Die vor allem in den Neunzigerjahren enorm populäre Diddl-Maus wird vorerst nicht mehr produziert. Die Firma Depesche hat die Lizenz an den Erfinder zurückgegeben, die dieser aber weiter verkaufen kann.
Bis Jahresende 2014 werden die Diddl-Produkte noch verkauft. Die Vertriebslizenz hat die Firma Depesche im schleswig-holsteinischen Geesthacht aber bereits an den Erfinder der Figur, Thomas Goletz, zurückgegeben. Ob Goletz die Lizenz weiterverkaufen wird, ist offen. Unter den "Diddl-News" im Internet heißt es aber hoffnungsvoll, dass der Diddl-"Vater" für die kommenden Jahre "viele neue blubberbunte Abenteuer mit Diddl und seinen Freunden" plane.
Tausende Produkte
Die Diddl-Maus hatte 1990 in ersten Zeichnungen das Licht der Kinderwelt erblickt. Nach den ersten Diddl-Postkarten war um die Marke ein Merchandising-Geschäft mit Plüschfigur, Magazin, Schreibwaren und Internetauftritt entstanden. Bis 1998 waren es allein 2.400 Produkte. Zu seinen Umsätzen äußerte sich das Unternehmen nicht.
Zur ersten Diddl-Ausstellung 1999 strömten rund 80.000 Fans aus ganz Deutschland ins historische Museumshaus ins beschauliche Geesthacht an der Elbe. Im gleichen Jahr und passend zum Internet-Hype ging auch "Diddls Käsepäitsch" online. Die CD "Komm Knuddel mich!" wurde drei Jahre später sogar mit einer Goldenen Schallplatte belohnt. Im Diddl-Jargon alles "edelgoudafein", "spitzespannend", "granatengrandios".
Wehmut und Erleichterung
Bei Depesche, einem der führenden Grußkarten- und Geschenkartikelanbieter in Europa, blicken die 320 Mitarbeiter wehmütig zurück. "Es ist immer ein Glück, ob man den Zeitgeist trifft. Das scheint Herr Goletz gehabt zu haben", sagt die Sprecherin. "Das war eine schöne Zeit, ein tolles Produkt, eine fröhliche, schöne Sache."
Manche Eltern mögen das anders sehen: "Diddl konnte für Wochen das elterliche Liebesleben lahmlegen. Ich spreche da aus Erfahrung", schrieb Vater Ingolf Gillmann vor wenigen Tagen in der "Bild am Sonntag". Er sollte nach Töchterchens Willen einst das Ehebett mit Diddl in Plüsch teilen.
"Ende einer Diktaktur"
Die Reizfigur fordert das "Zeit Magazin" zu einer Gesellschaftskritik heraus: "Es ist das Ende einer langen Diktatur. Mehr als zwei Jahrzehnte hat Diddl junge und nicht ganz so junge Mädchen im Griff gehabt."