Fussball

Deutsche fordern schon das Tuchel-Aus bei den Bayern

Bayern-Trainer Thomas Tuchel verspielte die möglichen Titel in Pokal und Champions League, jetzt auch die Liga-Führung. Er wird bereits angezählt.
Sebastian Klein
23.04.2023, 08:48
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Vorstandsboss Oliver Kahn sieht bereits "eine Katastrophe" kommen, und Thomas Tuchel wirkte nach dem vielleicht entscheidenden Patzer im Titelrennen einfach nur ratlos. "Es ist einfach zu viel passiert für die Mannschaft, sie kann sich nicht mehr auflehnen, wenn Dinge schieflaufen", sagte der Trainer von Bayern München nach dem 1:3 (1:0) beim FSV Mainz 05. Eine Erklärung dafür habe er nicht, "ich weiß nicht, wieso. Die Punkte gehen weg wie Sand durch die Hände."

Auf Platz eins steht seit Samstagabend wieder Borussia Dortmund, den Bayern droht nun eine Saison ohne Titel. Für Kahn ein furchtbares Szenario. "Das wäre für uns alle eine Katastrophe, wenn das eintritt", sagte er im ZDF.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Tiefpunkt!"

Um den Sturz von der Tabellenspitze zu verdauen, erhalten die Münchner Profis zunächst drei freie Tage. "Im Moment sehen wir aus wie eine Mannschaft, die schon 80 Saisonspiele gemacht hat, wir wirken ausgelaugt", sagte Tuchel. Die nötige Energie hole man sich nicht, "wenn wir alle einbestellen und weitermachen. Seit dreieinhalb Wochen ziehen wir das Programm ohne freien Tag durch. Wir sehen nicht frisch aus, deswegen brauchen wir Abstand."

Er habe die Pleite in Mainz "nicht kommen sehen. Wir können offensichtlich nicht ohne individuelle Fehler und Konzentrationsmängel spielen", meinte Tuchel, der aus sieben Pflichtspielen als Bayern-Coach seit der Entlassung von Julian Nagelsmann nur zwei Siege geholt hat: "Ich habe das Gefühl, wir spielen alles auf derselben Tonlage durch - und entweder reicht das dann oder nicht. Die Anpassung fehlt mir, es geht so dahin."

Mit seiner Ratlosigkeit war Tuchel im Bayern-Lager jedoch nicht allein. "Wir sind auf jeden Fall angeknockt", sagte Thomas Müller bei Sky: "Gelassen bin ich überhaupt nicht. Ich bin etwas ratlos, wie es zu dieser Situation kommt." In den kommenden Tagen sei es wichtig, sich "von der Familie wieder aufpäppeln zu lassen", um im Endspurt angreifen zu können. Aktuell spüre er "Enttäuschung und Ratlosigkeit. Der Stachel sitzt schon tief."

Auch für Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der wie Vorstandsboss Kahn jüngst zunehmend in die Kritik geraten war, war die Pleite "schwer zu erklären". Er sprach von einem "Tiefpunkt". Was die Niederlage für den Titelkampf bedeutet, wollte Tuchel nicht bewerten.

"Bild" zählt Tuchel an

Für Tuchel ist die noch junge Ära in München bereits ungemütlich geworden. Bis vor wenigen Wochen wurde er noch von so manchem Experten und der Fachpresse gefordert. Die Stimmung ist längst gekippt.

So titelt die größte Zeitung "Bild" am Sonntagmorgen: "Eigentlich muss Bayern Tuchel feuern!" 

Die "Bild" zählt Tuchel bereits an.
Screenshot

Im Kommentar geht der Autor über die Gründe des brisanten Titels nicht gerade ins Details, schreibt aber: "Nach ihrer eigenen Ziel-Logik müssten sich die Bayern von Tuchel trennen. Nur mal so eine Idee: Sie könnten Tuchels Verpflichtung ja zum Missverständnis oder April-Scherz erklären – und Nagelsmann zurückholen. Der muss ja eh weiter bezahlt werden, hat Chelsea abgesagt und viel Zeit."

Nagelsmann musste gehen, weil das Triple in Gefahr gewesen sei. Tuchel hat schon zwei mögliche Titel verspielt, fiel nun auch in der Liga hinter Dortmund zurück. Das sei also Grund genug, die Reißleine vorzeitig zu ziehen.

Weiter liebäugelt die "Bild" mit einem Augenzwinkern mit dem Comeback von Ehrenpräsident Uli Hoeneß. Vorstandsboss Oliver Kahn, Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Präsident Herbert Hainer wird eine nicht unbeträchtliche Mitschuld an der Krise des deutschen Rekordmeisters gegeben. 

Mehr zum Thema