Die Staatsanwaltschaft München will Eurofighter-Hersteller Airbus wegen Korruption klagen. Nach Österreich sollen bis zu 100 Mio. Euro geflossen sein.
Jetzt kommt es ans Tageslicht: Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus wird von einem massiven Korruptionsskandal erschüttert. Das Unternehmen, das auch Österreichs Eurofighter herstellt, soll in den vergangenen Jahren mit schwarzen Kassen und Briefkastenfirmen den Verkauf ziviler und militärischer Flugzeuge angeschoben haben, berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner neuen Ausgabe.
"Eine todernste Lage"
Airbus-Vorstandschef Tom Enders soll im Juni zu seinen Spitzenmanagern gesagt haben: "Wir sind in einer todernsten Lage." Laut Spiegel sind Ermittler auf mehr als 100 mögliche Korruptionszahlungen von Airbus gestoßen, zitiert die "Krone" vorab aus dem "Spiegel". Der Konzern hatte sich 2016 bei der britischen Antikorruptionsbehörde SFO selbst angezeigt. Parallel durchleuchten nun auch französische und deutsche Behörden das Unternehmen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht dem europäischen Vorzeigeunternehmen eine Milliardenstrafe.
Keimzelle der Korruption soll eine Konzern-Abteilung in Paris gewesen sein, die Dutzende Briefkastenfirmen rund um die Londoner Firma Vector Aerospace gegründet haben soll. Das sollte nach Ansicht der Münchner Staatsanwaltschaft dazu dienen, "Schmiergeldzahlungen an Entscheidungsträger (...) in Österreich" zu leisten, die am Kauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen beteiligt waren, meldet der Spiegel.
Anklage folgt demnächst
Die Münchner Staatsanwaltschaft will deshalb demnächst Anklage erheben. Nach vorläufigen Erkenntnissen sollen leitende Airbus-Manager diese Briefkastenfirmen um Vector Aerospace genutzt haben, um mehr als mehr als 100 Millionen Euro zu verteilen.
"Die Beschuldigten wirkten maßgeblich dabei mit, dass im Zusammenhang mit dem Kauf von 18 Kampfflugzeugen des Typs Eurofighter Typhoon durch die Republik Österreich … insgesamt mindestens 50 Mio. Euro an insgesamt 5 Vermittlungsgesellschaften geleistet wurden, die angeblich Provisionen aus Beratungsverträgen darstellten. Tatsächlich handelte es sich jedoch um vereinbarte Bestechungsgelder, um Entscheidungsträger (Beamte) bei der Vergabe des Vertrags zur Lieferung von Kampfflugzeugen an die Republik Österreich zu beeinflussen beziehungsweise die zugunsten der Eurofighter GmbH getroffene Auftragsvergabe absprachegemäß zu honorieren und um Unternehmer bei dem Abschluss von Gegengeschäften zu beeinflussen," schrieb die Staatsanwaltschaft München 1, die von einer Gesamtbestechungssumme bei Vector Aerospace von 71,5 Millionen Euro ausgeht. Die Staatsanwaltschaft Wien rechnet sogar mit 113,5 Millionen Euro, meldete Profil.
Airbus mauert weiter
In den Ermittlungsakten findet sich an verschiedenen Stellen auch der Hinweis, dass Airbus-Chef Enders über den Aufbau von Vector informiert war. Airbus will die Ermittlungen unterstützen. Den Münchner Staatsanwälten wird aber widersprochen: "Weder die seit Jahren andauernden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in München und Wien noch unsere eigenen umfangreichen Untersuchungen haben Anhaltspunkte ergeben, die auf Bestechung im Zusammenhang mit dem Verkauf von Eurofighter-Flugzeugen nach Österreich hindeuten."
(Red)