Tödliches Unwetter: "Schlimmer als nach Bombenangriff"

Nach Unwettern in Deutschland sind ganze Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Mindestens 45 Menschen starben, über 70 werden vermisst.

Es begann mit einer Gewitterwarnung und prognostiziertem Dauerregen. Gegen Mitternacht dann die akute Warnmeldung: "Mehrere Talsperren im Rheinland sind übergelaufen oder drohen überzulaufen. Anwohner in mehreren Orten im Kreis Euskirchen, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Oberbergischen Kreis werden aufgerufen SOFORT den Bereich zu verlassen", schrieb etwa der Westdeutsche Rundfunk.

 Seitdem entwickelte sich die Lage äußerst dramatisch. Mittlerweile ist die Zahl der Hochwassertoten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auf 45 gestiegen. Über 70 Menschen werden derzeit vermisst. 

1.500 Menschen evakuiert

Nach massiven Regenfällen müssen etwa 1500 Menschen in Hückeswagen im Bergischen Land ihre Wohnungen verlassen. "Bei den Evakuierungsmaßnahmen muss viel mit dem Boot gemacht werden, weil die Straßen nicht mehr befahrbar sind", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Betroffen sei vor allem der Stadtteil Kleineichen unterhalb der Bevertalsperre. Bei den Rettungsmaßnahmen seien zwei Menschen verletzt worden.

Die Lage scheint allerdings nicht mehr ganz so angespannt wie noch in der Nacht. "Der Damm, der zu brechen drohte, ist soweit sicher", sagte der Polizeisprecher. In dem Bereich rund um die Talsperre gebe es aber großflächige Überschwemmungen. In der Nacht waren im Oberbergischen Kreis nach Angaben des Polizeisprechers etwa 1000 Kräfte im Einsatz.

Katastrophenfall ausgerufen

Der Krisenstab im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen, südwestlich von Bonn, hat am Donnerstag den Katastrophenfall ausgerufen. Wegen der Hochwasserlage entlang der Erft bestehe die Gefahr, dass sich die bisher örtlich begrenzte Lage neben Erftstadt auch auf Kerpen, Bergheim und Bedburg ausweiten könnte, heißt es in einer Medienmitteilung.

Die Kommunen wurden aufgefordert, "die notwendigen Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes wie insbesondere Evakuierungen und Unterbringungen vorzubereiten und vorzunehmen".

 "Wir durchleben gerade eine Krise, deren Dimensionen heute noch nicht abschätzbar sind", sagte Landrat Frank Rock.

Merkel: "Es ist eine Tragödie"

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich am Rande ihres Besuchs in den USA erschüttert über die vielen Opfer und kündigte Hilfen des Bundes für die Hochwassergebiete an. Wo der Bund helfen könne, "werden wir das tun", sagte Merkel in einem kurzfristig anberaumten Pressestatement in Washington.

 Derzeit stehe noch die "akute Situation im Fokus" – die Bundesregierung werde aber bald darüber beraten, wie sie die "Aufbauarbeiten" unterstützen könne.

Die Kanzlerin zeigte sich erschüttert über die vielen Toten. "Noch wissen wir die Zahl nicht, aber es werden viele sein", sagte sie. "Es sind so viele, um die wir noch bangen müssen." Sie fügte hinzu: 

"Friedliche Orte durchleben in diesen Stunden eine Katastrophe, man kann sagen eine Tragödie."
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