Der Blazer in leuchtendem Blau, die bekannte Frisur – Angela Merkels Kanzlerinnenporträt im Berliner Bode-Museum zieht so viele Besucher an, dass es drei Monate länger gezeigt wird als geplant.
Heute will die Altkanzlerin dort Postkarten mit ihrem Motiv signieren.
Ihre 736-seitige Autobiografie "Freiheit" hat sich weltweit mehr als eine Million Mal verkauft. Hunderte strömen weiterhin zu ihren Lesungen.
Im Februar kam sie zum CDU-Parteitag und wurde gefeiert. Dann Gerüchte über eine mögliche Präsidentschaft – Merkel ist plötzlich wieder überall.
In einer YouGov-Umfrage im Auftrag der deutschen Presseagentur dpa, wie n-tv berichtet, sagen 48 Prozent der Befragten, die Altkanzlerin wäre besser als Friedrich Merz geeignet, die heutigen Probleme Deutschlands zu lösen. Nur acht Prozent sehen Merkel als schlechter geeignet.
Während die Merkel-Nostalgie grassiert, kämpft ihr Nachnachfolger um seine Autorität. Laut ARD-Deutschlandtrend sind neun von zehn Befragten unzufrieden mit dem CDU-Chef. Die AfD hat die Union in bundesweiten Umfragen längst überholt. CDU und CSU liegen aktuell bei nur 18 bis 20 Prozent.
"In Zeiten unserer Aufregungsdemokratie tut es gut, diese Merkelsche Empörungsverweigerung mitzuerleben", sagt Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte. Merkels unaufgeregter Stil wirke für viele Menschen nach wie vor glaubwürdig, bescheiden und bodenständig.
Viele Jüngere, die mit Merkel als Kanzlerin aufgewachsen sind, sehnen sich offenbar nach der Sicherheit zurück, die sie in ihrer Regierungszeit vermittelte. Ob die 72-Jährige ein politisches Comeback plant, bleibt offen – aber ihre Fans freut es schon jetzt.