Pannen-Chaos – Deutsche wählen trotz Wahlschluss weiter

Punkt 18 Uhr sollte die Merkel-Nachfolge entschieden sein. Wegen riesiger Warteschlangen vor den Wahllokalen wurde der Wahlschluss verschoben.

Nach 16 Jahren endet die Ära Merkel am heutigen Sonntag. Die amtierende Bundeskanzlerin stellte sich nicht mehr der Wiederwahl, Union (CDU/CSU) und SPD ritterten mit den Grünen um den Wahlsieg. 

Obwohl beinahe die Hälfte aller Stimmen bereits per Briefwahl abgegeben wurden, drängten am Sonntag Menschenmassen in die deutschen Wahllokale. In Berlin, wo zeitgleich zum Bundestag auch das Landesparlament und somit der Bürgermeister gewählt wurde, folgte ein Pannen-Marathon.

Pannen, Pannen, Pannen...

Erst gingen an einigen Abgabeorten die Stimmzettel aus, weil diese versehentlich woanders geliefert wurden. "Nachdrucken konnten wir die nicht. Deshalb haben wir in Absprache mit der Landeswahlleitung Ersatz-Stimmzettel auf Kopierern im Rathaus hergestellt", so Wahlleiter Rolfdieter Bohm aus Friedrichshain-Kreuzbergs gegenüber der "B.Z.". Ein Wahlhelfer klagt: "Wir haben keine Schuld. Das Bezirksamt hat völlig falsch geplant. Wir haben nicht mit dem Andrang gerechnet!"

Lange Schlangen vor den Wahllokalen in Berlin.
Lange Schlangen vor den Wahllokalen in Berlin.Michael Probst / AP / picturedesk.com

Anderorts wurden dem Bericht zufolge dann wieder falschen Stimmzettel abgegeben, welche hernach für ungültig erklärt werden mussten. Wie viele Stimmen betroffen waren, ist unklar, die Zahl dürfte laut Bohm aber im dreistelligen Bereich liegen. 

Wahlschluss verschoben

In Berlin kam es dabei zu langen Warteschlangen. Obwohl zahlreiche Bürger wegen den langen Verzögerungen sogar aufgaben und wieder nach Hause gingen, schafften es bis zum Wahlschluss um 18 Uhr trotzdem nicht alle Bürger, ihre Kreuzerl zu setzen.

Deshalb wurde in der deutschen Hauptstadt eine Notlösung implementiert und nach der Deadline noch weitergewählt. "Der Wahlleiter hat Folgendes angeordnet: Die Menschen, die um 18 Uhr schon in der Schlange stehen, die dürfen wählen. Wer später dazukommt, dann nicht mehr", berichtet ORF-Korrespondentin Birgit Schwarz aus Berlin (siehe Video oben)

Knappes Rennen

Eine erste Prognose zum Wahlschluss zeigte aber ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Spitzenkandidaten Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD). Demnach kamen beide auf jeweils 25 Prozentpunkte, die Grünen von Annalena Baerbock erreichen 15 Prozent Platz 3 vor der AfD und könnten bei der künftigen Regierungsbildung zum Königsmacher werden.

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