einen Risikofaktor für viele Krebserkrankungen auch in unserem Fachgebiet darstellt, gibt es ehrlicherweise keinen sinnvollen Zeitpunkt, um die gynäkologische Vorsorgeuntersuchung einzustellen. Ganz im Gegenteil sollte sie in gewöhnter Weise zumindest einmal jährlich bis ins hohe Lebensalter durchgeführt werden.

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