In einer dramatischen Rettungsaktion hat ein israelisches Swat-Team am Montag die israelisch-argentinischen Staatsbürger Fernando Simon Marman (61) und Luis Har (70) nach 129 Tagen Geiselhaft aus den Händen der islamistischen Hamas befreit.
In der Nacht auf Montag erschütterten schwere Explosionen die Stadt Rafah an der Grenze des Gazastreifens zu Ägypten. Es war 1.50 Uhr nachts, aber draußen sah es aus wie am Tag.
Im zweiten Stock eines Wohnblocks sprengte das Eliteteam der Polizei-Antiterroreinheiten die Türe zu einer Wohnung und stürmte diese nach einem Schusswechsel mit den Geiselnehmern. Mindestens drei der Extremisten starben.
„Ihr habt ein paar Sekunden Zeit, um zu den Terroristen zu gelangen und sie auszuschalten.“David TsurEx-Kommandeur der Polizei-Swat-Einheit
Die Spezialeinheiten hätten das Timing jeder Bewegung und Aufgabe genau geplant, so David Tsur, ein ehemaliger Kommandeur der Polizei-Swat-Einheit.
"In dem Moment, in dem man die Tür sprengt, ist man bereits ungeschützt", sagt Tsur dem "Wall Street Journal". "Ihr habt ein paar Sekunden Zeit, um zu den Terroristen zu gelangen und sie auszuschalten. Dann beginnt die Evakuierungsaktion."
Die Spezialeinheiten fanden die beiden Geiseln, die schwach und abgemagert waren. Luftaufnahmen des israelischen Militärs zeigen, wie die Männer unter Beschuss kamen, als sie das Gebäude verließen. Die Soldaten deckten sie mit ihren Körpern.
Nach Angaben des israelischen Militärs dauerten die Angriffe etwa eine Stunde. In dieser Zeit wurden die zwei Geiseln aus dem Gazastreifen ins Tel-Hashomer-Krankenhaus in Tel Aviv gebracht.
Bei der Befreiungsaktion wurden fast 70 Palästinenser getötet, darunter auch Kinder und Frauen. Das teilten die Gesundheitsbehörden im Gazastreifen mit. Bei den Zahlen wird nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterschieden. Die meisten starben bei den israelischen Luftangriffen. Die Hamas sprach von einem "Massaker".
Während der Rettungsaktion dachten viele Palästinenser in Rafah, dass die angekündigte israelische Offensive gegen die Stadt begonnen habe. Auch das Militärhauptquartier in Kairo schlug deswegen Alarm. Kairo befürchtete, von Israel über den Start der Offensive nicht informiert worden zu sein, die eine Flüchtlingswelle nach Ägypten lostreten könnte.
Die Befreiung der beiden Geiseln ist ein Hoffnungsschimmer für jene Familien, deren Angehörige noch immer in Gaza gefangen gehalten werden. Für die Palästinenser in Gaza war die Operation dagegen eine weitere Erinnerung daran, wie stark sie den israelischen Militäroperationen ausgeliefert sind.
Nach Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, starben beim Krieg im Gazastreifen über 28.300 Menschen.