Bizarrer Rechtsstreit um Pippi-Langstrumpf-Lied

Astrid Lindgrens Erben klagen in Hamburg gegen das berühmte Lied aus der TV-Serie. Der 1969 geschaffene, deutsche Text bediene sich ungeniert am schwedischen Original.
"Zwei Mal drei macht vier; widewidewitt und drei macht neune. Ich mach' mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt" – diesen Text kennt wohl jedes Kind. Das berühmte Titellied zu den Pippi-Langstrumpf-Filmen und der TV-Serie steht jetzt – 50 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung – im Zentrum eines Rechtsstreits in Deutschland.

Denn nach Ansicht des Hamburger Landgerichts verstößt die deutsche Version wohl gegen das Urheberrecht der 2002 verstorbenen Autorin Astrid Lindgren. Die Erben Lindgrens hatten Klage gegen die deutschen Rechteinhaber sowie die Witwe von Wolfgang Franke, der den deutschen Text verfasst hatte, eingebracht. Ihr Ziel: Eine Beteiligung an den Einnahmen.

Ohne Einwilligung der Autorin

Gestritten wird nun darum, ob Frankes Text als "freie Benutzung des Kinderbuchstoffs" oder als "abhängige Bearbeitung des Originals" zu sehen ist. Die Schweden argumentieren, dass sich der deutsche Text zu sehr an dem, von Astrid Lindgren selbst verfassten, schwedischen Original bedient – ohne je eine Einwilligung der Autorin eingeholt zu haben.

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Allerdings unterscheidet sich Frankes Version vom Original in einigen Stellen deutlich, so kommt etwa die eingangs zitierte Zeile von Pippis "Plutimikation" in Lindgrens Text nicht vor.

Charakterschutz verletzt

"Der Text von Wolfgang Franke hat ohne Zweifel einen hohen schöpferischen Eigengehalt" wird Richter Benjamin Korte zitiert. Entscheidend sei aber, dass der deutsche Text den sogenannten Charakterschutz von Pippi Langstrumpf verletze, da er typische Elemente der literarischen Vorlage zur Figur enthalte.

Nun muss das Gericht entscheiden. Ein Urteil in dem sich seit Ende 2017 ziehenden Prozess steht allerdings noch aus.

Wenn der Unterlassungsantrag durchgeht – die Chancen dafür stehen hoch –, dürfte das deutsche Pippi-Langstrumpf-Lied (siehe Video oben) nicht mehr gespielt werden. Vielleicht hören wir dann einen anderen Hit:

(red)

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