In einer unterhaltsamen Partie am letzten Spieltag der Gruppe A bei der EURO im geschlossenen Frankfurter Stadion erzielte die Schweiz in Person von Stürmer Dan Ndoye Mitte der ersten Halbzeit den Führungstreffer gegen Deutschland. Das deutsche Team hatte erst spät in der Partie eine Antwort parat. Bereits zwei Minuten waren in der Nachspielzeit gespielt, dann erzielte Niclas Füllkrug per Kopf den Ausgleich. Die Mannschaft von Julian Nagelsmann ist somit Gruppensieger.
"Ein bisschen Leverkusen-Mentalität haben wir heute mit dem späten Tor hereingebracht", sagte Robert Andrich, dessen vermeintlicher Führungstreffer in der 17. Minute wegen eines Foulspiels aberkannt wurde. Wahrlich musste das deutsche Team Nehmerqualitäten beweisen. Lange Zeit lief die DFB-Elf einem Rückstand hinterher. Mit einem 1:0-Sieg wäre die Schweiz Gruppenerster geworden.
So zeigte sich auch Real-Star Toni Kroos nach dem umkämpften Remis zufrieden: "Ich glaube, dass wir zum wiederholten Mal gezeigt haben, dass wir mit einem Rückstand umgehen können. Ich hatte das Gefühl, wir waren wirklich 90 Minuten auf dem Gaspedal und wir haben uns belohnt am Ende."
"Wer aufmerksam geschaut hat, hat gesehen, dass wir taktisch etwas verändert haben. Und es ist wichtig, dass wir variabel sind. Ich glaube, dass wir gewappnet sind fürs Achtelfinale", sagte Toni Kroos nach dem Spiel im Interview. DFB-Trainer Nagelsmann wechselte bereits früh, nahm taktische Anpassungen vor und konnte in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer und damit den Gruppensieg bejubeln.
Der eingewechselte Linksverteidiger David Raum brachte eine Bilderbuchflanke ins Zentrum, die vom ebenfalls frisch ins Spiel gebrachten Niclas Füllkrug mustergültig verwertet wurde.
Psychologisch kann der späte Treffer noch ein enorm wichtiger werden, meinte Kapitän Ilkay Gündogan: "Von der Bedeutung des Ausgleichs können wir auch im nächsten Spiel profitieren." Und weiter: "Klar hätten wir das Spiel gerne nochmal gewonnen und gezaubert. Aber das kann jetzt nochmal Kräfte für die nächsten Wochen schaffen."
Dennoch offenbarte das bis dato überragende deutsche Team deutliche Schwachstellen und wurde auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Bei hohem Pressing agiert die DFB-Elf sehr fehlerhaft, hat bei Kontern besonders in der Abwehrzentrale enorme Defizite im Tempo und müht sich gegen eine resolute Defensive, Chancen zu kreieren.